Review

kurz angerissen*

Da weiß man wieder, weshalb einige Kulturen mehr Wortstämme für den Schnee haben als andere. „The Art Of Flight“ mag eine Werbedokumentation sein, für Red Bull noch mehr als für den Sport, die wenigen Interviews und Wortfetzen mögen aus inhaltslosen, pauschalen Floskeln bestehen… als besonders kritischen Punkt darf man sogar anmerken, dass es von wenig Respekt gegenüber der Natur zeugt, wenn die Snowboarder wie Affen durch das bis dato unberührte Gelände pöbeln, auf Dosen und selbst Gasflaschen schießen, Bäume en air kicken und jeden Weg zur Spitze auf motiorisiertem Wege beschreiten, immer begleitet von einem Heli in blau-rot-gelber Werbetracht. Kurz, es ist eine ziemlich dumme und primitive Angelegenheit.

Aber was für eine. Ästheten schnalzen dank nie zuvor gesehener Bilder mit der Zunge. Es ist schon richtig, mit den Tricks alleine fängt man allenfalls die Anhänger dieser Nummer aus der Kategorie Special Interest. Drum investiert Curt Morgan eine ganze Menge in das Zusammenspiel von Bild und Ton, damit auch die Masse an den Haken geht. Wer mal die Videospielserie „SSX“ gespielt hat, weiß in etwa, was auf ihn zukommt. Pures Snowboarding? Nö, vor allem die Präsentation muss stimmen. Während der Credits werden subtil Diagonalen zwischen den Schneeflocken gezogen – mathematische Berechnung, Physik, Schnee bis ins Detail leben und sein, mit diesem Versprechen eröffnet der 80-Minüter und liefert prompt die ersten Bilder in superkontrastreicher High Definition. Dazu ein epischer Soundtrack aus Post Rock, Chill Out, Elektro, eben aus allem, was da oben in der Luft fernab jeglicher Zivilisation am besten funktioniert. Nervige Geräusche aus der Realität, Handyklingeln, Papierrascheln, Tastenklicken, all das wird vollkommen runtergeregelt. Nur noch du und der weiße Berg.

Das Resultat ist Instant-Fernweh. Alaska, Kanada, Chile und ein paar besonders bergige und bevölkerungsarme Plätzchen in den USA zeigen ihre allerbeste Seite. Die Tricks sind cool, aber was wirklich flasht, sind diese Symmetrien, mit der die Berge marmoriert sind, mit der Schneedecken abfallen oder Gestöber aufgewirbelt werden. Wie der Helikopter vertikal in der Luft steht und mit der dahinter stehenden Wintersonne ein Panorama ergibt. Diese absolute Durchdringbarkeit, mit der die Hochgeschwindigkeitskameras in Ultrazeitlupe jeden Schnee- und Wasserpartikel fokussieren.

Es gibt eben Filme, die dürfen auch einfach mal nur schön sein. Sich zum nebenbei Bügeln eignen, ohne jede negative Assoziation. „The Art Of Flight“ gehört dazu.

*weitere Informationen: siehe Profil

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