Jack Nicholson spielt einen rebellischen Gefängnisinsassen, der wegen seines auffälligen Verhaltens in die Psychiatrie gesteckt wird. Nicholson will sich der täglichen Routine jedoch nicht unterwerfen und wird somit schnell zum neuen Problemkind der Klinik. Nachdem er zusammen mit einigen Gefangenen ausgebrochen ist, um mit diesen Angeln zu gehen, sehen die Ärzte und Schwestern rot.
Unabhängig davon, welches Institut oder welche Jury die besten Filme aller Zeiten ernennt, "Einer flog über das Kuckucksnest" ist ganz vorn mit dabei und wird in einem Atemzug mit "Der Pate", "Citizen Kane" oder "Odyssee im Weltraum" genannt. Darüber hinaus konnte der Film die fünf wichtigsten Oscars, also für Regie, Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin, Dehbuch und bester Film, gewinnen, was zuvor lediglich "Es geschah in einer Nacht" und später lediglich "Das Schweigen der Lämmer" schaffte. Ich persönlich finde den Film auch gut und habe mich durchaus gut unterhalten gefühlt, aber ich würde ihn auch nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfilmen zählen, da es mittlerweile wesentlich heftigere und verstörendere Psychiatrie- und Gefängnisdramen gibt. Aber ansonsten gibt es an diesem Meisterwerk nicht sonderlich viel auszusetzen.
Es muss doch wirklich deprimierend für einen Darsteller sein, an der Seite von Jack Nicholson fungieren zu müssen, da er mit seiner unglaublich hohen Leinwandpräsenz, die kaum ein anderer Darsteller jemals erreichen konnte, das gesamte Geschehen auf sich zieht und alle anderen Darsteller lediglich zur Randnotiz abwertet. Und auch in "Einer flog über das Kuckucksnest" ist es der überaus energisch spielende, unglaublich präsente Jack Nicholson, der das eigentliche Highlight des Films darstellt und für seine Darstellung vollkommen gerechtfertigt seinen ersten Oscar in Empfang nehmen durfte, der das größte Highlight des Films darstellt. Darüber hinaus verblüfft er durch seine unglaubliche Energie, die perfekt zu seiner leicht hyperaktiven und exzentrischen Figur passt. Nach seinen starken Leistungen in "China Town" und "Easy Rider" stellt er zudem seine Vielseitigkeit unter Beweis. Neben Nicholson kann aber auch Louise Fletcher in der Rolle der rigiden Oberschwester brillieren und mit ihrer todernsten Art ein perfektes Feindbild abliefern. Trotz ihrer starken Leistung und ihres Oscar-Gewinns für eben diese Rolle gelang ihr nie der endgültige Durchbruch, zumal man neben Jack Nicholson, wie gesagt nichts als eine Randnotiz darstellt. Rollen von Psychopathen und Behinderten sind bekanntlich die, bei denen man als Darsteller wirklich brillieren kann, man denke nur an Al Pacino in "Der Duft der Frauen" oder an Dustin Hoffman in "Rain Man" und so können auch die Psychopathen und Insassen in "Einer flog über das Kuckucksnest" voll und ganz überzeugen, wobei vor allem Danny DeVito in einer seiner ersten Rollen eine wirklich überzeugende Leistung bringt.
Die Story ist ebenfalls gelungen und ist auf jeden Fall ein vielschichtiges Plädoyer für die Freiheit des Individuums. Die Charakterkonstruktion der Hauptfigur, die sich im Gefängnis nicht fügen möchte und sich in die Psychiatrie einweisen lässt, aber auch dort unter keinem festen Tagesplan und unter der täglichen Routine stehen möchte, ist sehr gut gelungen. Darüber hinaus reist die Charakterkonstruktion den Zuschauer förmlich mit und lässt den Zuschauer wesentlich näher an den Gedanken der Hauptfigur teilhaben. Die Wendungen sind ebenfalls gut gelungen und steigern geschickt Spannung und Dramatik, zumal sich die Story jeglichen Stereotypen entzieht. Stellenweise stört aber, dass die Story etwas zu kalkulierend auf Schockmomente und Gags aus ist, statt das Drama ruhiger und ohne den Einsatz von Schocks und Gags ablaufen zu lassen. Außerdem wird die Quelle des Irrsinns der Patienten überaus flach behandelt und deren geistige Behinderungen einfach vorausgesetzt.
Regisseur Milos Forman leistet bei seiner Inszenierung hervorragende Arbeit. Forman setzt Nicholson perfekt in Szene und macht jede Sequenz mit dem Oscar-Preisträger zu einem Erlebnis. Er nutzt die trostlose Atmosphäre der Psychiatrie und die Anfälle und Aussetzer der Insassen, um eine gespannte Atmosphäre aufzubauen, die er die meiste Zeit über halten kann. Er baut geschickt Dramatik auf und leistet vor allem beim erschreckenden und verstörenden Ende gute Arbeit. Auch an Musik und Ton gibt es nichts auszusetzen. Stellenweise lässt er sich bei der einen oder anderen Sequenz ein bisschen zu viel Zeit und baut somit einige Längen in seinen Film ein. Außerdem steuert er stellenweise zu kalkulierend und offensichtlich auf Gags und Schockmomente zu, aber alles in allem hat er sich seinen Oscar dennoch redlich verdient. Mit "Hair", "Amadeus" und "Larry Flynt" lieferte er später einige weitere Meisterwerke.
Fazit:
Auch wenn der Film die eine oder andere Länge haben mag ist "Einer flog über das Kuckucksnest" ein sehenswertes Drama und gilt zu Recht als einer der besten Filme aller Zeiten. Allein der überragende Jack Nicholson ist das Ansehen des Films wirklich wert, aber auch der restliche Cast, die starke Inszenierung und die vielschichtige Handlung mit einer starken Charakterkonstruktion machen den Film zu dem Meisterwerk, dass er ist.
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