Mit THE BUNNY GAME erreicht uns eine neue Hoffnung am Torture-Porn-Himmel, da es um Fred Vogel (MORDUM, AUGUST UNDERGROUND) still geworden ist und Karl Moik wegen Alzheimer nur noch Kohlsuppe schlürft.
Regisseur Adam Rehmeier, der zugleich Produktion, Schnitt und musikalische Untermalung übernahm, stampfte den Film mit wenig Geld aus dem Boden. Technisches Know-how bringt Rehmeister aus seinen 10 Jahren Erfahrung als technischer Assistent bei diversen Produktionen mit. Somit liegt uns mit THE BUNNY GAME in der Tat ein ganz ansehnlicher, stimmiger und bitterböser Streifen vor, der einem die Lust am Foltern nahe bringen soll.
Im Zentrum des Geschehens steht eine blonde, namenslose Prostituierte. Ihr tristes, schnelllebiges, von Drogen und prügelnden Freiern gezeichnetes Dasein wird dem Zuschauer einleitend geschildert. Eines Tages gerät sie an einen alten, bärtigen, ebenfalls namenlosen Trucker. Dieser betäubt und fesselt sie und hält sie fortan in der Ladefläche seines Trucks gefangen. Wahnsinnige Folter und Psychoterror stehen von nun an an der Tagesordnung…
So böse, schlimm und brutal wie THE BUNNY GAME tut bzw. beworben wird, ist er gar nicht. Klar, das Dargebotene ist Menschen, vor allem Frauen verachtend hoch zehn, es fließt jedoch im ganzen Film kein einziger Tropfen Blut. „…Watt!? Und das soll nen Folterfilm sein!?“ hör ich es schon grölen. Und in der Tat: Amputationen, Kastrationen, Zähne ziehen, Zehennägel ausreißen – …nö, hier nicht! Die Folter läuft hier wie folgt ab: Der Trucker lässt die Nutte mit schweren Eisenketten gefesselt von der Decke seiner Ladefläche hängen. Noch bewusstlos schlitzt er ihr die Klamotten auf, leckt sie ab und ohrfeigt sie. Wieder erwacht brüllt sich die Blonde die Seele aus dem Leib. Lange lässt der Trucker sein Opfer zappeln und betäubt sie immer wieder aufs Neue. Der Trucker nimmt immer psychopathischere Züge an, rollt mit den Augen, drückt seine Nase am Gesicht der Nutte platt und keucht wie ein Stier. Dabei wird in Rückblenden von einem früheren Opfer des Truckers berichtet, mit dem er ähnliche Schandtaten vollführt hat. Erst ziemlich gegen Ende wird’s wieder etwas interessanter: Da schert der Trucker der Blondine die Haare und zieht sich eine Schweine- und seiner Geisel eine Hasenmaske aus Leder über. Dann geht er mit seiner „Hündin“ Gassi. Die Geisel dabei natürlich an der Leine. Ein echtes Branding wird geboten. Ein Metallstück wird mit der Lötlampe zum Glühen gebracht, dann kein Schnitt und das Metall brutzelt auf zischendem Menschenfleisch. Es folgen noch weitere kleine Folterungen, z.B. Plastiktüte über Kopf, bis der Trucker sein Opfer einem dritten Namenlosen übergibt und Ende.
Wirklich überzeugend an THE BUNNY GAME ist sein düsteres Schwarzweiß. Ferner ist der ganze Film durch heftige Schnitte gefolgt auf fast statische Beobachtungen in einer Art Videoclip-Ästhetik gehalten, so dass man sich in einem Musikvideo von Marilyn Manson oder Nine Inch Nails fühlt. Der verstörende Soundtrack, bestehend aus zermürbendem Death Metal- oder Industrial-Gebolze, und die Tatsache, dass größtenteils auf Dialoge verzichtet wird, steuern ihr übriges zur ohnehin schon gottlosen Stimmung des Films bei. Die überzeugenden Darsteller und die trickreiche Kameraarbeit heben den Film auf ein hohes Level.
Womit hat man hier so seine Probleme: Vergleicht man THE BUNNY GAME mit jüngeren Folterfilmen wie HUMAN CENTIPEDE oder A SERBIAN FILM, so wird einem hier einfach keine Handlung geboten. Spannung entsteht hier lediglich aus der Hoffung, dass vielleicht doch noch ein bisschen härtere Torturen geboten wird. Der Exkurs in den Fetischbereich (Ledermaske, Frau als Hund) schockt nur minder, da ist man seit Slipknot und Fritzl einfach härteres gewohnt.
Somit besticht THE BUNNY GAME hauptsächlich durch sein hohes Maß an psychischer Verstörtheit, dem tristen Schwarzweiß und der Videoclip-Optik. Es wird wenig geredet, viel geschrieen. Die Folter an sich hätte krasser ausfallen müssen, keine Frage. Wegen des mangelnden Bezugs zu den Hauptpersonen leidet man weder mit dem Opfer mit, noch bekommt man ausreichend Hass auf den Peiniger. Ist man streng, so könnte man dem Film mangelnden Realismus vorwerfen. So ist das Opfer knapp eine Woche in dem Truck eingesperrt, bekommt aber nichts zu essen, zu trinken nur Wodka und muss nie aufs Klo oder zumindest bekommt man dies nicht zu sehen. Klar, das ist eine übertriebene Form der Kritik, jedoch präsentierte uns beispielsweise AUGUST UNDERGROUND Folter in eben dieser ungeschönten, keine Details unter den Teppich kehrenden Weise.
Spannung: (+)(-)(-)(-)(-)
Splatter: (-)(-)(-)(-)(-)
Sadismus: (+)(+)(+)(+)(-)
Soundtrack: (+)(+)(+)(+)(-)
Fazit:
Psychoterror und Folterhorror in ästhetischem Schwarzweiß. Künstlerisch hochwertig und gut verstörend auf der einen, auf der anderen Seite sinnlos und lahm.