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Wenn die Performance einer Zehnjährigen und der außergewöhnlich gute Score bereits die besten Bestandteile eines Horrorfilms sind, kann es mit selbigen nicht weit her sein und doch versprüht die Billigproduktion von Autor und Regisseur Larry Wade Carrell, der auch gleich eine Doppelrolle übernimmt, einen gewissen Charme aufgrund seiner Naivität.

Melvin Falls, Texas im Jahre 1979: Witwe Edith wird regelmäßig von ihrem alkoholsüchtigen Freund Otis (Carrell) geschlagen, bis ihr Sohn Jacob (Dylan Horne) dazwischen geht, die Polizei erscheint und Tochter Sissy (Grace Powell) ihren älteren Bruder gerade noch besänftigen kann. Nach einer Nacht in der Ausnüchterungszelle säuft Otis erneut und es kommt infolge einer Auseinandersetzung zu einem tragischen Unfall. Nun gibt es für Jacob kein Halten mehr...

Komponist Iain Keslo steuert maßgeblich dazu bei, die Einstiegssequenz mit drei Kindern bei einer Mutprobe (was eigentlich nur die Rahmenhandlung darstellt) wie einen stimmungsvollen Jugendfilm der Achtziger wirken zu lassen. Zwischen beschwingt und abenteuerlustig macht das Lust auf die eigentliche Geschichte, doch als binnen weniger Szenen zwei grottenschlechte Make-ups ins Auge fallen, wird die Vorfreude deutlich gedämpft.

Als es schließlich in die Siebziger zurückgeht, was den eigentlichen Hauptteil der Geschichte markiert, fühlt man sich eher wie in einer Satire, obgleich vom Macher bestimmt nicht so beabsichtigt. Da fahren Autos, die es eigentlich erst fünf Jahre später gab, Kücheneinrichtungen wurden offenbar auch durch eine Zeitmaschine geschleust und am Ende hilft ein Gelbfilter wenig, wenn Frisuren und Klamotten nicht ansatzweise nach Siebziger aussehen.

Mit Horror hat die Chose ohnehin nicht viel gemein, denn bis es überhaupt zur Sache geht, wähnt man sich in einem Sozialdrama im Bereich des White Trash, wo sich Klischees und Stereotypen die Klinke in die Hand geben. Eine Reihe hölzerner Dialoge, dazu ein paar Flashbacks innerhalb des großen Flashbacks und mittendrin Jacob, das bullige Riesenbaby in Latzhose, der kein einziges Wort spricht, sich jedoch andeutungsweise schon mal an den Tieren aus der angrenzenden Nachbarschaft zu schaffen macht.

Erst nach 50 Minuten wendet sich das Geschehen, als der Titelgebende durch den Ort tapert und jeden niedermetzelt, der ihm begegnet. Auch wenn einige Taten im Off stattfinden, so sind die handgemachten Effekte durchaus okay und es gibt von Axt in der Stirn, herausgerissenem Arm, Körperteilung und Genickbrüchen durchaus kleinere Splattereinlagen zu erhaschen. Zwar weiß der Showdown keine dramaturgische Steigerung einzubringen, doch dafür entschädigt eine längere Ausgabe des Hauptthemas.

Ohnehin klingt der Score überambitioniert und wie für einen Blockbuster konzipiert, - variabel, gefühlvoll und sehr sauber durchkomponiert, was bei einem Independent-Streifen natürlich sogleich positiv hervorsticht. Leider kann man das über die Mimen nicht berichten, denn selbst ein Michael Biehn vermag während seiner kurzen Leinwandpräsenz keinen Deut zu überzeugen, Regisseur Carell verfällt in der Doppelrolle als fieser Otis und entschlossener Deputy dem Overacting und auch Dylan Horne bringt als Jacob null Charisma rüber, lediglich Grace Powell als kleine Schwester überzeugt mit einer Mischung aus etwas Mystik, natürlichem Charme und kurzen resoluten Einlagen.

Da mag die Anlehnung an "Der weiße Hai" in Sachen Polizeifunk und Gartenzäune noch so nett gemeint sein und auch gegen die recht variable Kamera ist nichts Negatives einzuwenden, doch die Mischung diverser Versatzstücke (von Drama bis Teufels-Mystik) passt nur selten zusammen und obgleich stets eine trashige Note mitschwingt, nimmt sich die Chose leider viel zu ernst.
Eingefleischte Horrorfreunde werden ergo mehr schlecht als recht bedient, bei allen anderen dürften die Meinungen weit auseinander gehen, - von daher sollte man sich dem Werk nicht ohne Bedenken nähern.
5,5 von 10

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