Nicht nur im Horrorfilmbereich, auch im Genre des Thrillers setzen die Spanier überraschende Akzente, was unter anderem Regisseur Jaume Balaguero („REC“) zu verdanken ist. Sein manipulativer Psycho-Thriller schafft es binnen kurzer Zeit, mit einem psychisch kranken Unhold mitzufiebern, dem eigentlich eine sofortige Einweisung in die Geschlossene gebührt.
Cesar (Luis Tosar) ist Pförtner und Hausmeister in einem Mietshaus mehrerer Parteien und kennt viele private Details der Bewohner, vor allem die stets lächelnde Clara (Marta Etura) ist ihm ein Dorn im Auge. Cesar verschafft sich heimlich Zugang zu ihrer Wohnung und versucht mit allen Mitteln aus der lebenslustigen Frau eine traurige Gestalt zu machen, was nicht ohne Folgen für beide bleibt…
Ein paar Worte direkt zu Beginn offenbaren Cesars Motiv: Er war nie glücklich, hat nie Glück empfunden, warum also sollten seine Mitmenschen glücklich sein.
Zunächst wird das undankbare Dasein eines Pförtners recht unaufgeregt erzählt. Alltag kommender und gehender Mieter, ein paar Extrawünsche, ein paar Nörgler, aber auch freundliche Menschen passieren Cesars Arbeitsplatz, bis eine kleine Rotzgöre offenbar Geld von ihm erpresst, womit sich bereits andeutet, dass der stille, aber stets entgegenkommende Concierge offenbar ein paar dunkle Geheimnisse vertuschen muss.
Dabei bleibt die Erzählperspektive konsequent bei Cesar, etwa als er unter Claras Bett auf sie wartet oder später droht, in der Wohnung aufzufliegen. Die Kamera ist stets in Cesars Nähe, wir folgen seinem Blick, seinen Aufenthaltsorten und somit auch seinen Handlungen und werden folgerichtig Zeuge krimineller Machenschaften und fiebern doch mit der Hauptfigur mit, welche stets droht aufzufliegen.
Was harmlos beginnt, indem Cesar einen magenempfindlichen Hund mit Tortillas füttert, nimmt kurz darauf recht bizarre Züge an, denn Chloroform kommt genauso zum Einsatz wie Insektenlarven und selbst die Polizei muss auf eine falsche Fährte gelockt werden.
Luis Tosar ist die ideale Besetzung für den psychisch gestörten Cesar, denn er vermag mit seinem ruhigen, jedoch nuancierten Spiel Interesse für seine Figur wecken, welche durchaus ambivalenter Natur ist. Marta Etura bringt hingegen die Lebenslust perfekt auf den Punkt, denn selbst als ihr Gesicht aufgrund manipulierter Kosmetika ein wenig entstellt erscheint, ist ihr positiver Tatendrang kaum zu bremsen. Auch die übrigen Rollen sind optimal und vor allem mit überwiegend markanten Gesichtern besetzt.
Storytechnisch bleibt es natürlich nicht aus, dass Cesars immer drastischere Handlungen auch einige hanebüchene Begleiterscheinungen mit sich bringen und gleichermaßen viele Unwahrscheinlichkeiten zusammenkommen. Zum Ende hin schießt das Drehbuch in Sachen Glaubwürdigkeit einige Male klar übers Ziel hinaus, der Showdown läuft indes nicht weniger spannend ab und bietet zum Schluss noch einen zynischen Klops der einige Zeit nachwirkt.
Balagueros ruhig erzählter Psycho-Thriller schafft es mit simplen Mitteln und ohne großes Tamtam Spannung zu erzeugen, begleitet von einer sehr versierten Kamera und einem zurückhaltenden Score, der allenfalls im ersten Drittel für ein paar zynische Momente sorgt. Die anfänglichen Spitzen schwarzen Humors wandeln sich hingegen zu einer latent beklemmenden Grundatmosphäre, wozu nicht zuletzt das ausgezeichnete Spiel des Hauptdarstellers beiträgt.
Home-Invasion mal anders, denn das effektivste Grauen ist noch immer das, was sich im Kopf des Betrachters abspielt und das bringt der Streifen, bis auf kleine Mankos, effizient und hochgradig unterhaltsam auf den Punkt.
Anbei: Es geht doch nichts über ein Schlafgemach mit Bettkasten…
8 von 10