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Sein Kinodebüt hätte sich Autor und Regisseur Todd Lincoln wohl etwas viel versprechender vorgestellt, als dass es knapp zwei Jahre auf Halde lag und erst jetzt in einem sehr kleinen Rahmen auf die große Leinwand schaffte. Kein Wunder, denn allzu viel gibt sein Geisterspuk nicht her.

Kelly (Ashley Greene) und Ben (Sebastian Stan) beziehen ein Haus in einem weitgehend leerstehenden Neubaugebiet am Rande Kaliforniens. Ben verschweigt ihr, dass er vor einiger Zeit mit einigen Studenten eine Geisterbeschwörung durchführte, doch nun scheint ihm jene böse Macht ins neue Domizil gefolgt zu sein…

Die überwiegend negativen Kritiken sind innerhalb der ersten Minuten bei der Einführung der beiden Hauptfiguren kaum nachvollziehbar, denn das Paar wird sympathisch präsentiert und man denkt sogar anbei an die Wirtschaftskrise. Kakteen und große Stromleitungen fallen dabei deutlich auf, - mit denen wird es im Verlauf wohl noch einiges auf sich haben.

Hat es jedoch nur bedingt. Denn als der Spuk einsetzt, geht dies mit den üblichen unerklärlichen Geräuschen von irgendwo aus dem Haus einher, nachts steht die Haustür offen und der Nachbarhund stirbt binnen weniger Augenblicke, nachdem dieser starr in die Ecke der Küche blickte.
Der Rest ist recht billig und unmotiviert von bekannten Genrestreifen abgekupfert, da kommt Found Footage ebenso zum Einsatz wie die Göre aus „Ring“ und dazu gibt es eine immerhin spannend inszenierte Anlehnung an „Bodysnatchers“.

Auch Kelly und Ben, die zu Anfang noch recht erdverbunden dargestellt wurden, entwickeln ein zusehends irrationales Verhalten, denn anstatt einfach das Haus zu verlassen, campt man im eigenen Garten fünf Meter vom Übel entfernt und selbst wenn der Spuk nicht wäre, - bei dem plötzlichen, jedoch heftigen Schimmelbefall wäre ein dauerhafter Aufenthalt im Haus auch ohne bösen Geist nicht gerade gesundheitsfördernd.

Logisch und halbwegs nachvollziehbar erscheint gegen Ende schließlich rein gar nichts mehr, denn der nicht näher definierte Dämon terrorisiert das Paar nach Belieben, da kann auch direkt mal ein Jeep in die Erde sickern oder jemand ungesehen von A nach B teleportiert werden. Entsprechend kaum schlüssig präsentieren sich die letzten Minuten, denn die Geschichte spart so sehr an Hintergrundinformationen, dass man sich final jede Erklärung selbst zusammenreimen muss.

Inszenatorisch gibt es zwar ein paar atmosphärische Momente und Ashley Greene ist als optisches Highlight nicht zu verachten, doch ansonsten gelingt es Lincoln mit seinem Langfilmdebüt nicht, auch nur ansatzweise zu fesseln oder gar durch Schockmomente zu überzeugen.
Trotz der gerade einmal 82 Minuten Laufzeit tun sich einige Längen auf, die Gruseleffekte erscheinen durch die Bank altbacken und Sebastian Stan wirkt so unmotiviert wie das komplette Drehbuch.
Lauwarme Kost für Genrefans, die man sich getrost schenken kann.
Knapp
4 von 10

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