Spoilerwarnung!
Die Paramountsterne fliegen farbenprächtig an uns vorbei. Dann die Dunkelheit des Weltraums. Ein Schriftzug bildet sich: Star Trek: Nemesis.
Wir befinden uns in einem Star-Trek-Film, dem zehnten insgesamt, dem vierten der „Nächsten Generation“.
Nachdem uns die Welt-Raumfüllende Musik des Soundtrack-Urgesteins Jerry Goldsmith in Sicherheit gewogen hat, werden wir mit einer einleitenden Szene konfrontiert, die uns auf kommendes Unheil, auf einen unerbittlichen und grausamen Bösewicht vorbereiten soll:
Shinzon, aufgewachsen in einem romulanischen Gefangenenlager, grossgezogen von einem Remaner, gelangt durch einen intriganten Coup an die Herrschaft über die Romulaner.
Na, du Star-Trek-ungeübter Zuschauer, bist du schon verwirrt?
Was an diesen -immerhin technisch- gelungenen Plot folgt, ist leidlich verwirrend:
Wir wohnen der Hochzeit von Riker und Troi bei. Während Lt. Commander Worf betrunken ist, hält Data eine Hochzeitsrede in deren Verlauf er zu singen beginnt!
Das lässt augenblicklich die Spannungskurve sinken und man wünscht sich eine Fernbedienung, mit der man zum nächsten Kapitel zappen könnte.
Doch diese Szene währt zum Glück nicht allzu lange.
Shinzon, das jüngere und geklonte Abbild von Picard, möchte Rache üben an den Romulanern, die ihn als Knaben in ein Gefangenenlager steckten. Dazu ersinnt er eine komplizierte Geschichte, zugeschneidert auf Picard, dessen Gedanken er zu kennen glaubt, ist er doch dessen genetischer Bruder.
Wir begleiten die Crew der Enterprise auf einen Wüstenplaneten. Dort vergraben im Wüstensand soll ein Android liegen. Man hat positronische Signaturen von diesem Planeten empfangen, also muss das so sein!
Natürlich kann man die Luft des Planeten atmen, wissen wir doch aus unzähligen Star-Trek-TV-Episoden, dass eigentlich auf jedem Planeten atembare Luft in ausreichender Menge vorhanden ist.
Das Rescue-Team unter Leitung des Kapitäns fährt in einem wüstentauglichen Auto (sic!) über die Planetenoberfläche und sammelt die Einzelteile des Androiden ein.
Data muss zu seiner Überraschung feststellen, dass der Android ein Zwillingsbruder von ihm ist.
Was folgt ist verzwickt und verwinkelt zusammengenagelt.
Schauen wir also in unseren Star-Trek-Storybaukasten:
Wir haben:
Einen Doppelgänger für den Kapitän.
Einen Doppelgänger für Data.
Ein Hochzeitspaar, Troi und Riker. Ach nein, die legen wir besser beiseite, da dieser Umstand im weiteren Verlauf des Films keine Rolle spielen wird.
Böse Romulaner, die wir dann später überraschenderweise gut-biegen werden.
Bitterböse, vampirähnliche Remaner (igittigitt).
Die Handlungszutaten:
Gut abgewogene Portionen von Verfolgungsjagten auf einem Planeten, in einem Raumschiff und im Weltraum.
Lange Gespräche der vielen Doppelgänger untereinander.
Lange Gespräche der Romulaner mit Shinzon, dieser mit den Remanern und alle untereinander gemischt mit den Besatzungsmitgliedern der Enterprise.
Einen bösen Anfang mit einem bösen Buben, und mit dem bösen Buben ein böses Ende.
Ach ja, hier liegt ein dicker Spoiler herum: Data werden wir am Ende auch noch opfern, so was hatten wir ja schon in Star Trek II – Der Zorn des Khan. Nur hiess Data da noch Spock.
Hartgesottene Star-Trek-Fans werden auch um diesen Film nicht herumkommen. Bis auf wenige Aussnahmen ist der Film immerhin handwerklich solide gefertigt.
Und weil es so schön bunt war, ordentlich gerumpelt hat und der Soundtrack es wert ist nachträglich auf CD gekauft zu werden, vergebe ich 6 von 10 möglichen Punkten auf der OFDB-Skala.