Die Filme von Stuart Baird werden zwar immer minimal schwächer, aber trotzdem ist „Star Trek: Nemesis“ ziemlich unterhaltsames Sci-Fi-Kino.
Nachdem „Star Trek“ im Kino schon öfter Klingonen oder Borg thematisierte, rücken hier die Romulaner in den Mittelpunkt. Analog zur römischen Sage gibt es zu Romulus auch den Zwillingsplaneten Remus, doch dessen Bewohner werden von den Romulanern als Sklaven gehalten. Aus diesen und anderen Gründen wird dann auch der romulanische Senat von einem Usurpator mit einer Spezialwaffe in die ewigen Jagdgründe geschickt, doch die Identität desjenigen hebt man sich für später auf und auch über seine Motive erfährt man erst später etwas.
Auf der Enterprise feiert die Crew von Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) die Vermählung von Commander William T. Riker (Jonathan Frakes) und Counselor Deanna Troi (Marina Sirtis). Doch ehe es in die Flitterwochen gehen kann, muss die Enterprise nach Romulus fliegen, um die Lage zu klären. Vorher gibt es noch einen Zwischenstopp auf einem abgelegenen Planeten, wo man B-4 (Brent Spiner), Vorläufermodell des Androiden Data (auch Brent Spiner) findet. Nebenher muss man auf dem Planeten noch mit einer paar Radaubrüdern zoffen, was in „Mad Max“-artiger Buggy-Action geschieht. Nett gemacht und für „Star Trek“-Verhältnisse überraschend temporeich.
In der romulanischen Zone angekommen beginnt Picard die Verhandlung mit Shinzon (Tom Hardy), der nun anscheinend den Tortenheber dort schwingt und den Remanern zu neuer Macht verholfen hat. Doch schon bald kommt Picard auf den Trichter, dass Shinzon Fieses im Schilde führt…
„Star Trek“ ist für Paramount ein Prestigeobjekt und dementsprechend edel sehen mal wieder Effekte und Kulissen aus, die mal wieder CGI-Effekte in angenehm hoher Qualität präsentieren. Inhaltlich gibt es im Bereich Charaktere ein paar einschneidende Veränderungen (z.B. werden Riker und Troi auf ein anderes Schiff versetzt), allerdings umgeht das Ausscheiden eines bestimmten Charakters am Ende mit einem simplen Trick. Aber ich habe mit der Serie wenig am Hut, weshalb mir die Veränderungen in der Figurenkonstellation nicht so zu Herzen gehen wie echten Trekkies.
Die erste Hälfte von „Star Trek: Nemesis“ ist leider etwas dröge geraten, denn man merkt Shinzon schon an der Nase an, dass er eine fiese Möpp ist, und B-4, eine Art Weltall Forrest Gump, wird auch nicht rein zufällig an Bord gekommen sein. Erst ab der Gefangennahme Picards kommen dann überraschendere Wendungen und das Tempo nimmt zu. Zwischendrin versucht der Film in der ersten, ruhigeren Hälfte noch (wie bei „Star Trek“ üblich) noch leicht philosophisch werden; dieses Mal geht es um Fragen der eigenen Identität. Allerdings bleibt das Ganze nur Beiwerk und erreicht keinen großen Tiefgang. Logikfehler gibt es allerdings ein paar (z.B. die Szene mit dem Loch in der Brücke), doch den Filmfluss stören sie nicht wirklich.
Dafür macht die zweite Hälfte umso mehr her, denn hier setzt „Star Trek: Nemesis“ auf Action und dies ist für „Star Trek“-Verhältnisse recht spektakulär. Es gibt ein paar Schießereien und Nahkämpfe, die ganz nett sind, aber noch nicht wirklich begeistern. Denn für den Schauwert sorgt hier eine ausgiebige Raumschlacht, die spektakulärer rüberkommt als in den meisten anderen Filmen der Serie. Optischer Höhepunkt ist sicherlich die Szene, in der Jean-Luc den Astrospacken vom Planeten Remus mal zeigt, was passiert, wenn irdische Wertarbeit in remanische Leichtbauweise reinkracht. Das war auch für mich, dem bei „Star Trek“ oft wirklich spektakuläre Szenen fehlen, recht beeindruckend.
Im Bereich Schauspieler muss man an sich nicht soviel sagen, denn die Enterprise-Crew aus der „Star Trek“-Serie „Next Generation“ ist in ihren Rollen so eingespielt, dass sie einfach nur überzeugend wirken können. Tom Hardy ist ein ordentlicher Fiesling und unter Make-Up versteckt agieren Dina Meyer und Ron Perlman auch ziemlich überzeugend.
Zwar ist auch „Star Trek: Nemesis“ kein Megahighlight im Sci-Fi-Bereich, für mich aber einer der besseren, da actionreicheren „Star Trek“-Filme.