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Mittlerweile schon bald das volle Dutzend zumachende Zusammenarbeit zwischen dem einstmals blühenden, seit Mitte der Achtziger aber nur noch sporadisch seine Toren öffnenden Shaw Brothers Studio und dem seit mehrere Jahrzehnte die Fernsehlandschaft anführenden TVB, wobei die Filme getreu der momentanen Gewichtung zumeist mehr den Zuschauer der kleinen Mattscheibe als die Anhänger des Großen Kinos ansprechen wollen und vermögen. Im Grunde genommen handelt es sich bei The Fortune Buddies ähnlich wie auch den vorhergehenden, doch recht bescheidenen 72 Tenants of Prosperity, The Jade and The Pearl (beide 2010) oder I Love Hong Kong (2011) um erweitertes mediales Bestreben in strenger Form; werden in der Besetzung und der Auswahl der Themen populäre Stars und Sternchen lokal begrenzter Anhängerschaft, quasi die bekannten Gesichter aus dem heimischen Wohnzimmer und von dort auch die Geschichten selber geholt. Der große Fernsehfilm, der das ansonsten mit Werbeeinblendungen, platziertem Product Placement und Franchise-Angeboten bezahlte Programm nun noch zusätzlich mit dem Lösen von Eintrittskarten attraktiv schröpfen und finanziell füllen soll. Eine Rechnung, die nicht immer und meist auch nur in den innerstädtischen Grenzen , wenn dann aber extrem erfolgreich aufgehen und den Massenappeal des Fernsehens auch zukünftig in die Lichtspielhäuser ziehen wird und soll:

Die drei "low-end Mongkok guys" Luk Wong [ Wong Cho-lam ], Fook Yuen [ Louis Yuen ] und Sao Lee [ Johnson Lee ] halten sich mangels fester Arbeit und ebensolch sporadischen Einkommens entweder in ihrer gemeinsamen Behausung oder auf dem lokalen Arbeitsamt auf, was keinen von ihnen so richtig voran im Leben bringt. Zudem plagt Luk eine erdrückende Schuldenlast, hat er sich doch von seinem Schwiegervater in spe [ Eric Tsang ] einen Scheck über 200.000 HKD geliehen und prompt wieder verloren. Als die drei Tunichtgute bei ihrer privaten Varieteshow auf der Sai Yeung Choi Street zufällig und mit Glück einen hünenhaften Wrestlingsstar ausknocken, was sich rasant per Video im Internet verbreitet, sehen sie eine Chance auf Erfolg. Denn Maggie [ Maggie Cheung Ho-yee ], die Managerin der WWV, der World Wrestling Victory, bietet den drei körperlich und motorisch überaus Geschwächten ein re-match vor laufenden Fernsehkameras an, was gerade Luks Freundin Fiona [ Fiona Sit ] jetzt alles Andere als begeistert von dem waghalsigen Unternehmen ist.

Schon getreu der Vorgaben wird von Autor und Regisseur Chung Shu-kai als Zögling von Eric Tsang und so Spezialist zumeist kleinerer Komödien ein begrenztes Areal der Eingängigkeit und Vertrautheit geschaffen. Anders als zumeist die Konkurrenz beziehen sich die Ereignisse oft aus der Sicht des Kleinen Mannes, der nichts hat und auch selten für später auf etwas blicken, es sei dann seine eigene letztlich doch beschauliche Welt und die Aufrechterhaltung bewährter Tugenden vertrauen kann. So wohnen die Freunde hier gar im engen Kreise zusammen, in einem wenig anheimelnden, aber wenigstens ihnen gehörenden Heim in Angrenzung an ein verehrt verrufenes Stadtgebiet. Einfache Leute mit einfachen oder eben auch gar keinen Jobs, die zahlreiche Probleme am Hacken, aber auch das Herz am rechten Fleck und den Willen zum Nicht-Aufgeben trotz aller Schwierigkeiten haben. Das spricht dem Publikum mit gleicher Herkunft und Sorgen natürlich direkt aus der Seele, wobei die dramaturgische und emotionale Einbindung dessen hier sicherlich offensichtlich, aber bis auf einige Sätze zu viel auch nicht störend oder wie anderweitig auch schon geliefert moralisierend bzw. moralinsauer ist. So wird sicher auch ein bisschen Moral und Versöhnung und Küsschen am Ende geliefert, was aber wiederum mit Kampftechniken wie dem "Little Angry Bird" und einigen derberen Stunts im Wrestlingfinale abgegolten wird.

Denn dass man sich als Komödie und nicht als Drama oder Tragikomödie darstellt, vergisst die Produktion glücklicherweise nicht, ist die Begebenheit und ihre Behandlung sowohl weltnah als auch durch vielerlei Zwischenschritte mit Sketchanleihen weltfremd genug. Besonders anfängliche Erlebnisse auf dem örtliche Arbeitsamt, welches theoretisch niemals ein Hort der Freude, sondern eher der beschämenden Qual und anbiedernden Erniedrigung ist, werden hier mit vielen Zusätzen der Absurdität ihres Schreckens beraubt. Zusätzlich kommt ein Milieu von Zitate, Parodien und Analogien filmischer Eigenheiten hinzu, werden Monologe und Dialoge direkt aus dem Erfahrungsschatz des eigenen cineastischen Wissens und direkte Szenen aus vergangenen und aktuellen Kassenschlagern wie A Moment of Romance, Infernal Affairs bis hin zur Würdigung und gleichzeitigen Veralberung des Ip Man Zweiteilers (inklusive Sammo Hung lookalike) genommen. Auch ein Besuch am Filmset selber steht mehrmals an und im Raum, was erneute Be(s)tätigung der Entfernung durchaus zeitgenössischer Probleme wie Finanz-, Wohn-, Gesellschaftskrise etc. in die Groteske und so den widersinnigen Witz ermöglicht.

Durch das übliche Aufgebot an hauseigenen Cameos unterstützt, was dem Betrachter außerhalb der Drei-Meilen-Zone sowieso aufgrund der Unkenntnis entgeht, und durch ein (logischerweise) aus dem Television mit ihrer Varietyshow Liza and the Three Gods bewährtes Komikertrio in den Hauptrollen verschworener Gemeinschaft getragen, kann man dem Film dabei durchaus seine Zielsicherheit in der Ansprache der auditierenden Allgemeinheit bescheinigen. Hat seine Gebiete von Ideen und Phantasien, ist  Vergleichsweise erfrischend und nicht gänzlich vorhersehbar ablaufend, sowie auch nicht mit langweilender Routine, niederen Gags oder abstoßendem Zynismus versehen. Ein Werk als natürlich in kleiner Ausdehnung und Ansprache gefangenes Kurzzeitvergnügen mit folgerichtigen Hilfsmitteln, Vorzügen der Eigentümlichkeit, auch bösen Worten gegenüber der eigenen Klientel wie "television audiences has no taste", aber dafür auch erfreulich sicherer Unterhaltungsbahnen und lichtvollen Zusätzen.

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