Die einzige Szene des Films, die nicht direkt mit dem Angriff auf das 15stöckige Hochhaus zu tun hat, gestattet zu Beginn den Blick in ein Privatleben. Ein junger Mann, Rama (Iko Uwais), küsst den Schwangerschaftsbauch seiner schlafenden Frau, bevor er am frühen Morgen in der Polizeiuniform das Haus verlässt. Danach verschwindet er in der Anonymität des SWAT - Teams, das sich in einem Transporter auf dem Weg zu einem Hochhaus befindet.
Die Rede, die ihnen ihr Polizeioffizier während der Fahrt hält, um sie auf ihre Aufgabe vorzubereiten, ist nichts weniger als die Ausgangslage des Films. Zwanzig speziell ausgebildete Polizisten sollen den gefährlichen Gangsterboss Tama (Ray Shetapy) verhaften, der sich im 15. Stock eines Gebäudes befindet, das nicht nur vollständig überwacht wird, sondern in dem auch seine Gangmitglieder in Appartements wohnen. Zudem hat er zwei Männer an der Seite, die für ihre Brutalität und Rücksichtslosigkeit berühmt sind - Mad Dog (Yayan Ruhian), dessen Hände und Füße tödliche Waffen sind, und Jaka (Joe Taslim), der friedlich und intelligent wirkt, den man aber keinen Moment aus den Augen lassen darf. Um diese Worte noch zu unterstützen, blendet der Film in den 15. Stock, wo Tama gerade mit unbeschreiblichem Sadismus mehrere Männer hinrichtet.
Zwar hat der irische Regisseur Gareth Evans seinen Film in Indonesien gedreht, aber er verzichtet auf jede lokale Einordnung oder inhaltliche Begründung. Sein Film beschreibt eine vollständig konstruierte und durchkalkulierte Situation, die an klassische Todeskommandos a la "Alien 2" erinnert, in der sich eine kleine Gruppe von Kämpfern auf für sie unbekanntes Terrain wagt. Das Eindringen der Polizisten in das herunter gekommene Gebäude, dabei jedes Geräusch vermeidend und jede Person, die ihnen begegnet, sofort tötend, stellt den aberwitzigen Versuch da, sich auf feindlichem Gebiet bis zum obersten Stock hoch schleichen zu wollen. Das scheitert erwartungsgemäß. Der kurze Moment des Zögerns, einen Minderjährigen zu töten, genügt, um ein Inferno auszulösen.
Evans inszeniert diesen Moment grandios in Superzeitlupe, die die Gedankengänge der Beteiligten erahnen lässt und ihre Erkenntnis, das nun die befürchtete Konsequenz eintritt. Noch mehrfach wendet er dieses Mittel an, um die in Zehntelsekunden geschehenden Abläufe für den Außenstehenden erfahrbar werden zu lassen, womit ihm eindrucksvolle Sequenzen gelingen. Die Beschränkung der Handlung auf den Aktionismus, fast vollständig befreit von Psychologisierungen, hat allerdings zur Folge, das die Menschen selbst nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Hauptrolle nimmt lange Zeit das morbide Gebäude ein, dessen Wände hohl sind und dessen Decken auch keinen wirklichen Schutz bieten, während die unzähligen Opfer nicht berühren können.
Erst mit fortschreitender Handlung, als die Reihen größtenteils gelichtet sind, beginnen die Auseinandersetzungen zwischen den Protagonisten. Es bedarf dabei einer Vorliebe für asiatische Kampftechniken, denn deren Auseinandersetzungen sind teilweise von epischer Länge, verbunden mit großer Brutalität. Besonders Mad Dog gefällt es, seine Widersacher ganz langsam zu besiegen.
"The raid" macht kein Geheimnis daraus, das sich seine Macher an unzähligen Actionfilmen orientierten und versuchten, aus deren Essenz eine perfekte Form zu bilden. Das gelingt teilweise sehr gut, beginnend mit der Ausgangssituation, der Location und den optischen Tricks. Die Inszenierung der Kämpfe in dem unübersichtlichen Gebäude verfügt zudem noch über genügend Transparenz, um der Handlung folgen zu können, auch die Darsteller können hinsichtlich ihrer Kampftechnik überzeugen. Aber die Entscheidung, im Grunde auf eine Story und private Hintergründe zu verzichten - auch wenn es in der zweiten Hälfte des Films ein wenig differenzierter wird - verhindert jede Identifikation mit den Protagonisten, auch dem Schicksal von Rama, der einzigen positiven Figur des Films.
Spannung kann ausschließlich die Action erzeugen, Erwartungen an eine gute Story kann "The raid" nicht erfüllen. Damit bleibt der Film letztlich das, was er auch sein wollte - ein Film in Reinform für Fans des Genres.(7/10)