Wie ein Unfall, bei dem man kaum wegschauen kann
Ist "Hudson Hawk" einer der missverstandensten Filme aller Zeiten? Könnte gut möglich sein, wenn man sich die damaligen Kritiken zu dieser Bruce Willis-Abenteuer-Komödie anguckt. Frisch mit "Die Hard"-Fame im Gepäck, daher vielleicht auch ein paar falschen Erwartungen, spielt Willis hier einen Meisterdieb, der quer über den Globus gescheucht wird um Teile eines alten Da Vinci-Artefakts nicht in die Hände verrückter Bösewichte fallen zu lassen... Wie ein seltsamer Mix aus "National Treasure", "Wild Wild West" und einem Looney Tunes-Comic, konnten weder Kritiker noch Zuschauer damals mit diesem hyperaktiven Kalauer etwas anfangen. Über die Jahre wuchs er jedoch und die Menschen konnten mehr und mehr mit ihm umgehen - ich inklusive. Und kann ein Film mit dem legendären James Coburn als Oberschurke wirklich mies sein? ;) I don't think so.
"Hudson Hawk" ist Actionparodie und Actionfilm in einem, entscheidet sich selten wirklich für eine Seite. Manchmal meint man, Willis & Co. können selbst kaum glauben wo sie da reingeraten sind und schmunzeln um die Wette. Alkohol hilft bei diesem Trip gehörig! Tony Aiello oder Andy MacDowell - so kindisch, witzig und voller WTF!-Momente hat man sie noch nie gesehen. Ich sag nur Delphine! Michael Lehmann schaufelte sich mit dieser teuren Produktion fast selbst ein Hollywood-Grab, dabei war er eigentlich nur in der gleichen Schiene wie "Austin Powers" oder "Scary Movie" nach ihm. Sicher sitzen nicht alle Witze und es gibt etliche Momente zum Kopfschütteln oder gar Fremdschämen. Doch im Endeffekt siegen hier knapp die Kreativität, der Mut und die Andersartigkeit. In einer Zeit voller stromlinienförmiger, am Reißbrett geplanter Blockbuster tut das Abenteuerfans gut. Vor allem dem Kind in uns. Oder dem Besoffski.
Fazit: seiner Zeit voraus oder so mit der größte Unfug, den Hollywood Anfang der 90er auf die Welt losließ? Der Wahrheit liegt mal wieder dazwischen. "Hudson Hawk" ist temporeich und augenzwinkernd aber ebenso überdreht, bescheuert und neben der Spur. Lehmanns zweiter Kultfilm nach "Heathers"?