Mittlerweile wird schon das Buch Hiob des Alten Testaments bemüht, damit sich Nachwuchsschreiberlinge eine kleine Vampirgeschichte zusammenreimen können. Autor und Regisseur Neil Jones dürften diesbezüglich einige Hiobsbotschaften ins Haus flattern, denn die bisherigen Kritiken fallen größtenteils vernichtend aus.
In einem kleinen englischen Dorf tritt ein junger Reverend (Stuart Brennan) seinen Dienst an, als er nach seiner ersten Predigt von einer Vampirfrau gebissen wird. Kurz darauf gelüstet dem Geistlichen nach Menschenblut und in dem kleinen Kaff läuft allerlei Abschaum herum...
Die Exposition steigt mit einem Zwiegespräch zwischen Gut und Böse ein, zwischen Gott und dem Teufel, wenn man denn von der entsprechenden Kleidung und dem Buch Hiob auf die Ausgangsposition schließt. Laut Bibel wurde allerdings Hiobs Gottesfurcht geprüft, während unser namenloser Pfarrer zum beißenden Rächer mutiert und offenbar kein Problem damit hat, gegen eines der Zehn Gebote zu verstoßen.
Aus diesem Zwiespalt ließe sich zumindest eine ambivalente Figur basteln, doch Neil Jones hat sich offenbar nicht allzu tief greifende Gedanken über den Stoff gemacht, der auf irgendeinem Comic basieren soll. Die Hauptfigur ist vor allem im ersten Drittel als Erzählstimme im Off tätig, wobei seine Worte lediglich unterstreichen, was man ohnehin sieht oder gedanklich nahe liegend ist. Erwähnenswert sind in diesem Kontext allenfalls zwei kleine Einschübe in Schwarzweiß, bei der per Colorkey-Technik einzelne Gegenstände wie der sinnbildliche Paradiesapfel farbig hervorgehoben werden.
Ansonsten beißt sich unser Ehrwürden durch den Moloch des Dorfes, gabelt nebenher eine Nutte auf und lässt sie bei sich wohnen, killt ihren Zuhälter und einen sadistischen Freier und andere Bösewichte, während die finale Konfrontation auf ein Duell zwischen ihm und den Obermacker des Ortes (Tamer Hassan) hinausläuft.
Spannung sucht man bei alledem jedoch vergebens, da die Morde trotz angedeuteter Bisse reichlich unspektakulär ausfallen und Minuten vorher ohnehin klar ist, wer als nächstes dran glauben wird.
Auf darstellerischer Ebene wird indes mal wieder Etikettenschwindel betrieben, denn der so groß auf dem Cover beworbene Rutger Hauer absolviert seinen Auftritt innerhalb der ersten drei Minuten und ward nicht mehr gesehen, während einer wie Doug Bradley immerhin fünf Minuten Leinwandzeit absolvieren darf. Hauptdarsteller Brennan, der auch als Produzent fungiert, bringt leider zu wenig Ausstrahlung mit, um so einen Rachevampir glaubhaft zu verkörpern, denn über den Gesichtsausdruck eines schüchternen Buchhalters kommt der Mann nicht hinaus.
So unpassend die Besetzung ist, so klingt auch der Score mit Blues-Gitarre völlig kontraproduktiv und erstickt jeden Anflug von Atmosphäre im Keim. Aber auch sonst ist die Ausstattung recht zurückhaltend ausgefallen, mal abgesehen von einigen kurz auflodernden Flammen, sobald die Opfer gebissen sind und sich in Nichts auflösen. Einen eingeschobenen Untergrundkampf könnte man noch erwähnen, doch der heizt genauso wenig an, wie das kühl in Szene gesetzte Zusammenspiel zwischen Hauptfigur und der Prostituierten.
Vampirfreunde werden mit diesem Streifen zumindest kein Highlight in ihre Sammlung aufnehmen können, denn selten wurde eine im Grunde bissige Idee so harmlos und unkreativ umgesetzt. Schwach performt, ideenlos und phasenweise unausgegoren erzählt, vor allem aber ohne jegliche Dynamik vorgetragen, denn die meiste Zeit dümpelt das Geschehen unaufgeregt vor sich hin. Mit solchen Filmen wird der arme Hiob noch postum bestraft...
3 von 10