You're next ist ein kurzweiliger und über weite Strecken origineller Home-Invasion-Thriller. Natürlich kommt er nicht an das Meisterwerk Inside heran, aber er variiert dieses Subgenre ein wenig, versprüht über weite Strecken viel Spannung, ist handwerklich gut umgesetzt und bietet auch darstellerisch keine Aussetzer.
Ähnlich wie in Inside lässt auch You're next das Motiv der Eindringlinge nicht im Dunklen. Allerdings schafft er es nicht, aus diesem Kniff Spannung aufzubauen. Der französische Vertreter macht den Terror durch das Motiv der Killerin deutlich spürbar. Wenn You're next (vielleicht etwas zu früh) das Motiv offenbart, geht die Spannung insgesamt (nicht in den einzelnen Szenen) etwas flöten.
Dennoch: Die einzelnen Szenen sind sehr gut aufgebaut, weil sie auch nicht dem immer gleichen Schema folgen. Mal dringen die Invasoren sehr plötzlich ins Geschehen ein und es kommt sehr rasch zu einem Kampf und der Auflösung der Situation, einige Male wird die Spannungsschraube langsam hochgedreht. Das sorgt für Abwechslung und kaum Langeweile. Auch toll ist der rabenschwarze Humor, der immer wieder durchschimmert und den Thriller angenehm auflockert. Wenn allerdings einer der Invasoren in ein Nagelbrett tritt und etwas slapstickartig durchs Bild hüpft, nimmt es auch den Schrecken, den die Killer sonst hinter ihren Masken verbreiten.
Hervorzuheben ist auch die Hauptdarstellerin, die ungemein physisch agiert und sehr glaubwürdig ihre Wut an den Invasoren auslässt.
Das Drehbuch leistet sich kaum Patzer, wenn auch die Erklärung für die "Agilität/Aggressivität und die vielen Mac Gyver-Einfälle" der Hauptfigur ein wenig unglaubwürdig wirkt und auch die Idee der Erben, nach so einem Massaker freizukommen, doch etwas merkwürdig anmutet. Um von ihrem Plan abzulenken, lassen sie erst mal die Nachbarn killen, diese Eröffnungssequenz ist auch wirklich gut gelungen.
Toll ist auch der Score, der die Spannung sehr gut unterstützt.
Fazit:
You're next ist ein durchaus gelungener Mix aus Thriller, Horror und schwarzer Komödie. Manchmal wirkt er nicht immer ganz ausgewogen und so mancher Plot und Twist wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Hart geht es auf jeden Fall zu, auch wenn die Kamera bei den Effekten zum Glück nicht immer voll drauf hält. Ein spannender Film ist es, der nicht langweilt und einige tolle Szenen auf den Schirm zaubert.
7/10