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Die Glorifizierung des Banalen – oder “Was würdest Du an Deinem letzten Tag tun?“

......rasieren würde ich mich allerdings am letzten Tag kaum wie dies unser Hauptdarsteller am Anfang tut und auch nicht die meiste Zeit in der eigenen Wohnung verbringen. Aber die Menschen sind ja verschieden. Schon in den ersten Sekunden von 4:44 wird klar, dass wir es nicht mit einfacher Kost zu tun haben. Indische Musik erklingt und wir sehen den lapidar wirkenden Alltag von Cisco (Willem Dafoe) und Skye (Shanyn Leigh), wären da nicht die TV Programme im Hintergrund die subtil, aber deutlich den letzten Tag der Erde verkünden.

Auf die konkreten Hintergründe und Umstände wird nicht im Detail eingegangen, außer im Kontext des expandierten Ozonlochs. Das Paar vertreibt sich die Zeit mit Sex und nach 5 Minuten beginnt eine gefühlt ebenso lange sehr ästhetische Liebeszene die sich am noch sicheren Rand zu expliziten Genrefilmen bewegt. Die Grundidee von 4:44 wird erfolgreich transportiert: Der letzte Tag wird im Prinzip nicht anders laufen als alle davor. Das Augenmerk wird auf die letzten Stunden unseres Paares gelegt. Insgesamt gibt es in 4:44 kaum Panik, Revolution oder deutliches Aufbegehren.

Wohin sollte man als Mensch auch seine Wut richten? Diese Phase haben die Beteiligten sicher in der Zeit davor hinter sich. Auch die aktuelle Regierung ist ausnahmsweise mal nicht schuld. Es ist eher die Menschheit an sich und ihr kurzfristiges Umweltdenken, aber die Zeit ist abgelaufen und es lässt sich nichts korrigieren. Der Film wirkt wie eine Mischung aus David Lynch und Lars von Trier dessen MELANCHOLIA ja erfolgreich gezeigt hat wie man in ungewöhnlicher und alternativer Form ein Endzeitdrama dramaturgisch gestalten kann.

Regisseur Abel Ferrara ist Kult und ihm hätte ich so manchen Mangel in 4:44 verziehen und die Idee an sich ist ja hervorragend. Die Umsetzung allerdings lässt so manche Frage offen und es bleibt nur der Eindruck an einem zahmen Experiment teilgenommen zu haben. Trotz größten Arthouse-Film Sympathien und dem verehrten Willem Dafoe hat mich der Film nicht nachhaltig gefesselt.Das überaus entspannte Umgehen fast aller Beteiligten mit dem nahenden Tod wirkt etwas unglaubwürdig. Die letzten 10 Minuten verströmen dann noch etwas apokalyptische Stimmung und suggestive Kraft, können aber 4:44 nicht vor der Beliebigkeit retten.

Das Ende selbst ist so zurückhaltend, dass es schon fast wieder gut ist. Auch hier kann ich nur auf MELANCHOLIA und eines der besten Filmenden in diesem Genre verweisen. Die nur rund 80 Minuten Laufzeit sind gut gewählt und jede Minute wäre eine weitere Strapazierung der Geduld des Zuschauers geworden. Was bleibt ist eine Filmerfahrung die von der Ausgestaltung her leider keine weltanschaulichen, philosophischen, psychologischen oder soziologischen Akzente setzen konnte und somit wird 4:44 sich nicht im Langzeitgedächtnis festbrennen können.

5/10 Apokalypsen....äh,....Punkten

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