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"Nehmt Stockwerk für Stockwerk ein! Und keine Gefangenen!"

Neuling Rama (Iko Uwais) und 19 weitere Polizisten eines Sondereinsatzkommandos stürmen einen fünfzehnstöckigen Apartmentblock um den Gangsterboss Tama (Ray Shetapy) festzunehmen. Die ersten Stockwerke sind schnell und ohne Gegenwehr gesichert. Aber als die Beamten auffallen entbrennt ein erbittertes Gefecht. Beide Seiten erleiden zahlreiche Verluste. Und als ihnen die Munition ausgeht sind die Polizisten gezwungen sich mit Schlägen und Tritten zur Wehr zu setzen.

Zu Beginn verabschiedet sich Rama von seiner schwangeren Frau, die zu Hause auf ihn wartet, und begibt sich zu seiner Arbeit. Dies muss reichen um der Hauptfigur eine Motvation zu geben. Folgend ist ein militärisch anmutendes eindringen in den Gebäudekomplex, wilde Schießereien in den einzelnen Stockwerken und Fluren und schließlich ein brachialer Überlebenskampf in direkter Konfrontation mit dem Feind. Kein Platz mehr für Menschlichkeit oder eine ruhige Komponente. Nicht immer logisch, aber verdammt effektiv.

"The Raid" bietet trotz monotoner Dauer-Action Abwechslungsreichtum in Form von spektakulär inszenierten Schießereien, packend präsentierten Faustkämpfe und wahnsinnig schnellen Nahkämpfen mit Messern und Macheten. Gerade in der zweiten Hälfte ist Zurückhaltung ein Fremdwort. Die ewigen Hiebe gegen den Körper, gegen den Kopf, das Knallen gegen Wände, Möbel und andere Gegenstände hämmern jeden anderen Gedanken als pure Körperlichkeit aus dem Sinn. Der zugefügte Schmerz wird geradezu greifbar.
"The Raid" ist zweifellos ein Erwachsenenfilm. Durch blutige und brutale Details bedient der Film ein abgehärtetes Publikum. Als stimmungsvoll erweist sich die bedrohliche Soundkulisse und die schmutzige Inszenierung. Im Gegensatz zur Hochglanz-Konkurrenz ist "The Raid" angenehm direkt und ungezügelt. Obwohl die Charaktere dadurch unkaputtbar wirken, ist dies definitiv die bessere Entscheidung, als die Präsentation durch langwierige Handlungsabschnitte oder durchdachte Choreographien zu verwässern.

Der Versuch der minimalen Hintergrundgeschichte besonders gegen Ende ein paar Handlungsfinten zu verabreichen führt eher zur Verwirrung, als dass sie das Action-Sperrfeuer stimmig ergänzen würden. Passender fügt sich da die Erzählweise ein, die parallele Handlungen schlicht nacheinander zeigt und so dem Feuersturm eine gewisse übersichtliche Komponente verabreicht.
Weniger übersichtlich ist die Kameraführung. Hin und wieder schüttelt und schwirrt die Kamera mit unpräzisen Bewegungen durch die oft engen Räume, sodass annähernd eine Reizüberflutung entsteht.

Zugegeben, besonders geistreich ist "The Raid" nicht. Dies bemerkt man spätestens bei den nicht überdachten Dialogen und selbstverständlich der einfach gehaltenen Handlung. Und auch die Darsteller erweisen sich bestenfalls als zweckmäßig und fallen vor allem wegen ihrer Kampfkunst auf. All dies ist dem Nonstop-Actionfilm allerdings auch nicht wichtig. Der Film bietet brachiale wie martialische Action in Reinform mit einem der höchsten Bodycounts der letzten Jahre. Und das ist verdammt gut so. Überschwängliche Charakterzeichnungen würden die ruppige Dauer-Action nur ausbremsen. Knappe ...

9 / 10

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