An dieser Stelle möchte ich einmal mein sehr verspätetes Mitgefühl an den OFDB - User "dreamlandnoize", aber auch alle anderen richten, die den Film damals tatsächlich noch aus der Videothek mitgenommen und dafür Leihgebühren entrichtet haben: "Blutzbrüdaz", das von Özgür Yildirim verbrochene Hohelied an die rhythmische Sprach - und Musikvergewaltigung, die man gemeinhin "Rap" nennt und mit dem die Profi - Wortkotzer Paul Würdig und Robert Davis (ich weigere mich standhaft der Aussprache gewisser "Künstlernamen") ist selbst geschenkt noch zu teuer, wobei die Werbeeinnahmen, die Youtube mit der fortlaufenden Unterbrechung meiner Sichtung machte, wohl kaum unter "kostenlos" laufen, aber das ist ja auch ihr gutes Recht, wenn sie einen Film zur freien Verfügung zur Abwechslung mal VOR die Bezahlschranke stellen. Die eigentliche Frechheit hier ist der Film, der im Endeffekt nichts anderes als eine Franchiseerweiterung der Herren Würdig und Davis ist, ein bewegter Fanartikel mit Worten, Bildern und allem anderen Schnickschnack, der einen großes Kino vorgaukelt.
Dieses Zelluloid - Debakel, das Ergebnis einer wilden Trittbrettfahrt im Fahrwasser des von Bernd Eichinger höchstselbst abgesegneten "Musikerdramas" und Abou Chaker - Werbefilmes "Zeiten ändern dich", versucht verzweifelt, zwei berufsasoziale Pop - Pöbler in einsympathisches Licht zu rücken, scheitert aber gnadenlos an mangelndem Humor, flachen Charakterzeichnugen und zu guter Letzt an der Realität selbst. Dass der Rotz in Deutschland Menschen ins Kino gelockt hat kann ist selbst für einen Trashliebhaber wie mich ein kulturelles wie intellektuelles Armutszeugnis. Aber gut, ich höre ja auch Rock aller Coleur, habe Fachabitur und lese gerne mal ein gutes Buch anstatt meine gesamte Lebensenergie in ein Leben als minderintelligenter Blood - / Crips - Cosplayer mit Machokomplex zu stecken, bin also ergo niemand, der die die "Begeisterung" Hip Hop nachvollziehen kann. Besonders gut repräsentiert wird diese einst sozialkritische Jugendkultur, die mal sowas wie der kleine Bruder des Punk war, hier aber dennoch nicht.
Yildirim wirft uns hier die beiden Vollhonks Otis und Eddie vor, zwei Ersatzbankgangster, die im Berlin der frühen Zweitausender ihre Zeit mit Taugenichstereien, Assiparties und dummen Sprüchen verschwenden, manche davon rhythmisch passend zu Instrumentalstücken hervorgekotzt. Das schwebt den beiden Hilfsschulabbrechern vom Dienst im Übrigen als Berufswunsch vor. Mit Plattenladenbesitzer Fusco (Milton Welsh, einziger Lichtblick des Filmes) als Manager und einem von einem Schuhverkäufer zusammengeklautem Beat aus MoDos "Ein, zwei, Polizei!" und Drittklässlerdrumming legen die beiden auch scheinbar sowas wie die im Untergrund begehrte warme Semmel vor und Eddies Traum von der Popstarkarriere rückt näher, während Mitpappbirne Otis seiner zickigen Liebsten endlich ihren Traumurlaub schenken und sich für ein paar weitere Wochen in ihrer rar gesähten Gunst einkuscheln kann. Jepp, Frauen kommen in der Szene selten gut weg.
Etwas später kommt der lukrative Managementwechsel (mitsamt vorrübergehendem Milton Welsh - Abschied aus dem Film) und die beiden kommen bei einem gewissen deutschen Majorlabel samt unsympathischer Sackratte als Produzent unter, wobei Eddie weiter ins Rampenlicht geschubst wird, während Otis das fünfte Rad am Wagen... wohl eher der Ersatzflicken in der Satteltasche des maroden Fahrrades des gemeinsamen Duos wird. Mit Fuscos Hilfe nimmt der Kerl sein Soloalbum auf, wird um die Anzahlung des Labels geprellt und mottet die verkaufszahlen der vielversprechenden Platte mit einem Upload ins Netz ein. Selbstsabotage, Fuck the System! irgendwas dazwischen.
Der Rotz ist zu einfallslos inszeniert, dass mir auch nur einer der angeblichen Witze im Gedächtnis geblieben ist. Den Humor dieses Filmes hätte Rainer Brandt selbst im Halbschlaf noch überboten und die erbärmliche Anti - Attitüde des Filmes, mit der Herr Würdig den Majorlabels, die ihn erst hochgezüchtet haben, in die Hand beißt, ist grundverlogen. Davon ab wird unser "Star" hier in ein aufrechteres Licht gerückt, als es die eigene kriminelle Biographie hergibt: Paule, der keine Drogen nimmt und das Koksbunkern für seinen Gangsterkumpel ablehnt? Wen wollt ihr denn bitte verarschen!? Einziger Schmunzler: Die beiden Protagonistendeppen wollen ihrem Schuhverkäufer - Producerkumpel einen Beat abkaufen und kennen als Szenecracks keinen einzigen der umhergeworfenen Fachbegriffe. Ertappt!
Der einzige kompetente Darsteller hier ist und bleibt Milton Welsh, der bekanntermaßen selbst reichlich DJ - Erfahrung gesammelt und Ahnung von Musik hat. Demnach spielt er den sympathisch - überdrehten Fusco so gnadenlos gut, dass ich lieber eine Film über ihn gesehen hätte als über den ganzen armseligen Rest der Bagage. Von daher zehn Punkte für ihn und dafür, dass der Film mir die Augen für diesen grandiosen Darsteller geöffnet hat. Beim eigentlichen Vorhaben - mir die beiden titelgebenden Rapper als sympathisch zu verkaufen - scheiterte er hingegen gnadenlos. Eine absolute Nullnummer von Film.