Review

Wie soll man jetzt wieder so einen speziellen Film bewerten ? Gibt man eine zu gute Note denken wieder einige, daß man unter den gleichen Perversionen leidet wie die Darsteller ;-), bei einer schlechten sagen die Befürworter "er hat keine Ahnung und den Film nicht verstanden.." ;-), However, THE BUNNY GAME wird die Sehgemeinde extrem polarisieren, es wird größten Abscheu geben aber auch große Begeisterung über das dargebotene. Das interessante ist, ich kann beide Seiten absolut nachvollziehen. Ich werde dem Film dennoch eine überdurchschnittliche Note geben, da ich denke er hat in seiner Ecke des Exploitationfilms die Latte in seiner speziellen Art noch etwas höher gelegt.

Zur Story nur kur:z: Wegen Ihrer Drogensucht läßt sich eine anonyme Prostituierte (Rodleen Getsic) auf Freier ein die Sex mit Gewalt verbinden. Sie hat aber die Rechnung ohne einen Trucker gemacht der sie entführt und auf ein tagelangen brutalen Alptraum schickt....... Dabei setzt der Film von Anfang an auf expliziten Hardcore-Porn Einsatz und Fellatio gehört sozusagen zum Standard in der 1. Hälfte des Films. Dies geschieht allerdings nicht vordergründig selbstzweckhaft wie bei Andreas Bethmann und Konsorten. Es passt zum Kontext, zur Darstellerin und auch der gut gewählten schwarz-weiß Optik die an den ähnlich kruden HUMAN CENTIPEDE II erinnert.

Hört sich ggfs. nach "Torture Porn" an, ja, in gewisser Weise schon, beide Worte haben ihre wörtliche Berechtigung, aber Gorehounds die auf Wunden oder abgetrente Körperteile aus sind sollten den Film meiden, die gibt es nicht, es fließt nicht einmal Blut ! Die erste Hälfte des Films ist sogar sehr atmosphärisch und in Form von relativ ruhigen Bilder wird man Zeuge wie zerüttet und emotional einsam die Hauptdarstellerin ist. Mit der schwarz-weiß Optik wollte man dem Film sicher leicht in eine Arthouse Film Ecke bringen und in Farbe wäre er sicher eher als klassischer Torture Porn eingeordnet worden, aber dazu hat der Film andere formale Mängel die ihn nicht zum Arthouse Klassiker machen werden.

Nach der Entführung der Frau gibt es dann ein unglaublich intensives Psychogramm des Truckers der auf seine wirklich ganz spezielle Art "mit ihr umgeht" und die Persönlichkeit von Bunny bricht, er beraubt sie nicht nur durch den Kahlschnitt der Haare jeglichem Zeichen Ihrer Identität ! Man wird Zeuge einer ganz außergewöhnlichen Täter-Opfer Beziehung und die letzten 30 Minuten sind ein Trip aus purem Wahnsinn und physischer und psychischer Brutalität. Das unterstützt der Film durch extensiven Einsatz von Wackelkamera und extrem schnellen und repetitiven Schnitten.

Entgegen dem Ruf des Films sehe ich die psychische Seite hier sehr viel dominanter, er bricht den Willen des Opfers nachhaltig und ohne Kompromisse. In diesem Torture Teil kommen keine Hardcore Elemente zum Einsatz was dem Film eine sehr viel grössere Glaubwürdigkeit verleiht und ihn nicht in eine einfach strukturierte Gewalt-Porno Ecke stellt. Das das ganze realistischerweise blutleer aber mit äusserster Brutalität abläuft macht es so realistisch.

Dazu tragen auch die beiden Hauptdarsteller bei denen man beide ihre Rolle abnimmt da sie diese bis in die Haarspitzen glaubhaft verkörpern. Die Physignomie ist jeweils extrem gut passend und wie vom Regisseur kolportiert soll wirklich ALLES an dem Film echt sein, außer den Drogen. Dies wird auch von der Hauptdarstellerin behauptet den Film als eine Bewältigung einer eigenen traumatischen Erfahrung genutzt zu haben. Dies alles könnte natürlich auch einfach künstlicher Hype sein, wer aber den Streifen bewältigt hat könnte diesen Gedanken doch tatsächlich als nachvollziehbar erachten. Allerdings erfindet THE BUNNY GAME wirklich nichts neu oder bietet ungesehenes erstmalig an, er verknüpft m.E. die Dinge nur äußerst geschickt.

Soundtechnisch gibt es krassen Einsatz von (Black) Metal Dissonanzen die ziemlich an den Nerven zehren und auch anfangs gar nicht zu den zunächst ruhigen Bildern passen. Hier haben die Autoren gänzlich daneben gegriffen, ist doch das Geschehen schon krass genug und muß nicht durch vermeintlich harte Metal-Sequenzen verstärkt werden. Sehr viel besser hat mir der Einsatz von repetitiven unterschwelligen Industrial Music und Musique Concrete Elementen in der 2. Hälfte des Films gefallen. Diese nur leichten rhythmischen Elemente verstärken viel nachhaltiger das Gefühl des allgegenwärtigen Unheils.

Ich muss nochmal anmerken, dass sich meine Beurteilung von THE BUNNY GAME als Genrebeitag im Horror- oder Exploitation-Umfeld bezieht, NICHT auf eine moralische Bewertung des Gezeigten an sich. Menschen oder Tiere in welchem Kontext auch immer gegen ihren Willen zu quälen ist absolut zu verurteilen. Damit aber den Film vorab zu verurteilen wäre zu einfach. Wenn es darum geht, müsste man sehr viele "normale" Actionstreifen und Thriller verurteilen. Der Unterschied nur ist, dass die Brutalität in dem vorliegenden Machwerk in einem nicht overground-kompatiblen pervers-übersteigerten Kontext gezeigt wird.

Will heissen, wenn Tom Cruise in einem Blockbuster hunderte Menschen in Luft sprengt ist das für alle "ok", wenn aber jemand in THE BUNNY GAME einen Menschen quält, bewerten viele den Film vorab als "schlecht" und "verabscheuungswürdig". Oft auch solche die ihn nicht mal gesehen haben und durch Ihre Ablehnung dann Ihren Abscheu vor "solchen Praktiken" demonstrieren wollen. Diesen Unterschied wollte ich klarstellen, deshalb in dem o.g. Sinne plädiere ich für

7/10 Hasenohren....äh,...Punkten  (als Beitrag zum Exploitation-Genre)

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