Review
von Leimbacher-Mario
Cypress Hill haben sie gewarnt...
„Lovely Molly“ vom „Blair Witch Project“-Macher Eduardo Sanchez schwankt immer irgendwo im Niemandsland zwischen Besessenheitsgrusler und Psychothriller über eine Frau, Ex-Junkie und nun sauber plus frisch verheiratet, die zusammen mit ihrem Ehemann in das Haus ihrer verstorbenen Eltern zieht - wo sie schnell von alten Dämonen eingeholt und in das Verrücktsein (und/oder alte, drogenverseuchte Angewohnheiten) getrieben wird... Oder ist doch einer von Satans Gesandten höchstpersönlich am Start?!
An seinen legendären Erfolg mit dem o.g. Found Footage-Meilenstein konnte Eduardo Sanchez (bisher) nicht mehr anknüpfen, keine Chance. Auch „Lovely Molly“ hat daran nichts geändert. Aber ein solider Genrefilm mit psychologischen und dramatischen, recht emotionalen Druckpunkten ist dabei dennoch entstanden. Nichts Weltbewegendes, kein Kultfilm oder echter Schocker, nichtmal Geheimtipp, auch die Verknüpfung von Sucht, Trauma und Horror ist jetzt nicht neu. Ganz im Gegenteil, das hat man schon vielfach gesehen, nicht selten auch besser. Dennoch retten „Lovely Molly“ ein paar Punkte eindrucksvoll und heben ihn (mindestens) ins Mittelmaß. Da hätten wir die ruhige, fast altmodische, sich langsam zuziehende Atmosphäre und Inszenierung, eine clevere Kombi aus Found Footage und klassischen Aufnahmen. Da hätten wir starke Darsteller, allen voran eine aufopferungsvolle Gretchen Lodge, bei der man sich wundert, warum man die eindringliche Dame seitdem nicht öfters gesehen hat. Und da hätten wir auch einige durchaus schockierende Offenbarungen und Momente, irgendwo zwischen „Repulsion“ und „The Ritual“, zwischen Klassik und Moderne, zwischen WTF?! und unangenehm echt. Also: Beware of the Horsefather!!!
Fazit: egal ob Insane In The Brain oder dämonisch besetzt - „Lovely Molly“ creept sich langsam unter die Haut und ist in seinen besten Momenten ein fieses, understatetes Abgleiten in Mord, Sex und Wahnsinn. Kein Blutgefrierer, keine Innovation, entscheidet sich leider nie ganz, in welche der beiden Richtungen er denn nun will - aber eine fabelhafte Hauptdarstellerin hilft!