Es scheint ungerecht, einen Film wie "The lucky one" für seine vorhersehbare Story, seine klischeehaften Charaktere und sein einfaches Gut und Böse-Schema zu kritisieren, da dieser kein Geheimnis aus seiner konkreten Zielgruppe macht. Hauptdarsteller Zac Efron, dem "Highschool-Musical" inzwischen ins Erwachsenenleben entkommen, spielt hier, dank angesagtem Vollbart leicht gealtert, einen 25jährigen, und es ist davon auszugehen, das auch seine weiblichen Anhänger entsprechend mit gealtert sind. Auch sonst setzt der Film ganz auf die weibliche Karte, gut an den Reaktionen in den USA zu erkennen, die dem Film die gegensätzlichsten Bewertungen zwischen den Geschlechtern einbrachte.
Tatsächlich ist nichts dagegen einzuwenden, einen Film zu mögen, nur weil der Hauptdarsteller sympathisch und attraktiv ist, aber ein spezifisches Genre lässt sich daraus nicht herleiten. "The lucky one" ist ein Drama, dessen Schwerpunkt auf einer Liebesgeschichte liegt, zur Unterkategorie der "Heimatfilme" gehörend. Der Film greift sämtliche Spezifika eines Heimatfilms auf, wie sie im traditionellen Western, aber auch im deutschen Film der 50er Jahre üblich waren - eine beinahe einheitliche weiße Bevölkerung, ländliche Idylle mit alten Häusern, Tiere und naturverbundene Menschen. Der Begriff von Heimat steht ständig im Mittelpunkt - als Grund dafür, warum Beth (Taylor Schilling) in ihrem Elternhaus geblieben ist, obwohl ihr Ex-Mann Keith (Jay R. Ferguson) sie ständig drangsaliert, und warum Logan (Zac Efron) als Fremder an diesen Ort kommt. Denn er hat keine Heimat mehr.
Es ist das klassische Motiv des Heimatfilms schlechthin, das ein Fremder an einen Ort kommt und dort eine der Frauen - in der Regel die Schönste und damit Begehrteste - für sich einnimmt und damit den Zorn der alteingesessenen Bevölkerung auf sich zieht. In den 50er Jahren manifestierte sich in diesem Motiv die Angst vor der Moderne und damit vor Veränderung, weshalb es in der Regel nur zwei Lösungen für diese Situation gab - entweder der Fremde erwies sich als bösartig oder falsch und wurde unter dramatischen Umständen beseitigt, oder er verkörperte den wahren Edelmut und sorgte damit letztlich für die Stabilisierung der bestehenden Verhältnisse.
Die besten Filme dieser Gattung konnten den Zwiespalt dieser Situation aufzeigen und machten zudem deutlich, das eine Bewahrung ohne gleichzeitige Veränderung, nicht möglich ist. Und sie waren aus dem historischen Kontext heraus nachvollziehbar, auch in ihren Ängsten und ihrer romantisierenden Gestaltung, weshalb sich die Frage stellt, welche Intention "The lucky one" in der Gegenwart verfolgt? - Im Grunde bedient er die gleichen Ängste, zeigt die Gefahren, die die Idylle bedrohen - der Tod des geliebten Bruders im Irak, der eifersüchtige, dominante Ex-Mann - und er bringt den Fremden, der in der Lage ist, diese Situation wieder in Ordnung zu bringen.
Der Wunsch nach äußerlich stabilen Verhältnissen, nach einer glücklichen Beziehung und einer schönen Umgebung, steckt in jedem Menschen, aber ein Film wie "The lucky one" verdeutlicht, wie weit diese Wunschvorstellung inzwischen von der Realität entfernt sein muss. Anders lässt sich eine Figur wie Logan nicht interpretieren, gegen die die kernigen Männer der 50er Jahre wie unfähige Trottel daher kämen. Zac Efron gibt sich die größte Mühe, einen Mann zu verkörpern, der auf Grund seiner Kriegserfahrung trotz seines jungen Alters schon sehr reif und erfahren wirkt, der nicht nur hervorragend mit Tieren umgehen kann, sondern auch mit Beth's 7jährigem Sohn, der kräftig anpackt, handwerklich begabt ist, jede Maschine reparieren kann, aber auch sehr gut Klavier spielt und viel Einfühlungsvermögen für das weibliche Geschlecht mitbringt. Das er zudem völlig in sich ruht, Werte wie Kameradschaft und Zuverlässigkeit hoch hält, die eigenen Fehler erkennt und in jeder Situation angemessen reagiert, steht außer Frage. Nur von den Insignien der Moderne hat er sich entfernt - Computer und Handy, nicht einmal ein Auto befinden sich mehr in seinem Besitz.
Angesichts dieses Fremden, dem sich Sheriff und Exmann Keith gegenüber sieht, ist dessen Reaktion beinahe verständlich, ihn möglichst schnell wieder loswerden zu wollen. Denn genauso wie der Film seinen Helden überstilisiert, macht er dessen Gegenspieler zum völligen Idioten. Keith darf als männliches Klischeeabziehbild herhalten, der mit dicken Autos herum fährt, als Sheriff den großen Macker macht, aber natürlich nicht als Soldat gedient hat, und über keinerlei Einfühlungsvermögen zu seinem musisch veranlagten Sohn verfügt. Logans gerechtfertigte Frage, wieso Beth überhaupt mit diesem Unsympathen zusammen war, erklärt sie mit Teenager-hafter Naivität und zufälliger Schwangerschaft. Anders ausgedrückt - sie kann nichts dafür.
So einfach, wie sich "The lucky one" diesen Aspekt macht, so einfach biegt sich der Film sämtliche Konflikte hin. Es ist nicht die konstruierte Story vom Soldaten, der das Foto einer Frau im Krieg findet, um sie nach dem Überleben aufzusuchen, denn eine solche Story ist legitim, sogar vorstellbar. Auch der Zufall, das Hundeliebhaber Logan auf eine Frau stößt, die mit ihrer Großmutter (Blythe Danner) eine Hundefarm führt, kann man Schicksal nennen, nicht aber das Vermeiden jeglichen echten Konflikts. Anders als die klassischen Heimatfilme, traut sich "The lucky one" keinen Moment an eine wirkliche Auseinandersetzung, riskiert keine Doppelbödigkeit und entwickelt deshalb auch keine Spannung, da er sich jeder Schwierigkeit auf einfachste Weise erledigt. Der Moment, als Logan, nachdem er Keith die Waffe entwunden hatte, mit der dieser zuvor auf ihn gezielt hatte, zu ihm sagt, er sei ganz in Ordnung, wirkt beinahe wie eine Persiflage.
Und doch wird "The lucky one" bei vielen Betrachtern funktionieren, zeigt schöne Menschen und Landschaften im Gegenlicht, aber die Art und Weise, das es für diese Liebesgeschichte keine realen Menschen, sondern stilisierter Wesen bedarf, sagt viel aus über den heutigen Zustand der Gesellschaft (2/10).