“Folter”... ich lasse das jetzt einfach mal so stehen und seine Zweideutigkeit wirken.
Allerdings gibt es ja noch so eine hübsche Sache namens Relativität und zieht man die drei anderen Filme zum Vergleich heran, die in einem Zug mitproduziert und von Juan Ibanez inszeniert wurden, ist “Folter” aka “Torture Zone” aka “The Fear Chamber” in seiner reißerischen Aufmachung immerhin der einäugige König unter den Blinden.
Wenn man als Gourmet nämlich plötzlich in die Kanalisation gerät und dort allerhand Müll fressen muss, beginnt man irgendwann, den Müll qualitativ zu differenzieren und bemerkt kleine Nuancen, die zum Beispiel das steinharte Brot der Schimmelkultur überlegen machen. Der vorliegende Streifen ist insofern das steinharte Brot, als dass er dem Ideal eines wertvollen Trashfilmes noch am nächsten kommt. Denn alleine die Geschichte ist diesmal so deppert, dass Alien-Psi-Attacken (“Alien Terror”), in einem Geisterschloss verschwindende Erbschleicher (“Dance of Death”) und Voodoo-Zombies (“Cult of the Dead”) mit ihren konservativen Storylines dagegen kein Land sehen.
Ich darf mal zusammenfassen: Zwei Forscher laufen in Schutzanzügen durch eine 147 Grad heiße Gegend, um etwas Aufregendes zu finden (was genau, ist zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch gar nicht festgelegt) und werden von Forscher-Kopf Boris Karloff per Telefon (!) instruiert. Unter anderem gibt er die Anweisung, bei 150 Grad sollten die jungen Forscher auf jeden Fall umkehren. Während Karloff nun seiner Assistentin vorheult, dass er doch gerne selbst an diesem heißen Ort wäre, finden seine Delegierten nun endlich was auf ihrer abstrusen Schnitzeljagd: eine Art organischer Stein, der, so des Wissenschaftlers fundierte Analyse, “weder lebt noch tot ist”. Soso. Ingmar Bergmans “Wilde Erdbeeren” lassen grüßen; vermutlich ist Karloffs seniler Akademiker die inkompetente Alptraumversion von Professor Isak Bork.
Nun wird das Steinding gefangen und ins Labor gebracht. Man findet heraus, dass es sich von Angst-Enzymen ernährt. Also werden fesche Weibsbilder aufgetrieben und in einem inszenierten Gruselkabinett zu Tode geängstigt. Die nun zu Tage tretenden Angstenzyme veranlassen das Steinwesen dazu, die Frau auszusaugen; ist das geschehen, bleibt nur eine verschrumpelte, ziemlich unsexy Hülle zurück.
Aber das ist ja noch nicht alles, es gibt noch schnieke Subplots. Zum Beispiel glaubt Karloffs Assi, das Monster könne ihm Diamanten verschaffen. Karloffs Tochter funkt irgendwann dazwischen und am Ende drehen alle durch: “Ich will die Weltherrschaft! Ich will die Weltherrschaft” ist die konsequente Folge.
Mit dem exploitativen Charakter des (deutschen) Titels hat der Film nicht viel gemein, vielmehr bietet er ein paar wie in einer Geisterbahn ausstaffierte Räume auf, geschmückt mit Plastikskeletts, falschen Hexenkesseln und engagierten Kleinwüchsigen, die Remmidemmi machen dürfen. Die Prämisse, dass Frauen geängstigt werden müssen, erlaubt in dieser Richtung jede Menge Theater. Dazu gibt es einiges an - ausstattungstechnisch übrigens gar nicht zum Rest passender - Mad Scientist-Staffage mit sterilen Operationssälen und jede Menge Hi-Tech-Kram. Phiolen und seltsame Glasgewinde wie zu Frankensteins besten Zeiten lassen sich dennoch immer wieder dazwischen erkennen.
Dialogtechnisch gibt es die gute alte Statik zu vermelden - Dinge, die man eh schon weiß, werden zur Bestätigung aller nochmals festgestellt, und das mit oft sehr drolligen Syntaxkonstruktionen, vorgetragen von Synchronsprechern, die ihren Job mit Sicherheit nicht hauptberuflich machen. Und bei aller Liebe zur abstrusen Story bleibt das Treiben, das sich in der Theorie so witzig anhört, in der Praxis recht uninteressant. Doch dass man eben immer noch ein Stückchen tiefer sinken kann, hat Karloff anhand der restlichen Beiträge seiner Mexiko-Quadrilogie dann ja noch bewiesen. Schade um ihn, und Schande über dieses Quartett des Teufels. So muss es in der Cineastenhölle aussehen.