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Briefe, die die Welt bedeuten

"Ein Brief an Momo" ist ein Treffen der Welten, ein gedrosselter Tanz der Gegensätze. Erblühen trifft auf Abschiednehmen, Loslassen auf Willkommenheissen, Jugend auf Tod, Liebe auf Trauer, Angst auf Mut, Magie auf Realismus. Und drei geisterhafte Fabelwesen auf ein kleines Mädchen, dass ihren Vater verloren hat und nun mit ihrer Mutter in einem fremden Dorf den Neuanfang wagen muss... über 7 Jahre Arbeit haben "Jin Roh"-Mastermind Okiura und sein Team in diese gefühlvolle Geschichte gesteckt. Und es war alles andere als vertane Zeit. Es gibt zwar meisterhafte Animes, die mit ähnlichen Themen und Fantasiewelten aufwarten, die allergrößten machen es sogar besser (z.B. "Mein Nachbar Totoro"). Fans dieser kann man Momos emotionales Erwachen trotzdem mit gutem Gewissen ans Herz legen. Eine Charakterstudie, die gut tut.

So verspielt und witzig die drei himmlischen Geister sind, genauso gruselige Seiten haben sie. Es bleibt ein gehaltvoller Familienfilm, voller Kreativität und Imagination, doch wenn einer der drei betont, wie gern er Momos Leber verdrücken würde, dann sieht man es bei den kleineren Zuschauern geradezu im Kopf rattern. Womit ich persönlich kein Problem habe, ganz im Gegenteil. Die menschlichen Figuren und der Zeichenstil stehen ebenfalls im starken Kontrast zu dem fantasievollen, übernatürlichen Ansatz - außer den Fabelwesen wird hier wirklich alles äußerst realistisch gehalten. Vom Asthma bis zu kindlichen Ängsten. Der Detailgrad könnte höher sein, wie in allen anderen Bereichen spielt diese Ode an den Verlust nicht in der Liga der Meisterwerke, doch genug zu entdecken, zu fühlen, nachzuvollziehen und zu schmunzeln gibt es trotzdem. Vor allem die drei Beschützer Momos sorgen mit ihrer unbedachten und süßen Art immer wieder für aufhellende Momente in einer eigentlich wirklich traurigen Geschichte.

Fazit: für Animeanhänger der perfekte Feierabendfilm - fantasievoll, entschleunigt, bezaubernd, süß. Kein Ghibli-Jahrhunderwerk, trotzdem ohne Frage empfehlenswert. Ich hätte aber gegen Ende erwartet, dass er mich mehr auswringt... er bleibt wie die meiste Zeit zurückhaltend. Was man sehr sympathisch finden kann. Ein leises Kleinod. Unaufdringlich und dennoch eindringlich.

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