Review

Cold Sweat

Seit dem kurzen Aufbäumen des Horrorfilms in den Jahren 2003 - 2008, wartet der Genrefan leider vergebens auf wirklich herausragende Filme. Die vielversprechende Ära der ganzen "Martyrs", "Eden Lakes", "The Descents" oder "The Hills Have Eyes" (um ein paar wenige zu nennen) ist schon lange vorüber und man wartet wirklich mit Hochspannung auf das neue Terror Highlight. Nahezu wöchentlich schwappen neue Filme in die Händlerregale und hinterlassen nur in den seltensten Fällen bleibende Eindrücke.

"Cold Sweat" wirbt schon auf dem Backcover mit "der längsten Menschenexplosion der Filmgeschichte" oder mit "der langsamsten Verfolgungsjagd aller Zeiten". Ein Blick auf die Laufzeit offenbart uns stolze 77 Minuten inklusive Abspann - na was das wohl werden wird?

Es ist eben ein Film nach Schema F: Eine Frau wird von zwei Rentner samt Gehhilfe (!) entführt, muss den Sinn hinter einer Zahlenkombination erkennen und wird - im Falle des Misslingens - durch Flüssigsprengstoff auf der Stirn getötet. Abgesehen davon, dass scheinbar das ganze Filmteam nicht im Bilde darüber war, wie Nitroglycerin denn nun genau funktioniert, ist alleine die Absicht der Entführer zum Brüllen. Die Sache mit der Zahlenkombination ist nämlich in zwei Minuten abgehakt, denn sie entpuppt sich als 1337 Leetspeak. Demjenigen, der sie lösen kann, blüht dann ein Monolog des Rentners über die simplifizierte Jugendsprache. Wer genau hinhört wird allerdings feststellen, dass er auch nicht gerade den größten Wortschatz zu haben scheint.
Das Ganze artet dann nach 15 Minuten zu einer Flucht aus dem Kellergewölbe aus, bei welchem der Freund der entführten Frau sie und ein paar andere Mädels retten will. Während die Rentner also oben in der Wohnung vor sich hin vegetieren, versuchen ein paar Leute aus einem Keller von einer gefühlten Größe von 20 Quadratmeter zu entkommen. Das Blöde: überall klebt Flüssigsprengstoff und während er in der einen Szene den ganzen Boden verätzt, macht er in der anderen Szene selbst auf der Haut nichts. Wir sehen: mit der Continuity hatte man es hier nicht wirklich so.
Unsere Protagonisten, die schon ab Minute 1 versäumt haben, zwei Rentner mit Gehhilfe außer Gefecht zu setzen, versuchen also den Ausgang des Kellers zu finden und tun so, als ob diese Aufgabe in etwas so schwierig ist, wie aus dem Haus in "Saw 2" zu finden oder dem Collector zu entkommen.
Plötzlich tauchen die beiden Tattergreise auf und es kommt die berüchtigte Verfolgungsjagd, sowie die "längste Menschenexplosion der Filmgeschichte". Naja, zwei Leute explodieren und das Ganze wird in Zeitlupe auf 5 Minuten gepuscht. Das war billig.

Im Übrigen war mein letzter Satz eine gute Beschreibung für den kompletten Film. Ja, das Kellerset war einigermaßen stimmungsvoll und die zwei, drei Goreszenen waren auch nicht allzu mies. Ansonsten kann selbst die durchaus akzeptable Optik nicht darüber hinwegtäuschen, hier einen Film voll mit Logiklöchern gesehen zu haben.

4/10

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