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Zur Beurteilung seines Geisteszustandes wird R. P. McMurphy (Jack Nicholson) vom Gefängnis in eine Nervenheilanstalt verlegt. Schon in der ersten von der strengen Oberschwester Ratched (Louise Fletcher) geleiteten Gruppensitzung zeichnet sich ab, dass hier zwei Welten aufeinanderprallen.

Und so mäandern Geschichte und Emotionen auf den Grenzen zwischen Würde und Entmenschlichung, zwischen Freigeist und Kontrolle. Dabei teile ich nicht die oft vernommene Rezeption bezogen auf das einfache Gut-Böse-Schema. Gerade die Unschärfen in der Darstellung von McMurphy und Ratched machen den Film aus. Beide sind auf ihren Seiten gefangen, unfähig des Ausbruchs aus den Rollen, aber nicht eindimensional.
Völlig verdient sind hier die Oscars für Jack Nicholson und Louise Fletcher, die das Ausleben und die Kontrolle im steten Widerstreit zeigen. Es prallen zwei Extreme aufeinander, einen Mittelweg scheint es da nicht zu geben. Diesen findet das Skript aber bei den heiteren und dramatischen Momenten, die der Film allesamt zu bieten hat.
Auch die Nebendarstellerriege kann sich sehen lassen. Brad Dourif und Christopher Lloyd am Anfang ihrer Filmkarrieren, Danny DeVito, William Redfield und der Rest lassen ihre Figuren lebendig wirken und umschiffen die Gefahr, das Ganze zu einer Freakshow werden zu lassen.

Perfekt ist das Werk indes nicht. So spannend die Charakterzeichnungen sind, schrammen sie mitunter zu knapp an der Klischeekiste vorbei. Auch hätte manche Frage mehr Beachtung verdient. Gerade die Motivation mancher Insassen, sich freiwillig in der Institution aufzuhalten, wäre ein spannendes Thema gewesen und hätte sowohl den jeweiligen Figuren, als auch der Obrigkeit und der Beziehung zwischen diesen beiden Parteien einen weiteren interessanten Blickwinkel spendieren können.

Gedreht wurde in einer realen psychiatrischen Klinik. Man bezog sogar Personal und Patienten in die Dreharbeiten mit ein, wodurch das Setting so real und greifbar wirkt. Dies wird dadurch verstärkt, dass sich das Ensemble damals in der Klinik einquartierte und entsprechende Tagesabläufe konstruiert wurden. Forman strebte so einen höheren Grad an Natürlichkeit in der Darstellung an, was ihm auch geglückt ist.
Ken Kesey, Autor der Buchvorlage, stand dem Film ablehnend gegenüber. Denn schon während der Produktion überwarf er sich mit den Machern, da es einige Änderungen zu seinem Roman gab.

Die 1970er Jahre waren nicht arm an großartigen Filmen und dieser gehört sicherlich ebenso dazu. Immer sehenswert mit fantastischen Darstellern, wobei Nicholson und Fletcher alles überragen. Sensibel, witzig und kritisch.

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