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Als letztes Kinoabenteuer mit der Next – Generation – Crew beworben, startete „Star Trek – Nemesis“ erst vier Jahre nach dem missratenem Vorgänger 2002 in die Kinos. Leider kann man nicht gerade von einem rundum gelungenen Abschied sprechen.

Den Remanern, einer unterdrückten Subspezies im Romulanischen Reich, gelingt die vollständige Machtübernahme auf Romulus. Der neue Anführer Shinzon bietet der Föderation Friedensgespräche an. Doch als die Enterprise auf Romulus eintrifft, zeigt sich, dass Shinzon ein Klon von Picard ist, und mit dem Captain weitaus gefährlichere Dinge vorhat…

Schon zu Zeiten der alten Serie waren die Romulaner stets die interessantesten Gegenspieler, verschlagen, intrigant und gerissen. Das blieb auch bei Next Generation so, bis dann bei DS9 die platten Klingonen so stark in den Vordergrund geschoben wurden, dass es still wurde in „Romulanien“ (Zitat Kirk). Umso erfreulicher, dass man sich für den zehnten Film an die alten Feinde erinnerte und ihnen endlich wieder tragende Rollen gab. Gut, so ganz stimmt das ja nicht, denn die echten Bösewichter sind hier die Remaner, eine bisher unbekannte Rasse, die die Macht im Reich übernommen haben. Obwohl man ihnen einen durchaus interessanten Hintergrund verpasst hat, sind sie es eigentlich, unter denen die Handlung zu leiden hat.

Romulaner-Folgen boten bisher stets packende, hochspannende Spionagehandlungen, man denke an Episoden wie „Die unsichtbare Falle“ (TOS) oder „Wiedervereinigung?“ (TNG). Nun, davon kann in „Nemesis“ keine Rede sein, denn die die Romulaner wurden ja von den Remanern geputzt, und dass Shinzon nichts Gutes im Schilde führt, kann man sich schon in dem Moment denken, als er und Picard sich erstmals sehen. Die Idee mit dem Klon ist nun wahrlich sehr weit hergeholt, aber im Hinblick auf den „Was wäre wenn…“ – Gedanken doch recht gelungen. Leider wird allzu schnell verraten, was Shinzon wirklich im Schilde führt, und auf diese Weise viel Spannung vergeudet, wenn zur Hälfte des Films nur noch die Frage „Wie kommen Picard und die Enterprise aus dieser Zwickmühle“ offen bleibt.

Das letzte Drittel des Films sowie der Showdown bestehen aus einer ausgewalzten Weltraumschlacht der Enterprise gegen Shinzons mächtiges Kampfschiff, die von den Tricks her nicht annäherungsweise an „Der erste Kontakt“ herankommt und nicht wirklich spannend geraten ist. Da wird ewig hin und hergeschossen, die obligatorischen Meldungen über gesunkene Schutzschilde kommen rein, völlig unmotiviert werden Enterkommandos herumgebeamt, die nichts zerreissen, all das hätte gerne kürzer ausfallen dürfen. Dann gibt es ein paar Heldentaten, und es stirbt sogar ein Mitglied der Hauptcrew, was eine der wenigen echten Überraschungen des Films darstellt. Trotzdem lässt einen das Finale sehr unbefriedigt zurück, im Hinblick auf den Abschluss der Filmreihe erst recht.

Was die Charaktere angeht, konzentriert sich der Film wie schon gesagt auf Picard und Shinzon. Ansonsten wird der Captain wie so oft als Actionheld missbraucht, was nicht wirklich gut zu der Rolle, wie man sie aus der Serie kennt, passt. Data findet einmal mehr einen Androiden-Prototypen seiner Bauart, eine Thematik, die in der Serie eigentlich schon zur Genüge behandelt wurde (Lore, Lal), und niemanden umhauen wird. Troi und Riker heiraten und knüpfen so an längst vergessen geglaubte Imzadi-Zeiten an, Worf, LaForge und die Crusher sind völlig beschäftigungslos. Alles in allem für Fans okay, aber nicht überragend.

Was man wirklich noch erwähnen muss: Picards deutsche Stimme ist zwar die gewohnte aus den vorherigen Filmen, nur klingt sie wie ein alter Opa. Besser wäre die Stimme aus TNG gewesen, die sowieso besser zu Patrick Stewart passt.

Fazit:
Ein wirklich guter Abschluss für die Reihe ist „Nemesis“ nicht, schlechter als „Der Aufstand“ konnte er ja kaum werden, aber man hätte sich schon mehr erhofft. Handlung, Action, Tricks, Charakterentwicklung, alles gab es in anderen Filmen der Reihe viel gelungener. Hätte man einfach eine klassische Romulaner-Story entworfen, wäre sicher vieles besser geworden. Aber so ist „Star Trek – Nemesis“ nicht mehr als Durchschnitt.

5/10

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