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Während der kanadische Buschpilot Tom Leute durch British Columbia fliegt, vergnügt sich seine sexhungrige Frau Vixen mit (fast) allen Männern, die ihr in der Wildnis über den Weg laufen. Auch ein Pärchen auf Urlaubsreise, das Tom zur Übernachtung mitbringt, wird von ihr nacheinander vernascht. Erst ein gewissenloser Drogenschmuggler, der Tom unwissentlich zum Piloten seines nächsten Transports machen will, setzt dem vorläufig ein Ende...

Wie so üblich bei Russ Meyers Filmen bleibt auch bei „Vixen!“ die Handlung außerordentlich überschaubar – nach einer Reihe von Nackt- und Sexszenen gibt es eine marginale Krimi-Handlung, die mal mehr, mal weniger positiv aufgelöst wird. Was diesen 68er-Streifen allerdings zu einem seiner berühmtesten und tatsächlich besseren Werke macht, ist die unbedarfte Schamlosigkeit, mit der hier nicht nur körperliche Tatsachen, sondern auch flüchtig ernste gesellschaftspolitische Themen angerissen werden – und der pure Unterhaltungswerk dieses erneut reichlich trashigen Sexploitation-Reißers.

Im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen gelingt es Meyer hier, wirklich einmal interessante Figuren zu gestalten. So ist Tom zwar naiv und gutgläubig in Bezug auf seine Männer verschlingende Frau, kommt aber nicht als so ein völliger Trottel oder seine Impotenz durch Aggressivität kompensierender Verlierer daher wie einige frühere Hauptfiguren. Und Vixen wird zwar ziemlich plump als Femme fatale inszeniert, die nacheinander so gut wie jede Figur des Films verführt – inklusive der Ehefrau des Touristenpaars, was dem Film seinerzeit in den USA direkt ein X-Rating eintrug – dabei aber auf einen Großteil der Verachtung für ihren Mann verzichtet, wie es zum Beispiel bei „Good Morning … and Goodbye!“ zu beobachten war. Auch die groben und simplen Nebenfiguren können ein klein wenig mehr überzeugen und vor allem weniger abstoßen als die gewalttätigen, primitiven Vergleichscharaktere in bisherigen Meyer-Filmen. So bleibt „Vixen!“ mit einem halbwegs sympathischen Figurenarsenal deutlich unterhaltsamer und leichter zugänglich als seine direkten Vorgänger.

Und dabei entfaltet er sogar noch eine überraschende politische Subversion: etwa mit der Nebenfigur des schwarzen Nigel, der aus den USA nach Kanada geflohen ist, um der Einberufung zum Vietnamkrieg zu entgehen. Und dass Vixen ihm gegenüber einen offenen, brutalen Rassismus an den Tag legt, verleiht dem Film eine ganze Weile erst eine irritierende Note, weil lange unklar bleibt, wie sich die Erzählung dazu verhält; erst im Schlussteil gibt es glücklicherweise einige zwar simple, aber dafür überaus eindeutige Dialoge, die die ganze Abscheulichkeit und Dummheit einer solchen Ideologie zum Ausdruck bringen und verurteilen; und dass nach überstandener Gefahr Vixen sogar eine (maximal plump inszenierte) Läuterung durchläuft, verortet das Geschehen nachträglich noch als spannende politische Stellungnahme.

Für einen Meyer-Streifen sind das erstaunlich tiefgründige politische Kommentare, aber natürlich bleibt auch „Vixen!“ dem bekannten Muster seiner Sexploitation-Trash-Werke treu: Figuren und Dialoge bleiben trotz grundsätzlicher Sympathie auf flachstem Niveau, die Story ist dünn wie ein Blatt Papier und dramaturgisch äußerst platt – erst kommt das Touristenpaar, dann der Kriminelle – die Darstellenden gehören ganz sicher nicht zum Besten, was das amerikanische Kino jener Zeit zu bieten hatte. Dafür fallen hier wieder die mittlerweile souverän eingesetzte Kameraführung auf (schräge Winkel, Unterperspektiven, gut eingefangene Naturaufnahmen), der nicht mehr ganz so nervtötende Easy-Listening-Score und vor allem ein neues Maß an gekonnter Freizügigkeit: Die wenigen Frauen ziehen sehr viel blank, und auch wenn die Sexszenen weiterhin eher peinlich gespielt bleiben, gibt es doch viel mehr davon. Ein inszenatorisches Highlight ist dabei tatsächlich die lesbische Liebesszene, die schon mit einer Kameraeinstellung beginnt, bei der man die Ehefrau zwischen den Schenkeln der breitbeinig vor dem Bett stehende Vixen lasziv in ihren Laken liegen sieht. Hier gibt es tatsächlich einmal erotische Szenen, die technisch clever und ästhetisch niveauvoll inszeniert sind.

Insgesamt besticht „Vixen!“ also als kreuzunterhaltsamer Trash-, Sex- und Krimi-Streifen, dessen inhaltliche und inszenatorische Unbekümmertheit (die auch vor in Sexfilmen eher abturnenden Aspekten wie männlicher Unlust oder Inzest nicht Halt macht) ihn zu einem herrlich hemmungslosen Sexploitation-Reißer der 68er-Filmära werden lässt. Definitiv eines von Meyers besseren Werken!

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