Review

Für die Geschichte über Philip (Robrecht Vanden Thoren), Lars (Gilles De Schrijver) und Jozef (Tom Audenaert), drei behinderte junge Männer, die das erste Mal in ihrem Leben sexuelle Erfahrungen machen möchten, gibt es inzwischen reichlich Vorbilder. Regisseur Geoffrey Enthoven bestätigte entsprechend, das es kein Problem dabei gab, finanzielle Mittel für seinen Film zu bekommen - Jeder wollte ihre Reise zu dem spanischen Bordell sehen.

Wie schon sein französisches Pendant "Ziemlich beste Freunde" spielt der belgische Film "Hasta la vista!" damit, das sich schwerbehinderte Menschen Wünsche erfüllen wollen, die für Gesunde selbstverständlich sind. Der Film macht kein Geheimnis daraus, das - ähnlich wie in "Ziemlich beste Freunde" - die materiellen und sozialen Voraussetzungen, in denen die drei Männer leben, ideal sind. Nicht nur das es an technischen Gerätschaften keinen Mangel gibt, auch kümmern sich Lars und Philips Eltern intensiv um ihre noch jugendlichen Söhne. Einzig der ältere Jozef lebt allein bei seiner Mutter, benötigt als beinahe Erblindeter aber eine weniger kostenintensive Betreuung.

An Geld herrscht entsprechend kein Mangel, weshalb Philips Idee, eine Reise mit seinen beiden Freunden zu unternehmen, auch bei den zuerst skeptischen und besorgten Eltern auf Zuspruch trifft, als sie die professionellen Voraussetzungen dafür feststellen können. Sie ahnen natürlich nicht, dass die eigentliche Motivation ihrer Söhne nicht in einer Fahrt zu verschiedenen Weingütern liegt, wie behauptet wird, sondern das das Ziel ein Bordell in Spanien ist, indem die Prostituierten auf Behinderte spezialisiert sind. Denn die drei Männer wünschen sich nichts mehr, als einmal Sex mit einer Frau erleben zu können.

"Hasta la Vista!" entwickelt sein Potential aus mehreren Komponenten - die alleinige Reise von drei Menschen, die sonst im Alltag auf ständige Hilfe angewiesen sind, ihr Wunsch nach intensiver körperlicher Nähe und über allem thronend die gesellschaftliche Moral, die einen solchen Besuch im Bordell verurteilt. Da sie ihren fürsorglichen Eltern ihre Sehnsüchte aus Scham nicht anvertrauen, verstehen diese auch nicht die tatsächliche Bedeutung der Reise, weshalb sie diese, als bei dem todkranken Lars erneut Komplikationen auftreten, einfach wieder absagen. Natürlich lassen sich die Drei davon nicht abhalten, sondern beschließen einfach in den frühen Morgenstunden abzuhauen – mit der Hilfe von Claude (Isabelle de Hertogh), die ihnen vom ursprünglichen Ausrichter der Reise empfohlen wurde.

Spätestens wenn die sehr korpulente Mittvierzigerin die drei behinderten Männer in ihren angejahrten Transporter verfrachtet, wird die Konstruiertheit des Plots offensichtlich. Schon die Zusammenstellung der drei Behinderungen erfüllt diese Voraussetzungen – einzig Philip als bis zum Hals Gelähmter, konfrontiert auch optisch, während der hübsche, an einem Gehirntumor erkrankte Lars im Rollstuhl sitzt und der fast blinde Jozef wie ein leicht nerdiger Mittdreißiger aussieht, der noch bei seiner Mutter wohnt. Er erweist sich als ausgesprochen höflich, auch gegenüber der mürrischen Claude, die als Wallonin kein flämisch zu sprechen scheint, was Philip sofort dazu ausnutzt, über sie in chauvinistischer Weise herzuziehen. Das er als der am schwersten Behinderte hier die Rolle des „Enfant terrible“ inne hat, der ständig sexistische Tiraden von sich gibt und mit seinem Egoismus den Zusammenhalt der Gruppe gefährdet, fügt sich logisch in ein Szenario ein, das ganz nach den gewohnten Regeln eines Road-Movies gestrickt ist, in dem sich alle Protagonisten zwischen dem Antritt der Fahrt und dem Erreichen des Ziels verändern werden.

Das es bei ihrer Reise zudem zu einigen unerwarteten Ereignissen kommen wird, die immer wieder das eigentliche Ziel gefährden, entspricht ebenfalls der typischen Erwartungshaltung, aber in dieser Vorhersehbarkeit liegt auch die Qualität dieses Films, der kein Geheimnis daraus macht, vor allem unterhalten zu wollen. In seiner ausgewogenen Mischung aus Witz, Spannung und einem Schuss Sentimentalität lässt er vor allem eins mit zunehmender Laufzeit vergessen – das es sich bei den Protagonisten um Behinderte handelt. Was diese mit ihrer Reise erreichen wollen, ist ein Moment der Normalität, und „Hasta la Vista“ kann diese Normalität genau vermitteln. Natürlich hätte das Ende des Films origineller ausfallen können und wäre es möglich gewesen, das Konfliktpotential kritischer auszuarbeiten, aber warum darf eine Behinderten-Komödie nicht genauso harmonisch und idealisiert ablaufen, wie die unendliche Anzahl anderer Komödien im Kino? (7,5/10)

Details
Ähnliche Filme