Review

Neben „Cyborg“ zählt „Nemesis“ definitiv zu Albert Pyuns („Adrenalin: Fear the Rush“, „Mean Guns“) überzeugendsten Werken. Wohl auch aus diesem Grund sah er sich veranlasst zwei Jahre nach dem Erstling ein erstes Sequel zu schreiben, für das er sich offensichtlich bei Ideengebern wie „The Terminator“ oder „Predator“ bediente. Zwei weitere Teile sollten folgen und eins war schlechter als das andere.
„Nemesis 2: Nebula“ selbst entfernt sich bereits ein gutes Stück vom unterhaltsamen Original, darf sich aber noch als soweit gelungene Fortsetzung bezeichnen, die innerhalb der Serie einen Neuanfang darstellte, auch wenn das Intro noch zusammenhanglos kurz ein paar Szenen aus „Nemesis“ zeigt.

Das frische Blut muss dabei aber schon als eine einzige Fehlbesetzung bezeichnet werden, denn die eigentliche Bodybuilderin Sue Price, der Pyun die Hauptrolle zuweist, mag zwar beeindruckende Muskelberge aufweisen, ist allerdings weder attraktiv noch mit schauspielerischem Talent bestückt und verfügt auch über keinerlei Martial Arts – Kenntnisse. Alles Attribute die diese knapp bekleidete Amazone nicht gerade als überzeugende Heroin ausweisen und so hinterlässt Oliver Gruner („Savate“, „Velocity Trap“) eine leider sehr große Lücke.

Die ersten Minuten des Films sind noch die gelungensten, denn Pyun kann ganz in seinem Element eine chaotische Endzeitwelt vorstellen, in der die Cyborgs über die Menschheit in einem globalen Krieg gesiegt haben. Als Folge liegt die zivilisierte Welt in Schutt und Asche. Die wenigen überlebenden Menschen werden durch Ruinen gejagt und Texttafeln erklären das Notwendigste. Wer, wie ich, Pyuns dystopische Zukunftsvisionen mag, kommt hier inklusive einer kurzen Hetzjagd mit dicken Explosionen und subjektiven Kamerafahrten gewiss auf seine Kosten.
Diese flotte Einführung mit gelungenen Make Up – Effekten und charmanten, wenn auch völlig überholten Tricks atmet früh ganz gewiss den ureigenen Charme eines Pyun-Films. Ich persönlich bin jedenfalls immer wieder davon begeistert, wie dieser Filmemacher aus knappen Mitteln mit viel Phantasie und Improvisationstalent seine Geschichten überzeugend verpacken kann. Natürlich kommt das auf seine Tagesform an, aber dieser Einstieg gelingt absolut stimmig. Gerade deswegen ist es auch schade, dass er so nicht weitermacht und das Szenario verlegt.

Denn ein genetisch hochgezüchtetes Baby wird als letzte Rettung der Menschheit zurück durch die Zeit ausgerechnet nach Ostafrika geschickt und wächst dort bei einem Eingeborenenstamm auf, bis der Nebula ihrer Habhaft werden will. Dieser von einem Wabereffekt umgebene Cyborg mit eingebauter Laserkanone ist nicht nur ultrafix, sondern auch nicht zimperlich und brutzelt deswegen flugs ihren Stamm weg, bevor er sich ihr zuwendet.

Sinn macht dieser Film natürlich wenig und mehr als eine simple Hetzjagd mit hohem Bodycount kommt in den gut 75 Minuten auch nicht rum, aber das Wüstenszenario gereicht dem Film eher zum Nachteil, denn obwohl der talentierte Kameramann George Mooradian („Sanctuary“, „Retroactive“) ein paar wunderschöne Einstellungen für Naturaufnahmen findet, nutzt sich die eintönige Landschaft etwas ab. In brennenden, zerstörten Ruinen inszeniert Pyun einfach weitaus effektiver und atmosphärischer.

Hinzu kommt das Manko, dass Pyun das Drehbuch leider selbst verfasste und wer seine Werke etwas besser kennt, weiß, dass das kein gutes Vorzeichen sein kann. Einige Anschlussfehler und Logiklöcher schmerzen bei einem Films dieser Kategorie nicht, doch kleinere Längen und mangelnde Abwechslung sind offensichtlich.
Die Kämpfer-Prüfung für Alex und der anschließende Stockkampf ziehen sich beispielsweise schon ein wenig und die beiden Frauen, die sie später nach einer kurzen Gefangenschaft aufgabelt, geben der Situation überhaupt nichts und sind eigentlich nur involviert, um eine minimale Laufzeit zu erreichen. Pyun beweist immer wieder Ideen, wenn es an die Actionszenen geht, aber der eintönige Ablauf wird nur von regelmäßig stattfindenden Kämpfen unterbrochen, die aufgrund des knappen Budgets, Prices fehlender Kampferfahrung und augenscheinlich auch eines nichtexistenten Fight-Choreographen dann letztlich auch ein Werk des Cutters sind. Trotz einiger überzeugender Szenen (der Simultansprung aus dem explodierenden Turm in Slowmotion) regiert das „Masse statt Klasse“ – Prinzip, in denen mangels besserer Finanzen Shootouts meist nicht gezeigt werden können.

Für ein wenig Abwechslung sorgt immerhin der (die, das ?) Nebula, wenn er feuchtfröhlich durch seine diversen Sichtmodi schaltet und auf seinem Display von Anweisungen bis Informationen alles Mögliche auftaucht. Warum er trotz seiner Schnelligkeit und den technischen Möglichkeiten Alex nicht in die Finger bekommt, bleibt genauso ein Geheimnis, wie der Zweck des Laserpointers an Alex’ Messer.

Das Finale verlegt Pyun dann endlich in marode Betonbauten einer ehemaligen Minenanlage (???), die zwar noch mehr Flair vertragen könnten, sich allerdings als Schauplatz für den letzten Kampf gegen fiese Rebellen und den Nebula hervorragend eignet. Während die Pyrotechniker sich wohl darüber freuen dürfen, dass in der Kasse noch genügend Geld für beeindruckende Explosionen übrig war, mit denen man ganz problemlos die Einrichtung sprengen kann, prügelt sich Alex solange mit dem Nebula, bis bei dem auch endlich die Sicherungen durchhauen. Ein paar manierlose Störenfriede, die dort ihr verbrecherisches Dasein fristen, werden nebenher mit Kugeln versorgt, damit das Duell auch artgerecht „Eins gegen Eins“ ausgetragen werden kann. Eine gewisse Ästhetik kann man vor allem den Schusswechseln nicht absprechen, aber spektakuläre Momente kommen nicht dabei herum.

Eingeordnet in die ja nun auch nicht mit richtig misslungenen Gurken geizende Filmografie Albert Pyuns, bewegt sich „Nemesis 2: Nebula“ in seinem oberen Drittel, reicht allerdings nie und nimmer an seine besten Filme heran. Er war hier ganz sicher motiviert genug, um das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten zu machen. Das erkennt man vor allem an den liebevollen und nichtsdestotrotz trashigen Effekten oder der relativ atmosphärischen Machart, auch wenn Pyun sich hier leider nur kurzfristig in den zerstörten Kulissen aufhält, in denen er nun einmal am effektivsten walten und schalten kann.


Fazit:
Wo Albert Pyun draufsteht ist einmal mehr Albert Pyun drin. „Nemesis 2: Nebula“ kann schon nicht mehr mit dem Original mithalten und hat mit einer schwachen, völlig unattraktiven Hauptdarstellerin zu kämpfen. Da darüber hinaus der Plot zum Großteil in die Wüste verlegt worden ist und Pyun deswegen nicht sein ewiges Talent ausspielen kann, aus ein paar heruntergekommenen Kulissen ein atmosphärisches Endzeitfeeling zu kreieren, büßt der Film auch in dieser Hinsicht viele Möglichkeiten ein. Dennoch unterhält der Film auch aufgrund seiner kurzen Laufzeit mit viel Action und wenigen Längen. Spektakuläre Momente kann man an einer Hand abzählen, doch die liebevoll gestalteten F/X und der irgendwie coole Nebula (der Alex übrigens auch seine Mission netterweise erläutert *gg*) ringen dem Genrefan noch einige Sympathien ab. So reicht es dann auch noch für den Durchschnitt.

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