Auf billigen Filmen rumkloppen ist ja einfach – und „Lost Planet“ aka „Offworld“ macht es einem da wirklich nicht sonderlich schwer. Manche Filme sind auch wirklich nur vergessenswert, doch hier will ich wenigstens ein paar Zeilen darüber verlieren, egal wie schlecht er ist (und er ist tatsächlich nicht sehr gut).
Das haben die Mühen der Macher hier mal verdient.
Zunächst mal: wäre das ein reines Fanprojekt, hergestellt und abgekurbelt im Vordererzgebirge hätte alles im Fandom von hier bis Füssen gejubelt und gelacht.
Vielleicht war das ja auch so, aber weil es aus den Staaten kommt und hier mit einer DVD-Veröffentlichung geadelt wurde, herrschen nun strengere Kriterien, insofern ist dieser Debütstreifen so wie jeder andere auch zu bewerten.
Da lob ich dann zumindest mal das enorm schmale Budget von einer Dreiviertelmillion Dollar, für die man im SF-Genre relativ wenig bekommt, außer es geht um schlechte Computersimulationen des Weltraums. Die sind hier auch nicht sonderlich gut, aber auch nicht außergewöhnlich schlecht, spielen aber auch nur eine bedingte Rolle (im ersten Drittel).
Danach hält man sich an dem Aufenthalt auf dem mysteriösen Alienplaneten schadlos, wo es recht erdähnlich zugeht und man nur einige Props und Alienkostüme braucht. Dennoch: für so wenig Geld sieht der Film recht gut aus, zwar immer noch wie ein Amateurprojekt, aber nicht total inkompetent.
Ein weitere lobende Erwähnung für die Umsetzung eines beliebten Genres in ein anderes Medium: eigentlich ist „Lost Planet“ nämlich ein reiner und typischer Backwoodsurvivalhorror mit all seinen seligen Elementen: da sind die saufenden und kiffenden jungen Leute auf Urlaubstour, die ihr Fahrzeug illegalerweise tunen wollen und so im Nirgendwo stranden. Dort gehen (im Wald!) viele finstere Dinge vor und sie werden zwischen Aliens und radikalen Soldatentruppen fast zerrieben. Am Ende entkommen zwei von ihnen arg lädiert. Finito!
Leider gibt es hier nicht so viele echte Horrorelemente, aber die Umsetzung des Backwoodprinzips ist schon vergnüglich. Allzu viel Detailreichtum war bei dem Schnürsenkelbudget nicht zu erwarten, also sieht das Raumschiff arg spartanisch und kahl innen aus, aber nun auch nicht so albern wie bei Ede Wood jr.!
Das erste Drittel verbastelt man mit der Raumkreuzfahrt, die die Herrschaften dann in eine Sperrzone warpt und den Rest spielen wir alle fleißig: wir suchen uns Hilfe!
Natürlich ist in einer Sperrzone nicht viel davon zu erwarten, denn irgendwelche Killerkampftruppen sind bemüht, alle Aliens auszurotten, wieso auch immer. Die Aliens sind auch nicht wirklich nett, verknuspern hier mal einen der Gestrandeten, die Soldaten erweisen sich aber als noch radikaler.
Das wesentliche Problem: nichts davon trägt den Film über 90 Minuten.
Da Motivation und Hintergründe eher vage bleiben, wird vieles nur angerissen und anderes übertrieben. Da stapft man lange witternd durch den Tann und wird von kostensparenden Alienmasken blinzelnd beobachtet. Oder eine Armee von billig kopierten und animierten Kampfanzügen wird dauerhaft ballernd endlos durchs Bild geschoben. Oder man schraubt endlos an der Technik rum. Oder man wird gefühlte fünf Minuten lang von einer ungesehenen Gefahr aus einer Luke gezogen.
Die größten Schwächen liegen im Wackelkameraeinsatz (exzessiv in Actionszenen) und in der eher schwachen Alienperspektive, bei der sich der Kameraman offenbar wirklich eine Oberkörperattrappe auf die Schulter montieren lassen musste, mit der man dann statisch am Bildrand durch den Wald läuft.
Etwas mehr Budget und etwas mehr Gore (Blut gibt es eigentlich nur bei einem offenen Beinbruch) hätten dem Ganzen gut getan, immerhin will man die Figuren nicht alle wegen akuten Doofheit sofort in den ersten fünf Minuten killen. Nicht zuletzt, weil man die Sympathen erstmal noch gar nicht gleich ausmachen kann.
Also ein schwacher Film, aber dennoch für die Macher vermutlich ein ambitioniertes Projekt, weswegen ich die drei Punkte auch nicht als Verdammung verleihe, sondern angesichts der Schwächen eher als Ansporn verstanden wissen will. (3/10)