Bei aller Liebe zum Independentfilm und erst Recht einem deutschen Horrorbeitrag dem ich schon aus Prinzip Vorschußlorbeeren verpassen würde. Aber CANNIBAL DINER ist ein trashiges Machwerk ohne Drehbuch und genregemäßen Bluteinsätzen. Die guten Kritiken, die hier Wochen vor dem Verleihstart der Scheibe entstanden, können bei allen Geschmacksverschiedenheiten nur von Freunden und Förderern des Machers Frank W. Montag stammen.
Es gibt eine Reihe von 10/10 Bewertungen für CANNIBAL DINER die einfach nur den Hype schüren und versuchen künstlich die Durchschnittsbewertung nach oben zu drücken. Zum Glück gibt es auch doppelt so viel 1/10 Bewertungen. Auch bei allem Respekt vor anderen Geschmäckern und Meinungen. Schaut Euch auch mal die Kritiken hier zu seinem vorherigen Werk SLASHER an und ihr wisst Bescheid.
Zugegeben, CANNIBAL DINER ist deutlich besser gelungen als dieser und schöpft seinen Wert aus einer Reihe stimmungsvoller Bilder auf Basis eines sehr dünnen Drehbuchs. Aber viel mehr gibt es nicht zu vermelden. Knackige Girls laufen fast die ganze Laufzeit durch düstere Locations und werden oft mit männlich-voyeuristischem Blick recht drall und billig in Szene gesetzt und oft stellt sich der Eindruck ein, dies wäre mangels anderer Schauwerte ein bewusste Hauptelement von CANNIBAL DINER. Und wie meist stehen diese optischen Vorzüge im umgekehrt proportionalen Verhältnis zu den gezeigten darstellerischen Qualitäten der "Schauspielerinnen".
Interessant ist, dass in CANNIBAL DINER fast nur Frauen spielen. Einige Szenen wirken wie frühe Werke von Andreas Bethmann, dem Erfinder des deutschen Horrorpornos. Kenner wissen was sie dort erwartete. Dort gab es allerdings auch dem Genre angemessene Bluteffekte was man von CANNIBAL DINER überhaupt nicht behaupten kann. Entsprechendes findet meist im off statt und von Splatter keine Spur. Auch mit den Masken der Kannibalen Familie hat man sich nicht wirklich bemüht. Einfach mal ein wenig schwarze Schuhcreme ins Gesicht geschmiert und das war es. Sorry, da waren Ittenbach, Schnaas und Co. ja schon vor vielen Jahren effektiver.
Zwar spielt das letzte Drittel fast nur im Dunkeln, aber in einigen Szenen gibt es eine gute Atmosphäre was an der liebevollen Auswahl von Locations liegt und an einer Kameraführung die weit weg von ähnlichen Billigfilmen agiert. Wirklich gut ist auch an CANNIBAL DINER der oft sehr gut eingesetzte düstere Industrialsound und die eher klassische Tonuntermalung in den Szenen in den Spannung herrscht die einen guten Kontrast zu anfänglichen Rocktönen bildet. Die letzte Filmminute ist tatsächlich die beste. Dennoch wähnt man sich in etwa in WRONG TURN Teil 27 wenn man die abnehmende Qualität der bisherigen 5 Teile zum Maßstab nimmt.
2,5/5 Punkten (eigentlich noch zu viel Punkte...)