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Die hübsche Ji-Hyun (Min Kim) lernt in den USA ihren künftigen Ehemann Woo In (Jung-Jae Lee) kennen. Beide planen die Rückkehr in ihr Heimatland Südkorea, um sich dort niederzulassen und zu heiraten. Woo In kommt einen Monat früher zurück als Ji-Hyun, die noch mit ihrem Job in den Staaten beschäftigt ist. In der Zwischenzeit kümmert sich Ji-Hyuns Schwester So-Hyun (Mi-sook Lee) um den Bräutigam. Zusammen suchen sie nach einer Wohnung, arrangieren die Hochzeit und verbringen viel Freizeit zusammen. Woo In fühlt sich angezogen von der Schwester seiner Verlobten und auch So-Hyun, gelangweilt von ihrem arbeitssüchtigen Ehemann, beginnt für Woo In zu empfinden. Obwohl ihr gesunder Menschenverstand gegen die Gefühle ankämpft, läßt sich So-Hyun auf eine Affäre ein. Sie vernachlässigt ihr Kind und ihren Mann, und ihr geplantes Leben gerät aus der Bahn. Als ihre Schwester zunächst ahnungslos aus der USA zurückkommt, droht die unausweichliche Kollision.
"Eine Affäre" kommt nicht als schnulzig-melodramatisches Liebesgeplänkel daher, hinter der einfachen aber gut inszenierten Geschichte verbirgt sich ein intensives und teilweise recht interessantes Drama nach koreanischem Muster. Regisseur E.J. Yong achtet auf einen durchgehend passenden Rhythmus, der sich selbst zwar nur langsam vorantreibt, aber nie in Monotonie oder Trägheit verfällt. Trotz der Dauer von circa zwei Stunden weist der Film keine langweiligen Stellen oder Längen auf. Der Verlauf und die Steigerung der Affäre zwischen den beiden Hauptfiguren ist interessant konstruiert und so bleibt es schließlich bis zum Ende offen, was mit den Charakteren der Geschichte passiert. Und das will der ambitionierte Zuschauer ja schließlich wissen...
Der Plot arbeitet sich langsam zum Höhepunkt hin, nimmt dabei Rücksicht auf wichtige Details und läßt einen Abfall des dramaturgischen Spannungsbogens nicht zu. Clevere und tiefsinnige Dialoge unterstützen die Ernsthaftigkeit der Thematik und des Films, der in keiner Sekunde gekünstelt wirkt. Ebenfalls erfreuend ist die Abwesenheit von Banalitäten und Klischees. Die durch extravagante Stilmittel aufgebaute ernste Atmosphäre wird nie gebrochen, selbst dann nicht, wenn sich So-Hyun und Woo In spontanen Liebesspielen hingeben. Die Komposition des Films ist somit hervorragend gelungen, und das Werk gibt sich bis zum Schluss keine Blöße.
Etwas unbefriedigend ist allein das leider zu abrupte Ende des Films. Gerade wenn die Affäre auffliegt und man mehr über die Konsequenzen dieser Tat erfahren möchte, wird der Streifen etwas zu schnell und legt dem Zuschauer eine nur ansatzweise befriedigende Zwischenlösung vor. Dies ist der Punkt, an dem andere Dramen normalerweise erst einsetzen. Dennoch ist es schön, dass sich der Streifen ausgerechnet für die vorausgehenden Geschehnisse Zeit nimmt.
Technisch ist der Film recht stilvoll gelungen und mit netten Aufnahmen garniert worden. Es spiegelt sich die koreanische Feinheit für Details wieder, etwas was jeder Fan begrüßen dürfte. Die tollen Einstellungen und die durchaus gelungene Regie werden durch einen stimmigen Moll-Soundtrack unterstützt. Der sorgt somit auch gleich für die passend dramatische Atmosphäre.
Hervorrangend geben sich auch die fabelhaften Darsteller. Mi-sook Lee verkörpert die zwiespältige und aufgewühlte So-Hyun mit einer solch unglaublichen Perfektion, dass das Bild des Charakters in Erinnerung bleibt. Auch Jung-Jae Lee gibt seinen positiven Beitrag zum Film ab. Anfänglich spielt er seinen Charakter etwas gar zurückhaltend, doch im Laufe des Films gewinnt dieser durchaus an Tiefe. Mehr Szenen mit "Accidental Spy"-Star Min Kim wären wünschenswert gewesen, sie darf nämlich nur gen Schluß ein verhältnismäßig kurzes Gastspiel geben.
Sicherlich ist "Eine Affäre" kein Film für jedermann, denn Fan des Genres und auch vielleicht des koreanischen Kinos sollte man schon sein. Die Intensität von Werken wie "Failan" oder "Peppermint Candy" wird nicht im Entferntesten erreicht, aber gesamt gesehen findet man hier dennoch ein einfühlsames Drama vor, das so gewagt langsam abläuft, dass der Schmerz der Figuren an den Nerven zu zehren weiß. Wer sich Freund des asiatischen Dramenkinos nennt, sollte einen Blick riskieren - und dürfte dann auch durchaus überrascht sein von einer unglaublich intensiven Darbietung von Hauptdarstellerin Lee Mi-sook.

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