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"The poor die and the rich don't live."

In der Zukunft hat Zeit physische Währungen ersetzt. Menschen aller Schichten bezahlen ihren Kaffee, Taxifahrten oder andere Dinge mit Minuten, Monaten oder Jahren ihrer eigenen Lebenserwartung und laden sie durch Arbeit wieder auf. Während die obere Schicht über einen immensen Vorrat an Lebenszeit hat, kämpft die untere Schicht täglich um ihr überleben.
Will Salas (Justin Timberlake) muss täglich für seine weitere Lebenszeit arbeiten. Als er einen Reichen vor Zeitdieben rettet, erzählt dieser von dem korrupten System, durch das die Reichen sich ewiges Leben erschleichen. Er schenkt Will seine restlichen 116 Jahre und richtet sich damit selbst. Dadurch wird der Zeitwächter Raymond Leon (Cillian Murphy) auf Will aufmerksam. Am gleichen Abend stirbt Will's Mutter Rachel (Olivia Wilde) in seinen Armen, nur Sekunden von einem lebensrettenden Zeitabgleich entfernt.
Will beschließt in eine sozial stärkere Zeitzone zu wechseln und dem Gerücht der wirtschaftlichen Korruption von Zeit nachzugehen. Er lernt den sehr reichen Finanzmogul Philippe Weis (Vincent Kartheiser) und dessen Tochter Sylvia (Amanda Seyfried) kennen. Als Raymond versucht Will festzunehmen, nimmt dieser Sylvia als Geisel und flüchtet, mit nur wenigen Stunden an Lebenszeit.

Regisseur Andrew Niccol hat eine Vorliebe für außergewöhnliche Welten mit Hang zur Sozialkritik, dies bewies er schon mit dem Science-Fiction-Klassiker "Gattaca", der Mediensatire "Die Truman Show" oder dem zynisch-bissigen Waffenhändler-Drama "Lord of War". "In Time" enthält seine bekannten Elemente, setzt die zunächst frischen Ansätze allerdings mit einer allzu bekannten Handlung fort.

Eine Busfahrt für zwei Stunden Lebenszeit, ein Becher Kaffee für vier Minuten oder gar ein Auto für über 50 Jahre; Aus dieser simplen wie genialen Grundidee, erschafft Niccol eine futuristische Welt, die in der ersten Hälfte des Films zu überzeugen weiß.
"In Time" zeigt eine Gesellschaft, in der alle vermeintlichen Elemente menschlichen Glücks in einem Gut zusammenfallen: der Zeit. Die Redewendung Zeit ist Geld wird hier in geradezu sturer Konsequenz zur Realität geformt. In der Welt dieses Films werden die Menschen mit einer Digitaluhr im Arm geboren. Bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres schweigt diese Uhr, um sodann als Countdown noch ein weiteres Jahr zu ticken. Zwar altert der Mensch fortan nicht, jedoch stirbt er, wenn seine Zeit abläuft, es sei denn, er gewinnt Zeit hinzu.

Der sozialkritische Blick entsteht durch eine einfache Konsequenz: Keine Zeit, kein Leben. So begegnen dem Protagonisten zahlreiche zeitlose Personen, die tot auf Straßen liegengelassen und das grelle, lebendige grün der Digitaluhr missen lassen. Ebenso eindringlich beschreibt "In Time" den Handel mit Zeit und die Konsequenz, wenn einer Person nicht mal genug Zeit für eine Heimfahrt bleibt. Und das im doppelten Sinne.

Geradezu ärgerlich ist es, dass Niccol diese außergewöhnlichen Ansätze nicht bis zum Ende verfolgt, sondern ab der Hälfte des Films einen Thriller aufbaut, der sich frei an den Figuren Bonnie und Clyde sowie des Robin Hood bedient. Somit finden sich mit fortschreitender Laufzeit immer weniger erzählerische oder visuelle Höhen.
Während der Erkenntnis, dass sich die Handlung wohl erschöpft hat, steigt die Wissbegierde, zu der Feststellung führend, dass sich "In Time" keinerlei Zeit genommen hat, um seinen Kosmos zu erklären. Fragen, wie die zunkünftige Welt entstanden ist oder wie sie wissenschaftlich funktioniert, beantwortet der Film nicht. Stattdessen kommen zahlreiche Lücken im logischen Ablauf, kaum ansehnliche Effekte und eine sehr konstruiert-geglättete Erzählstruktur hinzu.

Die schlichten, teils austauschbaren Figuren werden solide von den Darstellern geführt. Heraus sticht Justin Timberlake ("The Social Network", "Black Snake Moan") durch seine hohe Präsenz. Amanda Seyfried ("Red Riding Hood") sowie Olivia Wilde ("Cowboys & Aliens", "Tron: Legacy") dienen nur der Optik, während Cillian Murphy ("Sunshine", "Inception") und Vincent Kartheiser ("Angel - Jäger der Finsternis") zumindest ab und an als nicht völligst durchsichtige Gegenspieler charismatisch auftreten.

Andrew Niccol baut seinen Science-Fiction-Thriller auf einer starken Idee auf und erreicht somit bis zur Hälfte der Laufzeit eine spannende Zunkunftsvision mit niveauvoller Gesellschaftskritik. Ab dann allerdings schwankt die Qualität von "In Time". Die clevere Ausgangssituation macht einer mäßigen Optik und einer abgedroschenen Geschichte ohne Überraschungen Platz. Fehlende interessante Figurenkonstellationen und überschaubare Actionszenen lassen spürbare Längen aufkommen, die die überwiegend soliden Darsteller nicht kompensieren können. Knappe ...

7 / 10

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