Ästhetisch gelungen, narrativ dürftig.
Hinter "Livid" stehen die Macher des Blutfontänen-Spektakels "Inside" und des auch nicht zimperlichen "Die Meute", recht starke Beiträge zur französischen Nouvelle Vague des Horrorfilmes, wobei "Livid" nicht annähernd der Drastik und nur selten der hohen Qualität oben genannter Filme (ganz zu schweigen von "Martyrs" oder "High Tension") nahekommt.
"Livid" ist in Sachen Gore beinahe zurückhaltend, setzt eher auf bedrohliche Atmosphäre, Morbidität und leicht unwirkliche Momente.
Handwerklich gibt es dabei wenig zu beklagen: Der Film ist streckenweise beeindruckend fotografiert (man betrachte nur die ersten fünf Minuten) und zudem mit dem nötigen Ernst in Szene gesetzt, wie es dem europäischen und besonders dem französischen Horrorkino in den letzten Jahren erfreulicherweise oft zu eigen ist - ein schöner Kontrast zu den oft albern-überdrehten Genrebeiträgen aus den USA.
Visuell gemahnt "Livid" nicht selten an die Werke von Guillermo del Toro; das Haus der Mrs. Jessel ist so düster-beklemmend in Szene gesetzt, dass man in jedem abgedunkelten Raum, hinter jedem schweren Vorhang, Alptraumhaftes vermutet, wie bei del Toro gleitet dort manches ins Surreale ab, aber auch Maestro Argento dürfte für Regisseur Alexandre Bustillo kein Unbekannter sein.
Die ruhige, melancholische Musikuntermalung verleiht dem Geschehen einen "Trauer"-Anstrich und harmoniert mit den gemächlichen Erzähltempo, wobei aber, zumindest in der ersten Filmhälfte, immer eine gewisse Spannung aufrecht erhalten wird.
Die Schauspieler sind gut besetzt und liefern, ohne auch nur eine einzige Sekunde mit schauspielerischen Unvermögen aufzufallen, das, was das Drehbuch ihnen abverlangt, auch wenn es mitunter ein unrealistisches Verhalten der Protagonisten vorschreibt.
Nach einigem Lob muss ich nun aber doch feststellen, dass sich "Livid" spätestens nach Vollendung seines zweiten Drittels zu sehr in Unkonkretes, im weiteren Handlungsverlauf nicht Erklärtes verliert. Hier sind die Story-Schreiber daran gescheitert, nach einem interessanten Auftakt und dem noch betrachtenswerten Mittelteil, einen schlüssige Geschichte weiter zu erzählen. Die schlussendliche Hinwendung zu einer Aneinanderreihung von mittelschwerem Blutgepansche, fehlplatzierten Faustkämpfen (lächerlich, so etwas geht in einem Horrorfilm dieser Art gar nicht!), wenig funktionierenden (da anderswo schon viel zu oft gesehenen) Schreckmomenten und einigen "fantasievollen", aber völlig beliebig wirkenden Regieeinfällen, kaschieren nicht das narrative Scheitern.