"Eddie lebt! - oder die Wiederaufstehung von den Humorlosen"
Es ist fast 20 Jahre her, dass Eddie Murphy in einem Film nicht nervte, entsetzte, oder zum Fremdschämen einlud. Nach Boomerang (1992) zerstörte der einstige Comedy-Superstar seinen Ruf vornehmlich mit grenzdebilen Disney-Familienklamotten, bei denen er meist in Mehrfachrollen unter Tonnen von albernem Make-up seine Karriere zu Grabe blödelte. Wer den schlagkräftigen, gewitzten Maulhelden der frühen 1980er Jahre erhoffte, wurde in schöner Regelmäßigkeit mit einem Dumpfbackenhumor-Dampfhammer zu Boden gestreckt, bis auch der letzte Murphy-Jünger der ersten Stunde ausgerottet schien.
Vor diesem tristen Hintergrund darf man Murphys Auftritt in der Heist-Komödie Aushilfsgangster geradezu frenetisch als Wiederauferstehung bejubeln. Nicht dass Eddie in punkto Wortwitz, schlitzohrigem Charme und ausgebuffter Cleverness an seine ersten drei Superhits (Nur 48 Stunden, Die Glücksritter, Beverly Hills Cop) heranreichen würde, aber man kann sich inzwischen zumindest wieder vorstellen, dass es sich um denselben Kerl handelt.
Es ist sicherlich kein Zufall, dass ausgerechnet Brett Ratner für Murphys hoffentlich längerfristige Rückkehr zu alter Form verantwortlich zeichnet. Schließlich gilt der Regisseur als großer Bewunderer des einstigen Superstars und sind seine Rush-Hour-Filme eine unverhohlene Hommage an dessen größten Hit. Allerdings agieren die unfreiwilligen Cop-Buddies Chris Tucker und Chackie Chan deutlich platter und bräver als das übermächtige Vorbild. Ein Problem, dass auch bei Aushilfsgangster auftritt.
Wie Rush Hour orientiert sich auch Tower Heist an einer berühmten Vorlage. Hier stand ganz offensichtlich Steven Soderberghs Stargespickte Ocean´s-Trilogie Pate. So vereint Ratner ebenfalls einen namhaften Cast (neben Murphy stehen noch Ben Stiller, Casey Affleck, Matthew Broderick, Alan Alda und Tea Leone auf der illustren Liste), um diesen auf einen ausgeklügelten Raubzug zu schicken. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass es sich bei Stiller und Co um lupenreine Amateure handelt, genau genommen um eine Reihe von biederen Hotelangestellten, die von einem cleveren Börsenhai um ihre Pensionskasse gebracht wurden.
Mastermind hinter dem geplanten Coup ist Josh Kovacs, der Manager eines New Yorker Apartmenthauses („The Tower") für Schwerreiche. Leider hat der fürsorgliche Josh Ersparnisse und Pensionsfond seiner Untergebenen bei der im Penthouse des Tower residierenden Wall-Street-Größe Arthur Shaw (Alan Alda) investiert. Dieser ist inzwischen wegen Finanzbetrugs angeklagt und scheint vollkommen pleite. Als die verantwortliche FBI-Agentin Gertie (Tea Leonie) die Vermutung äußert, dass Shaw bestimmt irgendwo einen Notgroschen versteckt hat, kommt dem geprellten Josh die Raubzugidee. Da die Eingeweihten Cole Howard (Casey Affleck als Joshs Schwager und Rezeptionist des Tower), Rick Malloy (Michael Pena als Möchtegern-Elektronik-Ass) und Chase Fitzhugh (Matthew Broderick als erfolgloser Finanzexperte) über keinerlei kriminelle Erfahrung verfügen, nimmt Josh seinen ehemaligen Krabbelgruppen-Gefährten und Nachbarn Slide (Eddie Murphy) mit ins Amateurgangster-Boot. Immerhin war dieser schon mehrfach im Knast und macht auch sonst einen kompetenten Eindruck als Krimineller. Leider entpuppt sich Slide lediglich als kleiner Gauner mit dafür umso größerer Klappe. Nicht unbedingt ideale Vorraussetzungen, um den mit allen Wassern gewaschenen Shaw aufs betrügerische Kreuz zu legen ...
Aushilfsgangster lässt deutlich Eleganz, Spritzigkeit und Coolness der Ocean´s-Reihe vermissen, sorgt aber zumindest für knapp zwei Stunden nette Unterhaltung. Ein echter Ratner eben. Substanzlos, aber launig. Nach der etwas langatmigen Exposition, bei der die Charaktere nicht unbedingt temporeich vorgestellt werden, nimmt der Film mit Planung und Durchführung des Coups ganz ordentlich Fahrt auf.
Vor allem Eddie Murphys Auftritt als großmäuliger Kleingangster sorgt für ein paar gelungene Gags und bringt frischen Wind in die ansonsten etwas dröge Bande. Auch das Zusammenspiel mit Costar Ben Stiller ist ein Pluspunkt des Films, prallen hier doch zwei sehr unterschiedliche Comedy-Stile aufeinander. Murphys direkte, fast schon prahlerische Komik ist ein interessanter Gegensatz zu Stillers eher zurückhaltender, oft aus Nervosität und Unsicherheit entstehender Variante. Darüber hinaus tragen sowohl Alan Alda als Wolf im Schafspelz, wie auch Tea Leoni als hemdsärmelige FBI-Agentin zu einer gelungenen Ensembleleistung bei, lediglich Casey Affleck und Matthew Broderick bleiben relativ blass.
Insgesamt hätten dem Film - vor allem zur Ablenkung von der doch recht unglaubwürdigen Heist-Idee - eine höhere Gagdichte und etwas schillerndere Charaktere nicht geschadet. Wenn man Ocean´s Eleven sicherlich als Champagner unter den Heist-Komödien bezeichnen kann, so ist Aushilfsgangster lediglich ein süffiger, aber wenig erinnerungswürdiger Mittelklasse-Sekt. Für den fast schon verdursteten Eddie Murphy war aber auch der bereits mehr als belebend. Es blubbert zumindest wieder verheißungsvoll in der lange schal und abgestanden wirkenden Comedy-Karriere des einstigen Genre-Primus. Prost Eddie!