Den titelgebenden Ort in Florida mag man sich so ähnlich vorstellen wie Dixville Notch in New Hampshire, wo traditionell die US-Präsidentschaftswahl eröffnet wird und gerade mal zehn Leutchen ihre Stimme abgeben. Vielleicht hat Regisseur Anthony DiBlasi seinen Streifen auch deshalb so ungewöhnlich benannt, um von der konventionellen Mixtur abzulenken, die genauso gut „Hilferuf aus dem Jenseits“ heißen könnte.
Im Mittelpunkt steht die gehörlose Lily (Kelen Coleman), die nach dem Unfalltod ihrer jüngeren Schwester ins titelgebende Kaff zieht und in der Villa bei Claire (Louise Fletcher) unterkommt. Während sie Malerei studiert und den allein erziehenden Vater Mike (Kevin Alejandro) kennen lernt, nimmt Lily an einer Seance teil, um mit ihrer Schwester zu sprechen, doch ein zweiter Geist versucht sich der jungen Frau mitzuteilen…
Der Einstieg demonstriert zunächst einmal den Werdegang eines Serienkillers, als ein Junge beim Spiel mit Marionetten und Frauenkleidern erwischt wird und sich anschließend mit einer Schere die Genitalien verletzt. Mit diesem mittlerweile erwachsenen Typen wird man ebenfalls konfrontiert, auch wenn es eine Weile dauert, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt.
Hauptfigur Lily erhält im Verlauf eine ordentliche Figurenzeichnung, nur wird der Aspekt der Taubheit kaum genutzt um Suspense zu schüren, obgleich sich zahlreiche Möglichkeiten ergeben hätten. Demgegenüber ist ihre Liaison mit Mike nicht nur von einigen Klischees umgeben, sie bringt im Verlauf rein gar nichts, außer die ohnehin schon übermäßige Laufzeit von 111 Minuten noch ein wenig zu strecken.
Denn die Geschichte greift recht viele Aspekte auf, handelt die meisten davon jedoch recht oberflächlich ab und vermag zudem nicht alle Themen unter einen Hut bringen.
So geht es um einen Rachegeist, dem Lily zur Genugtuung verhelfen soll, dann stimmt etwas nicht mit dem Enkel ihrer Vermieterin, zwischendurch wird Lily von Visionen heimgesucht und dann kommt noch der Serienkiller vom Intro ins Spiel, welcher Frauen verschleppt und diese zu lebenden Marionetten umfunktioniert.
Besonders die erste Stunde zieht sich gewaltig und man vermisst deutlichere Momente des Horrors, da die wenigen Schockmomente recht altbacken daherkommen und eine unheimliche Stimmung eigentlich nur während der Seance durchschimmert.
So wirkt die erste Hälfte beinahe wie ein Drama mit leichten Horroreinflüssen, was in der zweiten Hälfte in die Gefilde eines Thrillers umschlägt, als Lily den Hinweisen ihrer Visionen folgt und bald ein stimmiges Bild vom vermeintlichen Opfer erhält. Im letzten Drittel mutiert die Chose schließlich zur Hatz mit dem Psychopathen; der Showdown setzt zwar auf altbewährte Muster, doch es ist einigermaßen Spannung zu verzeichnen, während es sich empfiehlt, den kleinen Nachschlag nach dem Abspann noch mitzunehmen.
DiBlasi setzt bei seiner zweiten Regiearbeit auf Altbewährtes ohne seinem Treiben neue Facetten hinzuzufügen oder gar überraschende Wendungen einzubauen. Darstellerisch ist nichts anzukreiden, die Hauptfigur geht problemlos als Sympathieträgerin durch und auch an der Ausstattung ist nichts zu bemängeln. Eingefleischte Splatterfans werden hingegen nicht fündig und auch Freunde des Geisterfilms/ Serienkiller-Thrillers werden nur mäßig bedient, da die Mixtur zunächst vom zu langen Vorlauf flach gehalten wird, um im letzten Teil kaum mehr mit Innovationen zu überraschen.
Passable Ansätze in einem durchschnittlich unterhaltenden Werk, welches Genrefreunden nur sehr bedingt empfohlen werden kann.
5,5 von 10