Review

Die lassen mich einfach kalt.
Ich werde nicht warm mit der inzwischen etablierten Methodik des Motion-Capture, bzw. Performance-Capture-Verfahren, mit denen hochauflösende und detailreiche Fantasy- und Abenteuergeschichten umsetzen kann, die als Live-Action-Version viel zu aufwändig, schwierig und vor allem zu teuer wären. Diese Hybriden aus real gespielten und dann nachanimierten Szenenfolgen sollen enorm beeindruckend wirken, aber meistens wirkt das doch nur wie eine tricktechnische Leistungsshow, mit der kreative Bauernfängerei betrieben wird, die aber seelen- und leblos wirkt.

Spielbergs Werk im Fall von Hergés "Tim und Struppi" ist da immerhin eine Klasse besser als so sterile Werke wie "Der Polarexpress", haben wir es immerhin mit einer Comicverfilmung zu tun, deren Stil sich besser als PC-Werk machen sollte, denn als reale Kopie. Und so kann man auch bestätigen, daß Spielberg die Vorlage zu neuem Leben erweckt hat, mit viel Schmackes, Detailreichtum, unglaublichem Tempo und Actionsequenzen, die anderweitig unmöglich gewesen wären.
Zwar übertreibt er es mit der Aufhebung der Gesetze der Physik bei weitem etwas, aber mitreißend soll es ja schon sein und Abenteuerfilme sind ja Spielbergs Steckenpferd seit er zum ersten Mal "Indiana Jones" auf die Menschheit losgelassen hat.

Besagter fiktiver Pulpcharakter grüßt dann auch an allen Ecken und Enden in dieser Kompilation der Comicbände "Das Geheimnis der Einhorn", "Der Schatz Rackhams des Roten" und der "Krabbe mit den goldenen Scheren", einer Schatzjagd im ganz großen Stil, der den Großteil der elementaren "Tintin"-Figuren auf sich vereint: Tim, Struppi, Kapitän Haddock und Schultze und Schultze, die trotteligen Detektive. Eine Schatzjagd mit Karten, Geheimnissen, Verfolgungen, aufwändigen Destruktionsszenen und wunderbaren Wendungen, in denen Glück und Verstand dich weiter bringen, als die Logik dies normalerweise zulassen dürfte.
Sogar die mangelnde Lebendigkeit der Gesichtsausdrücke hat sich gegenüber den ersten MC-Werken deutlich verbessert, der Schwung und das Tempo lassen diesen Makel relativ oft vergessen und die vielen kleinen In-Jokes, von dem Hergé nachempfundenen Straßenmaler, der Tim als sein Comicebenbild niederzeichnet, bis zu Verweisen auf die anderen Comicbände an allen Ecken und Enden, machen einen großen Teil des Spaßes aus.
Irgendwo in den 30er-Jahren verortet (eine Vermutung) liegt der Reiz in der Bewegung und in den vielen visuellen Einfällen, die Spielbergs Arbeit hier zu einer Offenbarung machen, doch trotz größter Bemühungen bleibt vieles an den Charakteren doch sehr mechanisch und beschleunigt.

Sympathiekern (neben dem ewig weißen Papier "Tim") ist und bleibt der stabile Dauertrinker Haddock, dessen Dauerflucherei und alkoholbedingte Ausfälle Motor der Handlung sind, allerdings schleppt dieser in der deutschen Synchro die Hypothek eines viel zu braven deutschen Sprechers mit sich herum. Lutz Schnell ist zwar bemüht, den rüpelhaften Seebären zum Leben zu erwecken, klingt aber meistens wie ein aufgebrachter Bibliothekar. Man will gar nicht daran denken, was eine Bärenstimme wie die von Wolfgang Hess (Stammsprecher von Bud Spencer) hier hätte leisten können.

Immerhin, der Film ist mitreißend genug, um stets und ständig hart am Plot zu kreuzen, es mangelt aber an einer emotionalen Verbindung zum Publikum, daß sich nur vom Aktionismus mitreißen läßt.
De facto als wieder ein "kalter", wenn auch weiterentwickelter Animationsfilm modernster Couleur, der sein Geld für den Moment wert ist, aber nicht zu sättigen vermag. (6/10)

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