Review

"Meine Füße waren noch nie so gut frisiert."

Seit einem Paragliding-Unfall ist der Millionär Philippe (François Cluzet) vom Hals abwärts gelähmt und daher stets auf fremde Hilfe angewiesen. Bei einer Ausschreibung eines Jobs als Pfleger bewirbt sich auch Driss (Omar Sy), der eigentlich nur auf eine Unterschrift für das Arbeitsamt und der Berechtigung auf Arbeitslosengeld aus ist. Philippe ist es leid, ständig bemitleidet zu werden und sieht in Driss einen Mann, der ihn angemessen behandelt. Trotz fehlender Qualifikationen und einer zuvor abgesessenen Haftstrafe stellt Philippe Driss ein. Driss nimmt Philippe's Behinderung zunächst eher zum Anlass für unverblümte Späße, findet sich trotz anfänglicher Überwindungsschwierigkeiten aber einigermaßen schnell in die Pflegeabläufe ein.

"Ziemlich beste Freunde" nutzt die wahre Geschichte des reichen Philippe Pozzo di Borgo und des sozialschwachen Algeriers Abdel Yasmin Sellou, aus dem im Film der Senegalese Driss wird, für eine überaus charmante Komödie. Die beiden höchst unterschiedliche Menschen stellen den Dreh- und Angelpunkt des Films dar, der neben stereotypen Figuren überraschend oberflächlich ist.

Beginnt man über "Ziemlich beste Freunde" nachzudenken, fallen wohl drei Dinge als erstes auf: Die Erkenntnis, dass der Film zu keinem Zeitpunkt Längen hatte, die oberflächlich abgehandelten Charaktere sowie die reichlich zweckmäßige Handlung. Erstaunlich dagegen ist es, dass die Komödie ohne Klischees auskommt.
"Ziemlich beste Freunde" konzentriert sich auf das Wesentliche, nämlich seine beiden Protagonisten und deren Beziehung zueinander. Ganz klassisch baut der Film das Zustandekommen der Bindung auf: Gegenseitige Skepsis, langsame Annäherung, sich immer enger knüpfende Bindung mit ausbleibendem voneinander Abhängigkeitsgeständnis, zwischenzeitlicher Bruch, Zueinanderzurückfindung. Sämtliche Handlungsfäden die abseits dessen Schema verlaufen, bleiben ungenutzt und teils offen.
Themen wie Querschnittslähmung, Selbstmordgedanken, kulturelle Brüche, eine Behinderung an sich sowie der Umstand, dass die betroffene Person wohlhabend ist, werden nur in Randbemerkungen behandelt. Eine inhaltliche Tiefe baut sich somit nicht auf, wodurch der Film kaum als Drama funktioniert. Stattdessen strahlt die Komödie eine unglaubliche Lebensfreude aus, die auf ein Massenpublikum zugeschnitten ist.

Erst die letzten 20 Minuten zeigen, was der Film wirklich kann. Dann nämlich werden kurzzeitig sämtliche Unannehmlichkeiten einmal nicht ausgeblendet und das Publikum mit echten Problemen konfrontiert. Die darauf folgende Heiterkeit funktioniert daher erheblich besser als in den aufbauenden Phasen der Komödie.

Der Aufprall zweier so gegensätzlicher Charaktere erzeugt massig Wort- und Situationskomik. Die intellektuell, kultivierte Seite von Philippe bekommt immer wieder Seitenhiebe des einfacher gestrickten Driss, der auch keine scheu vor frechen und provokanten Bemerkungen hat. Seinen Charme büßt der Film dadurch dennoch nicht ein.

Die Hauptdarsteller lassen im Gegensatz zum Drehbuch nichts zu wünschen übrig. Der fabulös mimende Kopf von François Cluzet und der volle Körpereinsatz von Omar Sy erzeugen eine beeindruckende Dynamik. Falsches Sentimentalitätengeheische, übermäßige Performance und den Hang zum Überspielen des Anderen sucht man hier vergeblich.

Die hervorragenden Hauptdarsteller, der überwiegend zündende Witz und die berührende Geschichte schaffen es nicht die vorhandene Konstruiertheit und Formelhaftigkeit zu überspielen. Zu viele Wünsche versucht "Ziemlich beste Freunde" zu erfüllen, ohne eines seiner Themen genauer unter die Lupe zu nehmen. Am Ende bleibt die Komödie ein Gute-Laune-Film, der erschreckend oberflächlich bleibt. Knappe ...

6 / 10

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