Die junge Kotoko muss aufpassen. Sie sieht manche Menschen doppelt und kann von einem der Zwillinge jederzeit angegriffen werden. Da sie sich manchmal auch nicht sicher ist, ob sie selbst überhaupt existiert, ritzt sie sich mit einem Teppichmesser. Erschwerend hinzu kommt, dass Kotoko ein kleines Kind hat. Das darf man nicht einfach fallenlassen, schon gar nicht auf dem Dach oder beim Kochen. Erst als der Schriftsteller Tanaka (Regisseur Shin‘ya Tsukamoto selbst) in ihr Leben tritt, scheint sich etwas zu ändern.
Von Shin‘ya Tsukamoto (TETSUO, TOKYO FIST) ist man ja schon einiges gewohnt. Doch das hier ist selbst für Hartgesottene schwere Kost.
Wir erleben das Geschehen nahezu vollständig aus Kotokos Perspektive, hören ihre innere Stimme, sehen ihre Wahrheit, zweifeln und erschrecken mit ihr. KOTOKO ist das Psychogram einer geisteskranken Frau, bei der man jederzeit befürchten muss, dass etwas Schreckliches passiert. Und wenn es dann passiert ist, hoffen, dass es nicht wahr ist. Das macht den Film extrem anstrengend, zu einer psychischen Tortur, wie eine Dokumentarfilmversion von Polanskis REPULSION. Dazu kommen unschöne Verstümmelungen, die in diesem realen Kontext deutlich mehr schmerzen als in einem gewöhnlichen Horrorfilm.
Gespielt wird Kotoko vom japanischen Popstar Cocco, die tatsächlich eine ähnliche Leidensgeschichte von Autoaggression und Depression hinter sich gebracht und den Film gemeinsam mit Fan Tsukamoto entwickelt hat. Wie gesagt: schwere Kost.
6.5/10