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Dass Drogenkonsum und die Rückkehr ins Elternhaus ein familiäres Kindheitstrauma wieder hervorrufen und verstärken, dürfte eigentlich niemanden überraschen, doch Eduardo Sanchez, der Regisseur von „Blair Witch Projekt“, will uns genau das als fesselndes Psycho-Drama verkaufen.

Kurz nach ihrer Hochzeit beziehen Molly (Gretchen Lodge) und ihr Mann Tim (Johnny Lewis) nach dem Tod ihres Vaters das Elternhaus. Zunächst scheint nur etwas mit dem Alarmsystem nicht zu stimmen, doch als Molly immer häufiger Stimmen vernimmt und der Meinung ist, ihr Vater sei noch am Leben, wird es gefährlich für alle Beteiligten…

Auffällig ist hier die Vermischung der drei verschiedenen Kamerastile: Es gibt die objektive Sicht, welche sämtliche Protagonisten einfängt, dann gibt es die Handkamera, welche meistens von Molly bedient wird, und dann fängt eben jene Kamera Bilder abseits jeglicher Figuren ein, was zumindest in Ansätzen für Suspense sorgt.
Anderweitig geschieht allerdings deutlich zu wenig, um eingefleischte Horrorfans bei der Stange zu halten.

Mal erklingen Stimmen, dann ein Heulen, im Keller könnte auch etwas sein und zunehmend scheint Molly psychopathischer zu werden, bis sie gar zu Gewaltausbrüchen neigt. Mal davon abgesehen, dass Mann und Schwester sich überhaupt keine Hilfe holen, ist es natürlich unverantwortlich, so eine tickende Zeitbombe, egal, was nun die Ursache ist, unkontrolliert durch die Gegend laufen zu lassen. So kommt es gegen Ende unweigerlich wie es kommen muss, was letztlich im Kontext mit dem erahnbaren Twist rein gar keine Überraschung mehr darstellt.

Darstellerisch kann Gretchen Lodge so einiges aus ihrer anspruchsvollen Rolle herausholen und performt alle übrigen Mimen problemlos an die Wand und liefert mithilfe des erstklassigen Make-ups eine fantastische Leistung ab. Auch der zurückhaltende Score, welcher mehr Raum für Geräusche der natürlichen Umgebung lässt, ist insgesamt gut arrangiert.

Nur leider zieht sich die Chose ohne jemals wirklich spannend zu werden. Es gibt keine nennenswerten Schockmomente, bis auf zwei Szenen bleibt ein Blutvergießen aus und auch die Atmosphäre in dem Haus und der Umgebung fördert keine allzu intensive Atmosphäre zutage. Ein paar bizarre, sauber gefilmte Vorgänge können zwischenzeitlich überzeugen, doch man wird den Eindruck nicht los, dass mal wieder alles auf den großen Twist hinausläuft, der eben nicht ansatzweise umhaut.

Am Ende punkten zwar die variable und effektiv eingesetzte Kamera und die grundsoliden bis hervorragenden Mimen, doch auf inhaltlicher Ebene wird primär der eingefleischte Horrorfreund reichlich im Stich gelassen. Kaum Gruselmomente, stattdessen eine Reihe hinlänglich bekannter Motive und Verlaufsmuster und zum Ende eine Überraschung, die in vielen Belangen absehbar ist. Für Fans minimal ausgestatteter Psychodramen eventuell ein Blick wert, verwöhnte Horrorfreunde dürften indes weitgehend enttäuscht werden.
4 von 10

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