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Unter verschiedenen Titeln wurde „Mysterious Island“ von Jules Verne bereits verfilmt, doch die meisten Werke beruhen lediglich auf Motiven der literarischen Vorlage. Auch vorliegender Streifen, mitproduziert von Syfy, lässt lediglich die Eckpunkte des Originals unangetastet, verschenkt seine Möglichkeiten jedoch aufgrund allgemeiner Ereignislosigkeit.

Es ist 1865, amerikanischer Bürgerkrieg: Einigen Südstaatlern um Cyrus gelingt die Flucht mit einem Heißluftballon, bis man in ein merkwürdiges Loch getrieben wird und anschließend auf einer Insel aufwacht. Gleiches widerfährt auch den Schwestern Jules und Abby Fogg, welche allerdings aus der Gegenwart kommen. Aber nicht das Zeitloch ist das Problem der Gestrandeten, sondern nachtaktive Bestien und ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch…

Der Einstieg mit kurzen Szenen aus dem Kriegsgeschehen gestaltet sich trotz seiner minimalen Form recht spannend und einigermaßen temporeich, was im weiteren Verlauf leider gänzlich außer Acht gelassen wird.
Mit den stereotypen Figuren wird man zwar recht schnell warm, doch die latente Bedrohung bleibt auf inszenatorischer Ebene eine ziemliche Nullnummer. Mal sieht man einen Schatten huschen, selten wird jemand von den zunächst nicht klassifizierten Bestien geschnappt, doch die meiste Zeit ist die Gruppe damit beschäftigt, über ihre Situation zu philosophieren.

Dabei ist der Ansatz mit dem Aufeinandertreffen zweier grundlegend unterschiedlicher Epochen nicht schlecht und führt zu einem reichlich pathetisch angelegten Plädoyer für Rassengleichheit („Unser aktueller Präsident ist Afroamerikaner“), was gleichermaßen ein leichtes Schmunzeln ob der naiv dargebrachten Form auslöst. Um den Humorfaktor diesbezüglich latent hoch zu halten, hätte es allerdings mehr Spitzen dieser Art bedurft.
Stattdessen wird geforscht, erzählt und ziellos herumgelatscht, bis im letzten Drittel Kapitän Nemo aufkreuzt und noch mehr Dialoglast in die Runde bringt. Zeitgleich tauchen jedoch endlos viele Logiklöcher auf, als dieser Erklärungen für die Situation der Gestrandeten offen legt.

Hanebüchene Fakten sind allerdings auch bei Jules Verne keine Seltenheit, so dass man mit der einen oder anderen wissenschaftlich naiven Theorie noch leben könnte, jedoch nicht mit dem Ausbleiben von Action und dem damit einhergehenden Spannungslevel.
Es gibt kein einziges direktes Aufeinandertreffen zwischen Monster und Mensch und lediglich ein Riesentintenfisch hat per CGI zwei kurze Einsätze.
Auch zum Finale, als der Vulkan ausbricht, ist das Timing alles andere als effektiv, zumal schlussendlich eine entscheidende Frage unbeantwortet bleibt, obgleich eine kurze Szene für die Beantwortung ausgereicht hätte.

So können die passablen Darsteller, das halbwegs taugliche Handwerk und die teilweise sogar stimmungsvollen Kulissen nicht kaschieren, wie ereignislos diese eigentlich recht abwechslungsreiche Vorlage umgesetzt wurde. Kaum eine nennenswerte Temposzene ist innerhalb der rund 90 Minuten auszumachen und nur selten kommt überhaupt so etwas wie Bewegung ins Spiel, was die fast durchweg sympathischen Charaktere nicht in Ansätzen ausgleichen können.
Die Inszenierung ist im Gesamtbild viel zu sparsam ausgefallen, um selbst älteren Verfilmungen das Wasser reichen zu können, obgleich das Potential erkennbar ist, mit kleinen CGI-Einlagen etwas Suspense aufkommen zu lassen.
Insofern wären mittelprächtige Effekte gewiss die bessere Wahl gewesen, als solche fast komplett auszulassen.
3,5 von 10

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