Review

Eine recht solide unheimliche Atmosphäre, hervorgerufen durch die klassische Ausgangsposition eines Paares, verfolgt von einer unheimlichen Entität, kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Todd Lincolns Film letztendlich ein total misslungenes Kuddelmuddel unterschiedlichster Einflüsse geworden ist.

Natürlich will die Produktion ausnehmend mit „Twilight“-Star Ashley Greene punkten, aber nur ein schönes Gesicht kann auch nicht alles retten.
Vor allem, wenn der Film sich als unglaublich wild zusammen geklebtes Mosaik präsentiert.
Es beginnt erst einmal mit einem Schmalfilmrückgriff auf eine Séance in den 70ern, dann ein Handheld-Revival des gleichen Experiments mit Studenten in moderner Zeit mit Wackeloptik. Das geht aber schon mal deftig schief und endet in Schreien und noch mehr wirren Gewackels.
Danach blendet der Film munter zu Frau Greene um (schnuckelig), die ihren Freund (bratzig) immer mal wieder von der Arbeit abholen muss, weil sie gemeinsam in einer fast menschenleeren Vorstadtsiedlung (Poltergeist?) leben, gekrönt von Strommasten (Pulse?). Alsbald rücken die Möbel, das Licht flackert, die Türen öffnen sich. Freund Ben kriegt Stielaugen und kramt geheimnisvoll in der Garage. Dann kommt der Nachbarshund vorbei und stirbt mal schnelle. Und schon hat der rachsüchtige Geist aus dem Jenseits unsere Helden am Arsch.

An diesem Punkt hat auch der Letzte begriffen, dass Ben an dem zweiten Experiment vom Anfang teilgenommen hat und da etwas sehr Rachsüchtiges in unsere Welt geholt hat. Was das ist und was es will, wäre nun von Interesse, aber an einer Personalisierung der Bedrohung ist das wirre Skript nicht gar nicht interessiert. Da schimmelt erst das Haus, dann wuchert ein wespenstockähnliches Gebilde in der Küche und gibt eine Skulptur der zweiten Séance frei, dann krabbel ein Mädel aus der Waschmaschine (Ring? Grudge?).
Die Botschaft zwischen diesem Horror-Sperrfeuer: es ist übermächtig und ihr könnt nicht entkommen ! Und das war es dann auch schon. Stets hofft man auf nähere Erläuterungen und auch der Besuch eines weiteren Beteiligten (hier darf Harry-Potter-Ekel Tom Felton mal auf intellektuell-nerdig machen) bringt einen nicht sonderlich weiter. Alle Verteidigungsmaßnahmen greifen nicht oder werden gar nicht genutzt, nicht zuletzt, weil der Plot die selbst aufgestellten Gesetzmäßigkeiten gern mal aushebelt (das könnte aber auch das Ergebnis eines nachträglichen Schnittmassaker sein, das der länger eingelagerte Film erleben musste). Die meisten Gegenmaßnahmen werden dann auch noch pseudowissenschaftlich wild erklärt und bieten keine Basis für Nachvollziehbarkeit (vielleicht wirken sie deswegen nicht).

Ich gebe gern ein paar Gummipunkte für einige schöne Gruselbilder, zeitweise beängstigende Atmosphäre (schließlich sind die Figuren wirklich „allein“ an diesem von der Zivilisation noch nicht bezogenen Ort, der ein Kommentar zur Immobilienkrise sein könnte) und passable Effekte, wünsche Miss Greene aber künftig bessere Drehbücher.
„The Apparition“ ist eine – eigentlich traurige – Ruine eines eventuell vielversprechenden Films, der sich mit seiner eindimensionalen Unausweichlichkeit und der Anonymisierung des Grauens selbst zerstört! Aber immerhin ist er nicht langweilig! (4/10)

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