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Killer Jash [ Ronald Cheng ] hat die Sängerin Anna Ching Suet entführt und hält sie seit bereits fünf Tagen fest. Forderungen hat er keine und auch auf das angebotene Lösegeld von HK$ 5 Millionen steigt er nicht ein; stattdessen versendet er Videos der Geiselnahme übers Internet. Da ihn der leitende Polizist Roy [ Ken Wong ] auch damit nicht aufstöbern kann und Jash sowieso einen speziellen Gegenpart will, holt sein Chef Ma [ Cha Chuen Yee ] den designierten Ngai Mo [ Andy Hui ] zurück ins Team. Doch auch mit dessen Hilfe vermeidet man nicht, dass Jash sich zwei weitere Prominenten schnappt und diese in einen Glassarg packt; erst die mit übersinnlichen Kräften gesegnete Shana Yick [ Nicola Cheung ] sorgt für erste Hinweise...

Nach Sharp Guns der zweite einer mal von Golden Harvest geplanten Plot-Twist-Reihe, der aber dann nach den finanziellen Misserfolgen beider Glieder auch der letzte der Serie war. Sie spielten nämlich nur HK$ 339,469 bzw. HK$ 106,691 ein und wurden damit als Flops eingestuft.
Von der filmischen Qualität her durchaus unverdient und manche hätten sich sicherlich auf eine oder mehrere Fortsetzungen gefreut; zumal die Ansätze auch immer stimmten. Interactive Murders hat dann zwar die bessere Idee, aber nicht die Möglichkeiten diese umzusetzen; obwohl man zugestehen muss, dass das veranschlagte Ziel sogar heute noch in den Kinderschuhen steckt.

Man will getreu dem Titel wirklich interaktiv wirken, dem Zuschauer während der Handlung diverse Möglichkeiten bieten, selber einzugreifen und gewisse Dinge zu steuern. Dabei trítt der Computer als Handlungspartner auf; das Ganze ist also im Kontext von Mensch – Maschine – Interaktion gehalten.
Der Killer stellt dem anwesenden Ermittlungsteam über Mails oder abgespielte Videos verschiedene Fragen und Rätsel, die diese innerhalb einer bestimmten Zeit lösen sollen; ansonsten ist die Geisel tot. Wir können uns an des Rätsels Lösung beteiligen, sind sogar extra dazu angehalten.
Allerdings beruht eine wahre Interaktivität auf der technischen Möglichkeit zum wahlfreien Zugriff auf alle Inhalte, was man hierbei natürlich nicht gegeben hat; dazu ist das Medium bereits völlig unzureichend.
Deswegen erfolgt die Handhabung der Rätsel auch nach dem Schema Anweisung des Killers – Handlung von sowohl Polizisten [ und optional auch Zuschauern ] – Handlungsanalyse der Polizisten – Rückmeldung an den Zuschauer und den Killer.
Sicherlich wird man damit zu eigener Aktivität und Konstruktivität aufgefordert, aber eine gegenseitige Beeinflussung ist von vornherein ausgeschlossen. Man kann vielleicht den Bildschirm anbrüllen, aber deswegen ändert sich darauf ja noch nichts.

Außerdem funktioniert das Mitraten selber wenn überhaupt nur auf der großen Leinwand, da man bei den präsentierten Bildern auf dem small screen nichts mehr erkennt. So soll man beim ersten Quiz anhand zweier scheinbar identischer Fotografien innerhalb zwei Minuten vier Unterschiede herausfinden; selbst wenn sich die Mühe macht und wirklich dabei ist, hat man keinerlei Chance. Das Gleiche gilt fürs Zweite, wo man aus einem guten Dutzend übereinander verknoteten Männern den Richtigen aufstöbern soll, der dann anhand seiner speziellen Schuhe identifiziert wird. Wovon man selber allerdings nicht weiß, bis es jemand sagt.
Zusätzlich ist das Prozedere selber eher unfreiwillig lustig: Oben rechts läuft die Zeit, und aus dem Hintergrund hört man das hektische Kombinieren samt Anfeuerungsrufen der Ermittler; was dann schon etwas sehr absurd wirkt.
Als Belohnung für die richtige und vor allem rechtzeitige Lösung bekommt man übrigens regelmäßig einen Virus verpasst; vielleicht ist es sogar ganz gut, dass so etwas nicht übers Antennenkabel möglich ist.

Abgesehen von diesen Spielchen wird anfänglich ein ganz normaler Thriller geboten, der sicherlich getreu der Reihe auch seine Überraschungen aufweist; aber lange nicht so atmosphärisch wirkt wie im Vorgänger und deswegen auch nicht so mitreißend. Manchmal könnte man fast denken, das begleitende Mitratesystem dient sehr stark als auffordernde Geste, dem Geschehen mehr abzugewinnen als es eigentlich wert ist; als tarnendes Alibi halt.
Der Einstieg erfolgt ansonsten recht gut, indem man das Kidnapping gleich selber als Mysterium an den Anfang stellt und dann über verschiedene Meinungen des Herganges nacheinander die Optionen aufstückelt und diese dann auch darlegt. Allerdings erweist sich der herbeigerufene Ngai Mo schnell als Überschlau, der beim ersten Blick immer alles weiß und die anwesenden Polizisten ständig düpiert.
Kein Wunder, dass die Arbeitsmoral von besonders Roy dadurch ziemlich auf den Boden sinkt; hatte er doch vorher schon keine Ahnung und bekommt nun noch die offenkundigen Fehler haarklein vorgehalten. Gerade bei dem Ermittlerteam hätte man mal auf das Kompetenzgerangel verzichten können und etwas mehr auf ein ausgeglichenes Gewicht achten müssen: Ngai Mo wirkt in seinem Auftreten gegenüber Roy genauso wie das Filmteam gegenüber dem Zuschauer, indem es ihm schulmeisterlich erklärt, was er alles hätte beachten müssen.
So stellt man keine Verbindung her, sondern stösst eher noch auf aus Trotz taube Ohren.

Der Rest der Besetzung scheint mehr oder minder unwichtig für die weiteren Belange: Der Part mit dem Medium hat zu wenig Halt in der Wirklichkeit und passt nicht so richtig herein; zumal ihre Fähigkeiten auch nur leichtfertig der Spannungserzeugung dienen. Mal wird halt vorgewarnt, aber ein anderes Mal komplett daneben gelegen; allein bei dem dritten möglichen Ziel hat sie zwei Fehlversuche.
Roys Freundin Renee [ Irene Santiago Casiano ] hat die meiste Zeit mit Ngai Mo zu tun, aber daraus ergibt sich ebenso wenig etwas wie die Beziehung selber wirkt. Die anderen Kollegen wie Kim [ David Lee ] halten nur als dekorative Stichwortgeber her. Sowieso ist die Polizeiermittlung ähnlich unwirksam wie der Faktor der eigenen Mitarbeit; man kann halt nur verfolgen, was nun schon wieder falsch gemacht wird und wo man jetzt wieder zu spät kommt, wobei einige Fallen schon von vornherein sichtbar sind.
Hier hätte man schon Lust auf Tipps an die Crew verteilen gehabt, aber das geht ja nun nicht.

Des Beste kommt dann erst zum Schluss: Als der Film schon vorbei ist, fängt er nämlich noch einmal von vorne an und zeigt, was wirklich passiert ist; bringt ihn so in ein gänzlich neues Licht. Sicherlich wird er dadurch im Nachhinein noch einmal interessanter, aber schiebt ihn damit auch noch weiter an den Rande der Kuriosität. Ansonsten fehlt abgesehen von dem Skript zwischendurch das Spezielle, vor allem ist die Inszenierung nicht ausreichend.
Die Idee und einen Versuch war es sicherlich wert, aber man sollte sich schon mit anderen Dingen abheben können. Der reellen Güteklasse zum Beispiel.

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