Review

Eine kurze Einleitung: Ich hatte diesen Film schon einmal in meinem Player liegen und merkte nach wenigen Minuten, dass "The Bunny Game" nichts, aber auch absolut gar nichts für mich ist.
Nun - shit happens - habe ich eine Wette verloren und ich konnte mir aussuchen, entweder beim Red Bull-Klippenspringen mitzumachen oder das Häschenspiel anzuschauen. Und da ich nicht als "The Rock - Fels der Entscheidung Teil 2" in die Geschichtsbücher eingehen will, nahm ich die zweite Wahl an.

Ich könnte jetzt anfangen zu schwadronieren und sagen: Wo "A Serbian Film" und "Human Centipede II" aufgehört haben, beginnt erst "The Bunny Game" - aber das wäre schlichtweg falsch. Denn in dem Serben gab es ein knallhartes Drama in ungewohnter, abstoßender Kulisse zu betrachten und beim menschlichen Lego-Baustein eher rabenschwarzen Humor der derbsten Sorte. Beides jedoch in der Rubrik "Filme".

"The Bunny Game" kann ich eben nicht als "Film" in irgendeiner Kategorie einstufen, sondern sehe es eher als Kunstobjekt bzw Arthouse der dunkelsten Seite und Sorte im Universum an.

Die erste viertel Stunde sieht man den widerlichen Alltag von Sylvia Gray (Rodleen Getsic[k]), die sich mit dem Pseudo-Namen "Bunny" ihren Lebensunterhalt erbläst. Es folgen abwechselnd Blowjobs und das Feierabendbier, was bei Bunny jedoch Kokain  darstellt. Eine Line hier, eine Line da. Übernachtet wird gerade da, wo man umfällt und so geht es Tag für Tag weiter, Nudeln zu massieren und das wenig Leben, das man besitzt, sich mit Drogen so bequem wie möglich zu gestalten.

Der Film ist komplett im schwarz/weiß-Look gehalten und wer jetzt denkt, dass nach den Eingangssequenzen ohne Namen, ohne Gesichter und fehlender Charakterzeichnung eine richtige Story kommt, liegt falsch. 

Bunny lernt auf der Straße den Trucker Hog (Jeff Renfro) kennen. Mit der Vermutung, wieder mal schnell 30 Dollar mit ihren Lippen zu verdienen, liegt sie jedoch falsch. Denn Hog betäubt sie, verschleppt sie mit dem Truck raus in die einsame Ödnis und setzt sie dort einer Reihe unerträglicher Qualen aus.



Ja, wer jetzt meint, er hätte einen straighten, härteren "Hostel"-Klon vor sich liegen, der wird noch falscher liegen, denn das was wir in den 75 Minuten sehen, ist kaum in Worte zu fassen: Der Film kommt mit wenig Dia- und Monologen aus und zeigt, wie Trucker Hog über mehrere Tage Bunny auf grauenvollste Art und Weise foltert. Erwähnenswert ist zunächst einmal, dass kein einziger Tropfen Blut fließt bei der ganzen Tortur.
 Dumpfe Industrie-Töne und Bunnies Schreie beherrschen das Geschehen, mehrmals wird der Fortschritt in stakkatoartigen Schnitten gezeigt, die man nicht auseinanderhalten kann (so ging es jedenfalls mir), ob sie im Jetzt oder in der Vergangenheit spielen, oder noch krasser: dort vielleicht auch Hundertstel Sekunden-Schnippsel von anderen Opfern reingespickt worden sind. Denn Hog nimmt das Martyrium mit einer DV-Cam auf, wie er es schon mit anderen Opfern zuvor gemacht hat. Dabei wird auch angedeutet, dass Hog vielleicht impotent sein könnte: Er schleckt Bunny ab, penetriert sie mit seinen Fingern (nee, das mit den Fäusten sind andere Filme, die rezensiere ich aber nicht) - aber er vergewaltigt sie nicht. Also für den Fetisch, den der Trucker hier auslebt, muss erst noch eine Definition erfunden werden.
Die Gewalt findet also im Gehirn statt, die Prostituierte wird immer mehr zermürbt, die Haare werden abgeschoren - ja, ich glaube, man kann sagen, dass sie jeglicher Existenz und ihrer Seele nach und nach beraubt wird.

Aber: "The Bunny Game" hat bei mir in keinster Weise Emotionen hervorgerufen. Ekel vielleicht, doch ein Mitfühlen des Charakter nicht - dafür fehlt sämtliche Charakterzeichnung.
Aber wie ich es schon bereits weiter oben erwähnte: "The Bunny Game" sträubt sich gegen jedes gewohnte Stilmittel, die uns andere Filme immer mitbringen, die uns in eine bestimmte Richtung von Emotionen und Erwartungshaltungen treiben sollen.
Jedoch kann man diesem "Film" eins bescheinigen. Das Schauspieler-Duo macht eine verdammt gute Arbeit und wir haben es hier nicht mit irgendeinem dahergelaufenem Billig-Bockmist zu tun, dafür wirkt das Ganze zu rund und zu edel - aber mir wird wohl ewig ein Rätsel bleiben, was Regisseur Adam Rehmeier uns damit sagen will.

"The Bunny Game" ist Kunst der etwas ganz anderen Art und für solche Leuchtstoffbirnen wie mich natürlich ganz und gar nix.
Deswegen kann ich diesen Film lediglich Leuten ans Herzen legen, die extrem experimentierfreudig sind, oder zwei bis fünf Horizonterweiterungen mehr wie ich selbst durchgemacht haben.

1/10

Details
Ähnliche Filme