Jeder zumindest etwas ältere Horrorfan wird schon mal unterbewusst leicht Aggressionen gegen diesen Neuzugang im Genre aufbauen, denn wer sich neben dem Haupttitel MIMESIS den Zusatztitel NIGHT OF THE LIVING DEAD gibt, muss sich doch allzu schnell dem Unmut aussetzen, sich mit diesem all-time Klassiker schmücken zu wollen. Das macht MIMESIS durchaus, allerdings ist es zum Glück nicht nur Titelklau, und er ist auch kein wie auch immer geartetes direktes Remake, sondern es ist eine gutgemeinte Hommage mit teilweise gelungenem Witz und unerwartet derbem, blutigen und extrem zeigefreudigen Szenen, wenn auch nicht immer extrem hochwertigen Masken, die uns auch in der deutschen FSK 18 zum Glück in uncut gebracht werden.
Die Story ist so clever wie dämlich: Ein paar Freunde werden im Rahmen einer Horrorconvention zur einer Party eingeladen und einige von Ihnen wachen später wieder auf in Kleidung der 60er Jahre auf, sofort greifen Zombies an, sie flüchten in ein Haus und erkennen sich in NIGHT OF THE LIVING DEAD von wieder. Eine tödliche Jagd beginnt…Erstaunlich ist die Detailversessenheit der Macher, in denen viele Szenen und Abläufe quasi 1:1 nachgestellt wurden, es stimmen die Frisuren und die Kleidung und auch einige prägende Szenen sowie die Hautfarben der Protagonisten. Wer nun denkt wie langweilig, da man das Original ja kennt, wird vielleicht etwas des Besseren belehrt werden, denn man variiert schon ein wenig.
Goretechnisch kann MIMESIS aus dem Vollen schöpfen und schon nach weniger als 4 Minuten gibt es im Vorspann einen Zombiefreund, der sich im Gedärmewühlen übt und MIMESIS gibt somit gleich seine blutige Visitenkarte ab. Dies wird später noch öfter wiederholt und allerdings relativ wiederholend eingesetzt. Abgerissene Gliedmaßen wechseln sich mit groben Bisswunden ab. Nicht immer sehen die Effekte perfekt aus und einige Gedärme sind zu leicht als rotes Silikon oder ähnliches zu entlarven. Auch die Masken der Zombies erinnern eher an die dunklen Gesichter rußiger Kohle Kumpels. Hier hätte man sich trotz des bescheidenen Budgets von rund 500.000 Dollar etwas mehr Mühe geben können. Die Spezialeffekte erfüllen insgesamt durchaus ihren Zweck im Rahmen eines sehr ambitionierten B-Horrorstreifens.
Die gilt auch für die diversen Schwächen in der deutschen Synchronisation und ihrer teils lächerlichen Dialoge. Der Grundton von MIMESIS schwankt ein wenig zwischen ernsthaft und einer harten Zombie-Komödie, ist aber mehr an ernsthaftem Horror orientiert. Aber dennoch wird für Zombietrash-Freunde einiges geboten und vor allem wenn man großer Fan des Originals ist, wird man einiges mit großem Schmunzeln nachvollziehen. Ab einen gewissen Punkt versucht MIMESIS etwas eigene Wege zu gehen und nicht starr am Original zu kleben, was für mich für den Gesamteindruck nicht wichtig ist. Man sollte auf keinen Fall Vergleiche mit dem Original oder anderer Klassiker in diesem Umfeld als Vergleich bemühen. MIMESIS ist ein Independent Werk in jeder Pore und das sollte man vor der Sichtung beachten.
Spannung ist dennoch an vielen Stellen vorhanden, genauso wie ein Teil der entsprechenden Horror-Atmosphäre mit gutem Soundtrack, auch wenn das Ende selbst etwas lieblos, unerwartet und abrupt daherkommt. Die Horror-Zugmaschine Sid Haig kann leider nur wenige Minuten recht unbedeutende Szenen im Rahmen der oben genannten Convention für sich verbuchen. Regisseur Douglas Schulze hat bisher eher mit einer Handvoll recht unbekannter, aber sehr aggressiver B-Horrorstreifen sein Brot verdient. Mit MIMESIS hat er einen kleinen Schritt nach vorn gemacht und etwas mehr auf Bekanntes und harte Effekte gesetzt und eine Steigerung geschafft.
5,5/10 Punkten