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Da ist er nun, „Star Trek: Nemesis“, der zehnte abendfüllende Kinofilm aus dem von Gene Roddenberry seinerzeit kreierten und erdachten „Star Trek“ – Universum, und zugleich der vierte, der die beliebte „Next Generation“ – Crew um Captain Jean-Luc Picard und Co. in den Mittelpunkt stellt.

„A Generation’s Last Journey Begins“, verkünden dann auch die Werbezeilen auf dem stimmungsvoll - düsteren Filmplakat, was einhergehend mit vorangegangenen Statements aus dem Franchise darauf schließen ließ, dass wir mit diesem Film nun Abschied nehmen sollten von der über knapp 15 Jahre lieb gewonnen Crew der „Nächsten Generation“.

Nachdem der Film im Vorfeld geradezu ultimativ 'gehypet' wurde und die Versprechen seitens der Beteiligten den Eindruck erweckten, den geneigten Zuschauer erwarte der bislang beste „Star Trek“ – Film aller Zeiten, enttäuschte er schließlich viele Fans, sah sich übelsten Kritiken ausgesetzt und spielte, gerade in den so wichtigen Märkten USA und Großbritannien, längst nicht die erhofften Summen ein. Somit sind nach aktuellem Stand die Chancen auf ein „Star Trek XI“ mit Picards Mannen mehr als unwahrscheinlich.

Was ist nun dran an allen Vorversprechungen und Unkenrufen, an den Hoffnungen und Enttäuschungen?

Beginnen wir mit einem kurzen Exkurs über das Faktum der Einspielergebnisse.
„Nemesis“ lief bzw. läuft an sich zwar recht erfolgreich, scheint sich in Sachen Ertrag aber irgendwo auf dem Level des Vorgängers „Insurrection“ zu bewegen, den es vom Studio aus immens zu toppen galt. Auch wenn ich die bestehenden Sachverhalte nicht zu arg reduzieren möchte, sollte diesbezüglich zu Anfang kurz eine simple ökonomische Komponente erwähnt werden: Was hier in Europa noch im Ausklang der Fall ist, war in den USA ( dort startete „Nemesis“ bereits Mitte Dezember ) von Beginn an ein Schwierigkeitsfaktor: Das „Star Trek“ – Franchise hat seine Fans weltweit, keine Frage, aber an den Kinokassen gegen beinahe zeitgleich angelaufene Mainstream-Giganten wie „Herr der Ringe, Teil 2: Die Zwei Türme“, die erste „Harry Potter“ – Fortsetzung und nicht zu vergessen einen neuen und immer lukrativen „James Bond“ ( nämlich „Die another Day“ ) anzutreten, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen für einen Science-Fiction-Film aus dem Roddenberry-Universum, dessen Franchise ( vgl. den absoluten Niedergang durch die stets schwächelnde Serie „Voyager“ sowie die schwachen Quoten der ambitionierten neuen Prequel - Serie „Enterprise“ ) sich seit Jahren eh angeschlagen präsentiert.

Kommen wir nach den markttechnischen Überlegungen nun aber zum Film selbst, und für die Besprechung muss ich denn nun hin und wieder auch etwas spoilern.

Und hier muss also festgestellt werden, dass es sich bei „Star Trek: Nemesis“ um puren Fun mit der allseits geschätzten und ehrenvoll gealterten „Next Generation“ – Crew handelt: Actionreich, ironisch, augenzwinkernd, und eben enorm unterhaltsam.
Und genau auf dieser Ebene kann der zehnte abendfüllende Weltraumausflug eines Raumschiffs namens „USS Enterprise“ ( noch sind wir bei der Kennung NCC-1701-E ... ) überzeugen und gefallen.

Als Drehbuchautor trat hier John Logan ( „Gladiator“ ) ins Bild: Kein erfahrener Trek-Veteran, sondern ein von Ideen übersprudelnder Franchise-Neuling machte sich also daran, die Handlung auszuarbeiten. Logan ließ sich inspirieren von den im Fandom lautgewordenen Rufen nach Verschwörung und intergalaktischer Bedrohung und implementierte diesmal die in den Serien enorm wichtigen, in den Kinofilmen bislang aber vernachlässigten Romulaner.
Gut, was uns „Nemesis“ im Endeffekt zeigt, ist sicher nicht genau das, was viele wollten, bietet aber immerhin einen Putsch im romulanischen Senat, eine Bedrohung für Föderation und Erde und einen angemessenen Gegner für den omnipräsenten Cpt. Picard, nämlich in Form seines jüngeren Klons Shinzon.
Politische Verwicklungen werden dann schnell abgetan, die Storyline konzentriert sich auf, nennen wir es mal: das Duell der „Picards“, und kulmuliert nach einigen kurzen Intermezzos in einer ausufernden Raumschlacht zwischen der Enterprise-E und Shinzons neuem Prototyp-Kriegskreuzer „Scimitar“ ( und sehenswert: zwischendurch noch zwei romulanischen Warbirds).

So weit, so nett; viele Köche verderben den Brei, heißt es, denn die von Co-Autor Brent „Data“ Spiner konzipierte Nebenstory um den Androiden und B-4, ein nicht ganz so hochentwickeltes Pendant ( richtig, wir haben hier jetzt zwei Hauptfiguren konfrontiert mit „Spiegelbildern“ ihrer „Ichs“ ), wirkt eher aufgesetzt - bemüht und wenig innovativ und dient letztlich wohl mehr dazu, einen eventuellen Data - Nachfolger parat zu halten.
Data selbst, dass ist ja mittlerweile allseits bekannt, opfert sich in einer angemessenen, aber vielleicht zu gehasteten Sequenz und stirbt einen Heldentod, der in der Gesamtinszenierung noch etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Zur Inszenierung selbst:
Nachdem Riker-Darsteller Jonathan Frakes die letzten beiden Teile ( „First Contact“ und „Insurrection“ ) äußerst gelungen in Szene gesetzt hatte, berief man nun ein weiteres neues Gesicht:
Stuart Baird ( „Einsame Entscheidung“ ), ein bekennender „Star Trek“ – Fan, durfte auf dem Regiestuhl Platz nehmen. Anfürsich keine schlechte Entscheidung, liefert Baird doch eine handwerklich gelungene Inszenierung ab schafft es, oft gesehenen Szenerien neues Leben einzuhauchen, ließ er sich wohl nicht zuletzt auch von „Der Zorn des Khan“ inspirieren.
Und doch wird man als Filmfreund das Gefühl nicht los, so manches, beispielsweise die Gefechtsszenen auf der Brücke, Rikers One-on-One – Fight, die Phasergefechte ( hier überzeugt vollends nur das erste bei Datas und Picards Flucht, der darf nämlich mal beidhändig ballern ), und letztlich auch der Showdown, hätte noch etwas spektakulärer, dynamischer, ausgefeilter inszeniert werden können, vielleicht mit mehr Perspektivenvariationen, Zeitlupe etc.; Frakes’ Arbeit wirkte etwas detailverliebter. Trotzdem, Bairds Verdienst ist insgesamt durchaus sehr positiv zu bewerten.

So, jetzt aber: Wirklich begeistern kann „Nemesis“ nämlich durch die locker-flockige, sehr persönliche Darstellung der Hauptfiguren durch die sichtlich Spaß-habenden und amüsierten Darsteller ( Patrick Stewart, Brent Spiner und die anderen sind wie üblich klasse, Tom Hardy’s Shinzon ist etwas einseitig gezeichnet, aber hervorragend gespielt; einzig Marina „Deanna“ Sirtis liefert eine ungewohnt blamable Leistung ab, obwohl sie hier mehr Raum als zuvor eingeräumt bekommt ), viele augenzwinkernde Sprüche ( „Romulanisches Bier sollte verboten werden!“ – „Ist es doch!“ ), One-Liner ( „Ich bin im Fitnessraum.“ ) und Bemerkungen, zahlreiche Referenzen ( Borg, Dominion-Krieg ) an die Serie und das Gesamtfranchise, viele interne Verweise, größtenteils tolle Effekte, v.a. bei der abschließenden Raumschlacht und dem Ramm-Manöver, und die sich gegen Ende entfaltende Epik, etc.; „Nemesis“ ist wirklich ein Film für die Fans, auch wenn einige das offenbar nicht bemerkt haben. Toll natürlich Einfälle wie der Blick von Data und Picard nach dem Fahrzeug-Sprung ins Shuttle ( fast schon eine Goldeneye-Verarsche! ) und der „Defekt“ der Selbstzerstörung.
Insgesamt passt dies alles und macht „Nemesis“ zu einem würdigen Abgang für die „Next Generation“-Crew, auch wenn die sekundären Hauptfiguren wie Beverly, Geordi, Worf usw. am Ende etwas zu kurz kommen.

Macken hat das Ganze viele: Die problemlos hingenommene Prämisse der Klon-Existenz, die übertriebene Wandelhaftigkeit des ambivalenten romulanischen Militärs, Shinzons Superschiff, ein weiteres Data-Modell, einige Diskontinuitäten ( wieso feuert die Enterprise fast ausschließlich mit Photonen- statt mit Quantentorpedos, was ist mit Datas Gefühlschip? ); und dass die Aufmachung der Remaner und ihr Schiffs-Interieur nicht von ungefähr an die beliebten Borg und ihr Design erinnern, ist offensichtlich.

Der Soundtrack von Jerry Goldsmith spaltet die Fans sicherlich ebenfalls: Einerseits ist er passend düster und spannungserzeugend, selten wirkt er aber melodisch und stellenweise hätte er wirklich etwas epischer schmettern müssen; na ja.

Tut dies alles denn dem Sehvergnügen einen elementaren Abbruch?
Nein, eben nicht. Kleine Mankos, die etwas stutzen lassen, haben hier keine Chance gegen den actionreichen und humorigen ironischen Unterhaltungswert der vielleicht letzten Reise der „Nächsten Generation“, die ständig spannend und gleichzeitig witzig bleibt und durchaus in zahlreichen Punkten zu gefallen weiß.

Auf einen weiteren Aspekt möchte ich noch kurz hinweisen: „Nemesis“ hatte im Originalschnitt vielen Meldungen zufolge wohl eine Länge von knapp zweieinhalb Stunden; die Produzenten, allen voran der mittlerweile zurecht umstrittene Rick Berman ( vielleicht der „Totengräber“ des „Star Trek“ – Universums, da er ständig glaubt, die Wünsche der Fans zu kennen, in Wahrheit aber keine Ahnung zu haben scheint! ), setzten kräftig die Schere an, weil sie meinten, ein Trek-Film dürfe die 2-Stunden-Marke nicht überschreiten, und nahmen dem Film offenbar etliche Sequenzen, die weiter die Charaktere, die Hintergründe, den Humor vertieft hätten; sorry, so 'was kotzt mich, gelinde gesagt, verdammt an. Momentan kann niemand sagen, was ohne Bermans Herumstutzen für ein großes Stück „Star Trek“ und Science-Fiction-Kino „Nemesis“ hätte sein können. Das ist mehr als schade.

Trotzdem, auch so ist „Star Trek: Nemesis“ also ein wirklich spannendes, amüsantes, unterhaltsames Weltraumabenteuer, das sich sehen lassen kann, lange nicht so schlecht ist, wie manche Kritiken behaupten ( obwohl ich deren Ansätze durchaus sehe und respekiere ), und sicherlich bald in meinem DVD – Regal landen wird.

Machen Sie es so...!

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