"Warm Water Under The Red Bridge“ ist ein jüngerer Film von Regie-Altmeister Shohei Imamura, der uralte Themen wie Liebe, Triebe und verborgene Sehnsüchte in einen zeitgemäßen Kontext einzuordnen versteht.
Yosuke (Koji Yakusho) ist ein ganz normaler Japaner, der nach dem Niedergang seiner Firma zum Arbeitssuchenden wird. Als Vater und Ehemann ständig versagend, irrt der rezessive Verlierer durch ein verträumtes Fischerdorf. Während Frau und Tochter in Tokio auf ihn (bzw. sein Geld) warten, hat Yosuke nichts besseres zu tun, als nach einem goldenen Buddha zu suchen, der sich laut eines befreundeten Anglers und Philosophen, in einer ganz bestimmten Wohnung befinden soll.
Über diesen Umweg lernt Yosuke die Konditorin Saeko (Misa Shimizu) kennen, welche von einem äußerst seltsamen Problem betroffen ist: Seit einem mysteriösen Erlebnis in ihrer Kindheit füllt sich Saekos gesamter Körper von Zeit zu Zeit mit klarem und warmem Wasser (!), das sie dann auf klassischem Wege ausscheiden muss, um sich wieder frei bewegen zu können. Da zwischen Yosuke und Saeko von Anfang an eine starke Anziehungskraft besteht, geht man vorerst zum wilden Sex über, welcher vor allem für Saeko eine unvergleichliche Erleichterung (im wahrsten Sinne des Wortes) darstellt, da die überschüssigen Liter beim Höhepunkt in Form von riesigen Fontänen den Weg aus ihrem Körper finden.
In dieser entspannten Zeit kommt ein durch Scheidungswünsche bedingter Anruf von Yosukes Frau natürlich gerade recht. Der bevorstehende Neuanfang lässt Yosuke zum lüsternen Lebemann mutieren und auch die eher reservierte Saeko taut zunehmend auf. Natürlich währt das gemeinsame Glück nicht lange, es tauchen mysteriöse Gerüchte über Saeko und ihre einstigen Liebhaber auf.
Zum Schluss wird dann aber doch noch jeder glücklich – wenn auch ohne goldenen Buddha, aber um den ging’s ja auch gar nicht...
Nach Sichtung dieses Films stellt sich das zugegebenermaßen äußerst seltene, freudige Gefühl ein, dass es doch noch Regisseure gibt, die sich über ihr langjähriges Schaffen hinweg immer wieder den zeitlichen, aber auch gesellschaftlichen Veränderungen des Weltgeschehens problemlos anpassen können, ohne dabei ihre ganz eigenen Herangehensweisen und Erzählstrukturen zu verleugnen. Vergleicht man Klassiker wie "Die Ballade vom Narayama“ mit neueren Filmen wie "Der Aal“, oder "Warm Water“, fällt auf, dass es sich um Filme handelt, die trotz ihrer völlig unterschiedlichen Thematiken eine gemeinsame Handschrift tragen. Was ich damit sagen will: Imamura ist für mich einfach der Inbegriff eines weisen Künstlers, der nicht veralteten Stoffen hinterher hängt, sondern stets darum bemüht ist, das aktuelle bzw. immer noch aktuelle zu kommentieren.
Das gelingt ihm in "Warm Water“ auf charmante, ironische und manchmal traurige Weise. Aufgrund der großartigen Schauspieler, dem zutiefst menschlichem Humor Imamuras und einem sehr originellen Drehbuch von Daisuke Tengan (Script zu "Audition“), das nicht nur mit einer verrückt-absurden Geschichte, sondern auch köstlichen Dialogen aufwartet, schließt sich "Warm Water“ schnell ins Herz des Zuschauers.
Sieht man von einer exquisiten Kameraarbeit ab, ist die technische Seite des Films eher durchschnittlich bis unauffällig. Einer der häufigen Fälle, in denen es funktioniert, dass der Inhalt über die Form gestellt wurde.
Mit seinen erotischen Sexszenen, skurrilen Charakteren und mystischen Metaphern, erinnert "Warm Water“ oftmals an einen ausgezeichneten Roman Haruki Murakamis.
Ein sinnliches und nie langweiliges Vergnügen. Danke für dieses Kleinod, Herr Imamura.
PS: Die britische DVD von "Tartan“ überzeugt mit lupenreiner Bildqualität. Auf ARTE lief der Film gelungen synchronisiert unter dem preisverdächtig blöden Titel "Wasserspiele“.