Der Schauplatz ist wie geschaffen für große Dramen: Ein langer Landstrich bei Panmunjom wird "Joint Security Area" genannt, weil sich hier die unmittelbare Reibungszone, nämlich die innerkoreansche Grenze, die die kapitalistischen Südkoreaner von dem kommunistischen Norden trennt, befindet. Eine Brücke, die aufgrund des stetigen Gefangenenaustauschs, die "Brücke ohne Wiederkehr" genannt wird, bildet die verhängnisvolle Verbindung zwischen den beiden Staaten. In der gesamten entmilitarisierten Zone kann man sich keinen bedrückendären Ort als diesen vorstellen.
Die Geschichte des Films dreht sich um einen eigenartigen Vorfall, der alles, woran die Soldaten glauben, oder vielmehr, worum sie kämpfen, erschüttert. Eines Nachts kommt es zu einer blutigen Schießerei im Wachposten der Nordkoreaner. Sowohl ein Nordkoreaner, als auch ein Soldat des Südens lassen in dieser Nacht ihr Leben. Zwei Überlebende beider Staaten können gerettet werden. Die Aussagen beider Männer stehen, und entsprechen sich. Es kam zu einer gescheiterten Entführung, die in einer Schießerei endete, und der Südkoreaner Seargent Oh (Song Kang-Ho) kann mit einer Fußverletzung fliehen.
Nun kommt die NNSC ins Spiel, die Aufsichtsbehörde Neutraler Staaten. Die halb-koreanerin Major Sophie Jean (Lee Young Ae) traut den schriftlichen Aussagen der beiden Soldaten nicht, besonders, da diese wiederholt verweigern mit ihr darüber zu sprechen. Durch penible Rekonstruktion keimt in der jungen Frau der Verdacht auf, dass noch ein weiterer, ein fünfter Mann in dem Wachhäuschen gewesen sein muss. Schnell kommt der südkoreanische Private Nam ins Visier ihrer Ermittlungen. Als sie ihm klarmacht, sie könne seine Aussage per Lügendetektor erzwingen, versucht sich Nam eine Kugel in den Rachen zu schießen, später stürzt er sich aus einem Fenster und fällt ins Koma.
Mühsam rekonstruiert der Film inhaltlich zeitgleich mit seiner Protagonistin die Geschehnisse in dieser Nacht. Immer länger werden die Rückblenden, immer emotionaler wird das, was wir dort beobachten. Und schließlich, gegen Mitte des Filmes erwartet uns diese gigantische Auflösung, was denn nun genau damals geschah: Es geht um die freundschaftliche Annäherung zweier Grenzsoldaten zueinander. Das Treffen vierer Freunde in einem Wachhaus, und das Abschied nehmen von soldatischen Tugenden. Sie albern herum, schauen sich Männermagazine an, freuen sich über das laute Versagen ihrer Körperfunktionen wie Kinder. Aus kalten, mordenden Soldaten werden Menschen, doch die Feindschaft, und das gesetzlich verbotene Tabu der Kontaktaufnahme mit dem Feind, lassen die Freundschaft scheitern.
Doch das Aufdecken der wahren Tatsachen dieser schicksalhaften Nacht, in der die traute Freundesrunde durch einen nordkoreanischen Offizier gestört wurde, ist nicht der eigentliche Klimax des Filmes. Viel mehr geht es am Ende darum, wie gehen die Überlebenden mit der Wahrheit um, wie beeinflusst sie ihre vergangenen Entscheidungen, und was tut die Frau, die diese skandalösen Vorgänge aufgedeckt hat. Regisseur Chan-Wook Park ist bei seinen tiefgründigen Überlegungen über die politischen Verhältnisse in seinem Land gewagt, aber nie aufdringlich. Seine Actionszenen sind zwar realistisch, aber nie plakativ. Und so ist auch das eben erwähnte Ende eher ein trauriger Abgesang auf die beißenden Missstände in unserer kriegsbeherrschten Welt.
"Joint Security Area" ist ein kraftvolles Kriegsdrama, mutig, stark inszeniert und mit überraschend guten Darstellern bestückt. Dass "JSA" in seinem Land ein riesiger Blockbuster wurde verwundert da fast ob der gewagten Thematik, jedoch stellte sich der Film als verheißungsvoller Prophet für eine baldige Wiedervereinigung und eines hoffnungsvollen Sturzes der stärksten Mauer, die nie gebaut wurde, heraus: Im Jahr des Drehs verhandelten erstmals Staatsmänner nordkoreanischer Parteien mit ihren südkoreanischen Pendants.
Ob nun auf Korea angewandt oder nicht, "Joint Security Area" ist ein wuchtiges Plädoyer für Menschlichkeit, Freundschaft, Toleranz und Frieden.