Horror aus deutschen Landen? Solls ja geben! Und dann kommt Sebastian Niemann und fetzt uns "Seven Days..." um die Ohren, nur zum Beweis, dass die Deutschen es unter dem Deckmäntelchen einer internationalen Produktion mit englischsprachigen Darstellern drauf haben, Markenware abzuliefern.
Strenggenommen haben es Niemann und sein Team auch geschafft, denn der Film sieht tatsächlich optisch recht häufig nach atmosphärischer B-Ware aus, die man in jeder gutsortierten Videothek finden kann. Dabei geht ihm die häufige TV-Biederkeit, die Bundesproduktionen oft wie ein Leichentuch umhüllt, fast völlig ab.
Was bleibt, ist eine stabile, wenn auch nicht sonderlich aufregende Geisterhaus-Story, die allerdings mit ihrem Teaser so viel Lust auf mehr macht, daß das der halbe Film hinterher nicht mehr aufholen kann. Der nämlich ist dermaßen offensichtlich aus diversen berühmten Vorbildern versatzstückmäßig zusammengeschustert, daß der dreiste Klau die Freude an der Inszenierung verdirbt. Sam Pertwee muß skriptgemäß einen Horrorautor mit Schreibblockade geben, der im Laufe des Films fieberhaft in seinen PC hackt, wo dann auf das holde Eheweib (Amanda Plummer, der Dachschaden vom Dienst, diesmal in der vernünftigen Rolle) bei Erstlesung eine böse Überraschung mit erleben wird. Das kennen sie schon aus "Shining"? Ist auch nur der Anfang! Neben weiteren Anspielungen auf "Friedhof der Kuscheltiere" und "Misery", ist das böse Geheimnis schließlich im Keller zu finden (hatten wir das nicht in Amityville...?) und das Filmende gemahnt doch ziemlich deutlich an "Poltergeist", wie auch ein flackernder Fernseher daher zu stammen scheint.
Das Buch vereint eine Menge spukiger Vorgänge, nur wollen diese nicht immer zur Handlung beitragen. Was soll der Geistereffekt mit dem Bild am Anfang? Uns wohl nur einen Schreck einjagen. Warum sind die Moorgeister so bitterböse? Warum nehmen sie die Gestalt des Kindes an? Warum muß Pertwee, im kompletten Nicholson-Modus, so wahnwitzig übertreiben, daß jeder sonst merken muß, daß ihm sämtliche Sicherungen nach Australien ausgewandert sind? Und warum zum Teufel merkt das hier keiner? Und wieso lebt er nach Beendigung seiner Besessenheit (in der ihm ordentliche Verletzungen zugefügt worden sein müssen, auch weiterhin, obwohl seine Frau ihm bereits 24 Stunden vorher mit der Bratenschneide die Niere perforiert hat und er offensichtlich über einen Tag vor sich hin blutet? Und wie kommt die warnende Todesankündigung (die ja vom Haus stammt) in die angemackte Irrenhausinsassin, einen ganzen Ort entfernt? Und woher hat der irre Vorbesitzer die ganzen Infos erhalten, die er in einer gewaltigen Buchhaltung regalweit gesammelt hat? Och, da fallen mir noch ein paar ein...
Da summieren sich viele kleine Ärgernisse zu einem gewaltigen Ganzen, denn auch wenn am Ende diverse PC-Effekte und einiges an Blut fließen, rettet das die Löchrigkeit des Buches nicht. Die Möglichkeiten werden einfach nicht genutzt und der Film ist gerade da zuende, als die Sumpfzombies im Keller interessant zu werden drohen. Der Plot an sich ist papierdünn, nichts, was man nicht relativ schnell vorhersagen könnte, würde uns nicht der Junge jeweils irritieren, der aber stets einen bösen Eindruck macht. Eine Lokalisierung wird übrigens auch schwer, aber ich denke, die Chose findet irgendwo in England statt, wie die Nummernschilder verraten, obwohl das Lenkrad immer links ist. Aber die Amis haben halt gar nicht die europäischen Heidelandschaften.
Niemann sollte auf diesem Weg weitergehen, es ist schon der Richtige, aber da muß noch geübt werden, denn Handwerk allein macht nicht den Meister. Jetzt sollte ihm mal jemand ein brauchbares Drehbuch schneidern, wer weiß, wozu er dann imstande wäre. Diesen hier kann man sich mal mit der Freundin (oder dem Freund) ansehen, wenn es was Mittiges mit nicht soo viel Psycho und nicht soo viel Blut und doch passabel spannend sein soll. Sonst weitestgehend hirnig und stark bewölkt, aber nicht ohne Aufhellungen. (4/10)