Wenn ein Film erst zwei Jahre nach seiner Herstellung auf die Leinwand kommt, war er entweder zu gewagt/anspruchsvoll/seiner Zeit voraus ... oder schlicht und ergreifend zu schlecht.
Eine große Familie trifft sich in einem abgelegenen Landhaus im Wald (wo auch sonst?) zu einem Wochenende anlässlich des 35. Hochzeitstags der Eltern. Söhne und Töchter treffen ein, mit ihren Partnern im Schlepptau, man redet miteinander, die einen freuen sich, die anderen hoffen, dass der Pflichttermin schnell vorüber geht. Denn eins ist klar: Sonderlich grün sind sich die Protagonisten nicht.
Dann ist serviert und man könnte zum heiter-besinnlichen Teil des Abends kommen. Da hört ein Mann ein Geräusch von draußen, tritt vor das Fenster. Dann ein Knall, die Scheibe zerbirst ... und der Mann hat einen Armbrust-Pfeil mitten in der Stirn. Tohuwabohu. Alles kreischt gefühlte 15 Minuten wild durcheinander, die Kamera wackelt sich in Found Footage-Manier durch das Getümmel. Panik bricht aus, denn schnell wird den Anwesenden klar, dass sie von Unbekannten angegriffen werden, deren Absichten sich auf das reine Morden zu beschränken scheinen. Drei Figuren in Tiermasken sind es, die den Insassen nach dem Leben trachten.
Das Szenario ist deutlich abgekupfert von dem Home Invasion-Film THE STRANGERS. Wo dieser jedoch die Intentionen der Angreifer im Dunkeln ließ und sowohl dadurch als durch seine reduzierte Inszenierung eine unheimliche Spannung und psychologische Tiefe erreichte, macht YOU'RE NEXT alles falsch.
Schon bald ziehen die Angreifer ihre Masken ab (vermutlich, weil man durch die millimetergroßen Schlitze ohnehin nichts sehen konnte) ... und es wird uns erzählt, warum sie hier sind. Diese Information ist geradezu banal und vorhersehbar, was ja noch zu verschmerzen wäre, jedoch ist spätestens jetzt jegliche Spannung verschwunden und der Film entpuppt sich als das, was er wohl sein will: Eine stumpfsinnige Metzelorgie, die nur die allerniedersten Instinkte der Zuschauer anspricht (was das Berliner Publikum beim Fantasy-Filmfest dankbar mit lautem Gegröle honoriert hat, wann immer ein scharfer Gegenstand einen Körper attackiert/penetriert hat; man musste sich fremdschämen) Im Programmheft des Fantasy-Filmfests wurde der Film in Werbeanzeigen als clever und raffiniert gelobpreist. Das Gegenteil ist der Fall: YOU'RE NEXT ist einfach strunzdumm. Basta. Und dass hier - mal wieder - ein anfänglich durchaus hartes Szenario durch unnötigen Humor und schale Insiderwitze verweicjlicht wurde, setzt dem ganzen noch die Krone auf.
Unfassbar, dass das Fantasy-Filmfest ein solches Machwerk bar jeglicher Spannung, bar jeglichen Niveaus, bar jeglichen filmischen Gespürs auch noch als Abschlussfilm adelte.
1/10