Trotz Starbesetzung überzeugt Antoine Fuquas "The Replacement Killers" weniger durch Schauspielkunst als durch geballte Feuerkraft.
(Diese Rezension bezieht sich auf die US-Originalversion des Films)
Bei einem Polizeieinsatz erschießt Detective Zedkhov (Michael Rooker) den Sohn des Gangsterbosses Terence Wei (Kenneth Tsang). Daraufhin beauftragt dieser den Profikiller John Lee (Chow Yun Fat), der in Weis Schuld steht, mit der Ermordung von Zedkhovs Sohn, doch Lee zeigt Nerven und verweigert die Ausführung. Infolgedessen wird Lee von Weis Killern gejagt, woraufhin er auch noch die Dokumentenfälscherin Meg Coburn (Mira Sorvino), von der er sich einen Pass ausstellen lassen wollte, in die Schusslinie zieht. Inzwischen hat Wei Ersatzkiller (Til Schweiger und Danny Trejo) angeheuert, die sich sowohl um Zedkhovs Sohn als auch das unfreiwillige Pärchen kümmern sollen. Lee muss jedoch innerhalb weniger Stunden in seine Heimat zurückfliegen, bevor seine Familie gefunden und bestraft wird. Mithilfe seiner Weggefährtin und dank eines gut gefüllten Munitionslagers wagt Lee die Flucht nach vorne...
Neben dem regieführenden ehemaligen Werbe- und Videofilmer Antoine Fuqua hatte auch John Woo seine Finger im Spiel, und das merkt man deutlich in den Actionsequenzen, einiges erinnert an "The Killer" und das Finale von "A better tomorrow II", selbst die Story, die allerdings stark simplifiziert wurde. Hier liegt auch die größte Schwäche des Films, denn Tiefgründiges sucht man vergebens. Geredet wird überwiegend ruhig und in Hauptsätzen, wobei die Wortwahl recht simpel ausfällt, so dass die Dialoge nicht unbedingt als linguistische Leckerbissen zu bezeichnen sind, Wortgefechte fallen flach, mit etwas Fantasie ließe sich dies jedoch auch als chinesische Besonnenheit interpretieren. Die für Actionfilme typischen Sprüche entfallen fast komplett, was allerdings zu der ernsten Erzählweise der Geschichte passt.
Auch Fuquas Handschrift lässt sich an der Schnitttechnik und der edel-ästhetischen Optik deutlich erkennen.
Auf der visuellen Ebene überholt "The Replacement Killers" dagegen die Konkurrenz mit Leichtigkeit. Die rasanten und teilweise blutigen Shootouts mit hohem Munitionsverbrauch (CYF musste unter ärztlicher Aufsicht über 540 Patronen allein in einer Nacht verschießen) gehören zum Besten, was in den letzten Jahren produziert wurde. Parallelen zu John Woos Actionkrachern sind dabei für Actionveteranen unübersehbar, wurden jedoch mit neuen Ideen zu einer interessanten Mixtur vermengt. Die in Actionfilmen üblichen Realitätsfehler (Durchschlagskraft von Projektilen wird im Film falsch dargestellt) kann man dabei verschmerzen. Fans ausgiebiger Schießereien kommen voll auf ihre Kosten. Das Waffenarsenal beinhaltet unter anderem neben der H&K USP Compact den Colt 1911, Beretta 92F, MP5K (die Til Schweiger wie von Geisterhand in eine MP5-N verwandelt), Shotguns, G3, M4, Beretta MP, M203 (M16 mit Granatwerfer) und ein CAR 15 9mm.
Dabei fallen Weis Schergen wie die Fliegen, lediglich die Ersatzkiller (immerhin die Namensgeber des Films) können John das Wasser reichen.
Getragen wird der Streifen trotz einer vor Stars und Sternchen nur so strotzenden Besetzungsliste von Chow Yun Fat, der schauspielerisch als einziger überzeugen kann. Sorvino sieht eben gut aus, wenngleich man beim Make-up etwas übertrieben hat, hebt sich aber als Akteurin nicht ab. Unverständlich bleibt auch, dass John, der ansonsten auch recht ruchlos tötet, sich seine Probleme, über deren Ausmaß er sich sicherlich bewusst war, nicht durch die Erledigung des Auftrages erspart hat.
Unterm Strich bleibt eine Actionbombe der Extraklasse mit atemberaubenden Shoot-Outs und einem mehr als akzeptablen Hollywooddebüt Chow-Yun Fats, die für Genrefans zum unbedingten Pflichtprogramm gehört.