Da ist er nun also, der zehnte Star-Trek-Streifen und schon vor Kinoauswertung wußten wir alle, es soll der Letzte sein. Nun, das scheint allerdings jetzt besiegelt, nachdem dieser Film an der US-Kinokasse wie ein Stein untergegangen ist. War aber auch extremer Blödsinn, ihn fünf Tage vor "The Two Towers" in die Kinos zu pressen.
Aber was ist falsch gelaufen? Bei oberflächlicher Ansicht stellt sich die Frage durchaus, denn als reiner Star Trek Film kann "Nemesis" durchaus bestehen, hat optische und dramatische Qualitäten, gute schauspielerische Leistungen, schöne Tricks und einen brauchbaren Spannungsbogen.
Was er jedoch nicht hatte, waren einerseits ein in sich geschlossenes Drehbuch und andererseits auch nur die geringste Neuerung, die die Fans veranlaßt hätte, in die Kinos zu strömen.
"Nemesis" kommt in seinem Grundaufbau daher, wie ein Remake von "Der Zorn des Khan"!
Ein böser Schurke mit einem persönlichen Haß auf den Captain, eine mörderische Superwaffe, ein Duell zwischen zwei Schiffe zwischen den Sternen und zum Schluß opfert sich einer der Hauptcharaktere. Schaut aus wie eine lupenreine Kopie. Nicht das wir uns an dieser Konstruktion im Wesentlichen stören würden, wenn uns hier und da der eine oder andere Lichtblick entgegengekommen wäre. Aber nur ein gut aufgelegtes und eingespieltes Team und viel Spaß an der Sache frischen diesen alten Hut nicht auf. Genausogut hätte die Classic Crew dieses Abenteuer spielen können, das Besondere hängt der Picard-Crew nicht an.
Überhaupt Picard: wieder einmal ist der Kinofilm der TNG-Crew fast ausschließlich auf ihn zugeschnitten, wie schon in den drei Filmen zuvor. Zwar hat Data manchmal eine gute Szene und diesmal hat man sich Mühe gegeben, daß alle wenigstens gut als Support in Szene gesetzt werden (mit Ausnahme von Worf, der fast gar nichts zu tun hat), aber letztendlich dreht sich alles um Picard. War das auf 45 TV-Minuten noch ganz prickelnd, ist das beim vierten 2-Stunden-Aufguß langsam zu dröge.
Das hat man ansonsten recht attraktiv geschneidert: der Picard-Klon Shinzon, der den romulanischen Senat ermordet und die Schwesterplaneten-Brüder, die Remaner mal nach vorne bringt und sie zur Bedrohung macht.
Natürlich will der seinem zellulären Vater mal ins Gesicht blicken und die Duelle zwischen Tom Hardy und Patrick Stewart sind reizvoll. Doch wohin die Drehbuchautoren damit wollen, wissen sie meist nicht so recht, denn die Richtung wechselt mehrfach. Mal ist es Neugier, dann Haß, dann medizinische Notwendigkeit, die diese filmlange Verfolgungsjagd am Laufen hält, nur wirklich glaubwürdig wirkt Shinzon dadurch nicht. Seine Motivationen müssen uns stets aufs Neue erklärt werden und daß der Böse durch genetischen Zerfall extrem gehandicapt ist, macht ihn auch nicht gerade überlegen.
Also müssen bald Tarnschirme und das monströse Angriffsschiff in den üblichen Katz- und Maus-Gefechten herhalten, ein Manöver trägt tatsächlich Kirks Namen, womit wir wieder vor 35 Jahren angekommen wären.
Nur ist die Erde (wie üblich das Ziel) hier nie in extremer Gefahr, sondern weit weg, die Bedrohung wird nie unmittelbar.
Ansonsten Tristesse: Die remanische Flotte besteht auch anscheinend nur aus einem Schiff, die Romulaner erweisen sich als überraschend "menschlich", wenn mal einer radikale Ideen bringt (und nicht etwa als opportunistisch). Weiter Unlogik: die telepathische Verbindung von Shinzons Freund mit Deanna Troi ist weniger ein integrer, logischer Teil der Handlung, sondern dient nur als Vorwand, um später die Feinde orten zu können (Prinzip: wir drehen den Spieß um, als Ersatz für den umgebauten Torpedo in Star Trek 6).
Der Frontalangriff auf Shinzons Schiff mit visuell schöner Rammung beweist seltsamerweise, daß Föderationsschiffe wesentlich härter als Remaner-Raumer sind und über die Schote mit dem zerschossenen Brückenschirm, der natürlich nur ein, zwei unbekannte Helfer ins All saugt und nicht binnen Sekundenbruchteilen alle anderen, wollen wir mal kein weiteres Wort verlieren.
Auch das Auftauchen eines frühen Data-Modells bringt dem Film nichts, außer daß man ja nun einen Ersatz hat, weil der echte Data sich hier am Ende in die Luft sprengt. Eine infantile und wenig interessante Figur (da war fast "Lore" noch sympathischer), deren Herkunft ungeklärt bleibt und deren Szenen wenig nützlich erscheinen, auch am Ende.
Datas Opfergang erscheint dazu noch ziemlich unspektakulär, seine letzten Worte sagt er NACHDEM er den Captain weggebeamt hat, für die Rettung genügt ein einziger Schuß und die finale "Trauerfeier" hätte auch etwas gefühlvoller ausfallen können.
Misskonzeption nennt man das wohl, denn während die alte Crew zu Pathos in kleinen und größeren Dosen griff, wenn es der Filmhöhepunkt es verlangt, bleibt "Nemesis" überraschend sachlich und bieder oder zumindest nüchtern. Es fehlt schlicht die Größe, das "Hurra"-Gefühl, das ein Kinofilm einfach haben muß, um sich von TV-Formaten abzugrenzen. Nur wirkt der Schluß (Abschied von Ryker, neue Mission) lediglich wie ein Schluß für diese Woche, nicht für immer.
Stattdessen protzt der Film mit Persönlichkeiten und Schauwerten. Von letzterem gibt es einiges zu sehen und für einen einzigen Besuch kann man auch darauf hereinfallen und sich einfach berieseln lassen. Aber wer dagegen hält, wie sich die Classic-Crew (Peter Pan-Zitat, Augenzwinkern, Unterschriften auf der Leinwand) verabschiedet hat, spürt lediglich den Hunger auf mehr. Star Trek 10 sättigt einfach nicht und bestätigt damit einen Trend, der sich schon in der Belanglosigkeit "Insurrection" abzeichnete. Star Trek, das waren spannende Geschichten mit tollen Charakteren. Momentan sind es interessante Charaktere in beliebigen Geschichten.
Deswegen sollte auch die "11" noch vollgemacht werden. Werdet doch einfach mal bescheiden, bastelt euch eine Verschwörung und rettet die Erde vor Ort. Bei Kirk hats funktioniert - aber der ist auch mal einfach nur auf der Brücke geblieben. (6/10, aber knapp)